Béatrice Stössel - Hygienemassnahmen der ganz anderen Art

Béatrice Stössel, 25.03.2020

Béatrice Stössel
Béatrice Stössel

Meeraaaahh – lassen Sie das Wort auf sich wirken.
Was sehen Sie? Das Meer, weissen Sand, aquamarinblaues Wasser? Vielleicht träumen Sie von einer wunderschönen Meerjungfrau, deren schimmernder Schuppenleib in allen Regenbogenfarben leuchtet? Sehen Sie, wie das lange blonde Haar mit ihr schwimmt, den schlanken Rücken durchschimmern lässt, die straffen Brüste verhüllt? Sehen Sie dieses Zauberwesen vor sich, wenn Sie dem Klang von  M E R A  folgen?

M E R A!

Gestatten Sie, dass ich Sie zurückhole in die Realität? Gut, bei Weiss können wir bleiben und auch bei Aquamarinblau. MERA so heisst das Zauberding, welches seit einiger Zeit  in meinem Bad an der Wand hängt.

Was sich die Leute so alles ins Bad hängen, denken Sie?

Es gehört eben dorthin, weil es sich ganz profan um ein Wasserklosett handelt, ein Gerät zur Verrichtung der......, na ja, Sie wissen schon.  Allerdings – und nun knüpfe ich wieder beim Zauberwesen an: MERA ist ein Zauberding von Dusch WC !

Es trat an einem Dienstagmorgen in mein Leben. Der Sanitärinstallateur empfahl mir, nachdem er die Grobeinstellungen gemacht hatte, die Bedienungsanleitung sorgfältig zu lesen und verabschiedete sich. Ich war also alleine mit meiner neuesten Errungenschaft. Eine elegante Fernbedienung in der einen, die Gebrauchsanweisung in der anderen Hand. Ich hasse es Anleitungen zu lesen. Man(n) soll mir zeigen wie etwas funktioniert, danach will ich selber drücken. Die Knöpfe der Fernbedienung natürlich, oder an was dachten Sie? Auf diese Art lerne ich am schnellsten und weiss anschliessend wie ein Gerät funktioniert. Aber ich stehe immer noch etwas verloren vor der schneeweissen Schüssel, mit glänzendem Chromstahlband hinten.

Zögernd gehe ich einen Schritt darauf zu. Und es ist, als hätte Aladin an der Wunderlampe gerieben, der Deckel öffnet sich ganz von alleine, wie der geheimnisvolle Sesam im Märchen. Mein Mund klappt gleichzeitig auf – vor Staunen!

Ob ich mich mal draufsetze, nicht weil ich muss, einfach so zur Probe. Und je länger ich überlege, desto dringender wird das Bedürfnis. Also Hose runter und draufgesetzt.

Nun beginnt MERA zu summen. Der Vergleich mit den Sirenen ist gar nicht so schlecht. Das Summen neutralisiert die schlechte Luft, lese ich im Handbuch. Ich sitze bequem. Der Sitzring ist anatomisch geformt und beheizt, verströmt wohlige Wärme. Doch es dauert nicht lange, da wird’s richtig heiss unterm Hintern. Wenn das nur mal gut geht! Zum Glück habe ich als geübte Reiterