
Die grosse Helfried-Gala
Die grosse Helfried-Gala
Helfried, der Geheimtipp in Sachen hochkarätigem Kabarett, gastierte im Kulturtreff in Bazenheid. Ich fragte mich, in welches Nest, wohin um Gotteswillen es wohl „Helfried“ verschlagen hat. Das Navigationsgerät führte uns (Stefanie und mich) bis kurz vor die letzte Kurve, es sah so aus, als ob dahinter nichts mehr zu erwarten wäre. Ein Passant versicherte uns, dass unsere Vermutung nicht stimme und wir hinter einer weiteren Strassenbiegung den „Kultur-Treff“ fänden.
Unter Kultur-Treff stellt man sich etwas vor. Aber es deckte sich keineswegs mit dem, was wir vorfanden. Eine Landbeiz, wie im Bilderbuch, umrundet mit gartenwirtschaftlichem Zubehör, irgendwie speziell und für uns doch ziemlich ungewöhnlich. Dennoch, wir waren gespannt. Das Beizensääli, die Decke hing dicht über den Köpfen, mit einer andeutungsweise etwas erhobenen winzigen Bühne, für die Zuschauer lange Tische, die bereits für die im Hintergrund schmorenden Würsten für bequemes Essen sorgten. liessen eher eine Gemeinevesammtlich vermuten. Ich war richtig froh, dass ich meinen Mann nicht überredet hatte, mitzukommen, ich weiss nicht, ob er mit seinen 1,87 Körperhöhe nur in geduckter Haltung hätte seinen Platz aufsuchen können.
Und ich war gespannt, wie „Helfried“ mit dieser wohl für jeden Künstler anspruchsvollen und ungewöhnlichen Infrastruktur umgehen würde.
Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. „Helfried“ (Christian Hölbling) trat auf die „Bühne“, legte los, na ja, was wohl etwas übertrieben ist, denn Helfried ist eine Kunstfigur die nicht einfach loslegt, sondern sich zögerlich, eruptiv in das Bewusstsein des Publikums robbt. Soviel Schräges, Verklemmtes, durch österreichisch-katholischen Erziehungsdrill gezüchtete Eigenart in einer einzigen Person zu vereinen, sie überzeugend darzustellen, dazu gehört nicht nur ein grosses Talent sondern darüber hinaus zeugt es ebenso von Fleiss und Disziplin. So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn die beiden anderen zur Darstellung gebrachten Personen des „Moderators“ und der „Tante Hedwig“ ebenso grossartig waren und sich auch von technischen Herausforderungen nicht unterkriegen liessen. Die hervorragenden Gesangseinlangen von Rock bis lupenreinem Counter-Tenor hinterliessen ebenfalls einen unvergesslichen Eindruck und lassen zwangsläufig auf weitere sängerische Darbietungen hoffen.
Alles in Allem: eine Leistung von Christian Hölbling, die
hohe Anerkennung verdient. Es bleibt zu wünschen, dass wir noch viel von diesem
hoch begabten Künstler sehen und hören! www.helfried.net
Die Heimreise traten Stefanie und ich gegen Mitternacht beschwingt und vitalisiert an, Stefanie erzählte von ihren Bühnenerfahrungen und auch ich konnte es nicht lassen von einst zu erzählen, als ich noch jung war.
