
Julias Blog
Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.
Descartes
erstellt am: 24.04.2013, 08:10 Uhr
Ja zur Volkswahl des Bundesrates
Am 9. Juni 2013 wird das Stimmvolk entscheiden, ob zukünftig der Bundesrat per Volkswahl gewählt werden soll. Die Prognosen stehen eher schlecht, dass diese Bundrats-Initiative angenommen wird. Die von der SVP lancierte Initiative sorgt bei vielen Bürgern und Bürgerinnen reflexartig dafür, gründsätzlich dagegen zu sein und das eigene Denken einzustellen.
Aber es lohnt sich, über den Schüsselrand hinauszublicken und sich selbst einige Fragen:
- Wie kommt es, dass es immer wieder Personen in den Bundesrat spült, die niemand kennt und vor allem nichts über ihren Kompetenznachweis bekannt ist?
- Weshalb landen immer wieder Personen im Bundesrat, die in der Öffentlichkeit derart unbeholfen wirken, dass die Auftritte an Peinlichkeit kaum mehr zu überbieten sind?
Die Antworten liegen auf der Hand: Der Bundesrat wird von Mitgliedern des Ständerates und Nationalrates gewählt und folgt ihren eigenen Gesetzen, nämlich parteipolitische Machtansprüche geltend zu machen und zu sichern. „Wenn ihr uns unterstützt, dann unterstützen wir euch bei der nächste Wahl“, so lauten die geheimen Absprachen. Damit sind Tür und Tor jenen Untugenden geöffnet, die im privaten Umfeld eher verpönt sind: tatktieren, spekulieren, kalkulieren und berechnen. Der immense Aufwand, der hinter den Kulissen im Vorfeld einer Bundesratswahl betrieben wird steht zum Ergebnis im keinem Verhältnis. Wenn 246 Personen sich wochenlang vorwiegend darüber unterhalten, mit welchen geheimen Aktionen, Taktiken und Klimmzügen der bevorzugte Kanditat oder die Kandidatin auf den Thron gehievt werden sollte, dann handelt es sich hier – in Anbetracht des Resultates – um eine verschleuderte Zeitressource. Parlamentarier und Parlamentarierinnen werden für die Arbeit entschädigt, die sie zur Erledigung ihrer politischen Geschäfte leisten, nicht aber dafür, sich als von den Steuerzahlern finanzierte Trascht-, Klatschtanten und – Onkels sowie Intrigenleger zu betätigen.
Ein weiterer Anlass zur Besorgnis besteht darin, dass diejenigen, die den Bundesrat zu wählen haben, im höchsten Masse befangen sind, was z.B. in der Rechtssprechung als Grund gilt, einem Richter seine Befähigung, ein Urteil fällen zu können, abzuerkennen. Das Parlament setzt sich aus verschiedenen politisch aktiven Personen zusammen. Nicht alle sind in der freien Wildbahn der Berufstätigen erfolgreich und setzen umso mehr darauf, innerhalb eines politischen Amtes Karriere zu machen. Nicht wenige träumen vom Traum bis zum Ende der Fahnenstange zu gelangen, dh. als Krönung eines politischen Lebens die Amtsträgerschaft des Bundesrat oder der Bundesrätin zu erlangen. „im Parlament sitzen 246 möchte-gern-Bundesräte“, so der 2009 verstorbene Alt-Ständerat Ernst Mühlemann. So kommen also diese Parlamentarier und Parlamentarierinnen in die problematische Situation, einem Kollegen oder einer Kollegin just zu dem Amt zu verhelfen, das sie selbst anstreben. Dass dies nicht gut gehen kann, leuchtet ein. Da spielen vor allem persönliche Animositäten aller Art, Sympathien und Antipathien eine Rolle, ebenso die Gelegenheit, alte Beleidigungen heimzuzahlen oder Gefälligkeiten zu honorieren. Personen mit herausragenden Kompetenzen aber rufen Missgunst hervor. Keiner soll zu hoch hinauf kommen, in der Schweiz ist schliesslich Mittelmass angesagt. Brillante Köpfe errgen Neid, und wer Neid erregt, hat im Parlament schlechte Karten. Es werden nur solche Personen unterstützt, die nicht am eigenen Ego kratzen und narzisstische Kränkungen hervorrufen. Das Parlament lässt sich mit einem Krabbenkorb vergleichen, da sorgen die Krabben untereinander dafür, dass es keiner so leicht gelingen kann, bis zum Rand hinaufzuklettern.
Deshalb kann die Wahl des Bundrates zukünftig nicht mehr dem Parlament überlassen werden, sondern muss durch Bürgerinnen und Bürger per Volkswahl erfolgen, die letztlich die Zeche zu bezahlen haben.
erstellt am: 28.01.2013, 08:05 Uhr
Lyrik aus dem Krankenzimmer
Eisiger Frühe trotzen wollen
Sonntagslektüre und Brötchen
zwei Schritte
bäuchlings hingeworfen
Zähne und Zentrale unversehrt
der Rest liegt ungeordnet.
Schmerzendes einsammeln.
Zurück rappeln.
Ein Glas Wasser.
Keine Erleichterung,
Ab zum Notfall:
ein gestrandeter Wal.
Versehrte in der Aufnahme
von Angehörigen in beunruhigter Beobachtung umzingelt
sitzen gequält
stehen abgewandt
liegen verloren.
Abseits, ich
abgeschirmt
in gebetteter Wartezeit
Schmerzen verjagen Langeweile
Dann und wann
vorübereilend
verschwommene Gesichter
Fragen stellend
Wann? Wie?
Personalisches: Geburtsort? Vater? Mutter?
Grossmutter? Nein Danke. Bin selbst.
Allergien? Kalabrien - wozu?
wann letzte Mahlzeit?
nichts gegessen, um 8 Uhr Kaffee
mit Milch, mit Zucker? Bin Vegetarierin - im Prinzip.
tut nichts zur Sache. Aha.
Narkoseschlaf.
Gleichnis für Ungläubige.
Metaphorischer Kreislauf
Von Werden, Vergehen
Und Auferstehen.
Deutsche Ärzte in der Schweiz
gottseidank!
Wer sonst würde uns zusammenflicken.
Wer hätte Lust, sich unseren subventionierten Bauern
unters Messer zu legen?
Wo bin ich?
Besorgte um mein Wohl.
Befremdlich.
Ackergaul pflügte
Furch an Furche
gegen den Wind gestemmt
Jahr für Jahr.
Geprüft:
kein Datenverlust
durch Sturz und Narkose
gespeicherte Gedichte sind abrufbar
Projekte allesamt vorhanden
Termine, Zahlen, statistische Werte lagern in Reih und Glied
Namen allesamt da
die wenigen Idioten sind gelöscht.
Im stundentackt
reiten durch Nacht und Wald
über endlose verschrundete Schluchten
vorbei an Trümmerbildern
stummen Gestalten.
Hoffend auf baldigen Lichtstreifen am Horizont.
Sprachbilder, Sprachwelten
Fetzenworte, Wortsplitter
Sprachinszenierungen rundum
Sprachmenschen spielen zum Tanz auf
im eigenen Rhythmus, Koloratur, Farb und Form.
Spatenstiche:
da sind die einen,
die kaum den reinen Tierlaut übersteigen
dürftig mit ausgemergeltem Sprachgut.
Andere voller zwar,
doch ganz und gar Faktischem verschrieben.
Jenen aber, die wagen,
den Türspalt zum Paradies aufzustossen
meerestiefes Daseins zu erspüren,
sei Dank.
Dank sei ihnen,
die ihre Worte beatmen und mit Sauerstoff belüften,
sie zum Leben freigeben,
damit jeder einzelne Laut erblüht,
erglüht, zurückstirbt in die Unendlichkeit
und wieder neu geboren wird.
Da weht ein weites Aaaaaa ans Ohr
öffnet die Welt, das unbegrenzbare All
lässt Galaxien erahnen
als Abbild der Seele
wenn nichts Menschliches mehr fremd bleibt,
sondern Abseitiges, Abgeschobenes eingemeindet und beheimatet.
Dann wieder klopft das Ooooooo eindringlich
an der Herzpforte
drängt nach Einlass
pocht auf Durchgangsrechte
für den wärmenden Golfstrom.
Dem gut durchbluteten Eeeee ist nicht zu entkommen,
in vielen Worten dehnt, gähnt, weitet,
Ewigkeit verheissend.
Mahnend ruft das Uuuuuu zum Aufbruch,
vertrauensmutig dunkle Kontinente zu erforschen,
um mit dem Iiiiiii als Lichtpfeil in der Hand
den himmlischen Kristallen
hell, heiter, keck und froh
zu begegnen.
Blick seitlich zum Fenster.
Halbbaum.
Winterlich erstarrte Äste
Mit ausgebreiteten Armen
Streben himmelwärts,
geduldsam wartend
auf baldig Werdendes.
Verkehrte Weltordnung.
Sie hegen und pflegen
umsorgen und borgen
Versehrten, an Gesundheit darbenden
pflichtbewusst und bienenfleissig
rundum fürsorgend ihren Dienst.
Wer sich um Menschen kümmert
landet in den unteren,
um Geld in den höchsten Besoldungsstufen
Nach einigen Tagen und zahlreichen langen Nächten
zusammenpacken
Beinahe wehmutsvoll.
Die Zeit, dicht gedrängt,
volle Stunden,
übervolle Minuten
ununterbrochen
auf Augenhöhe mit sich selbst.
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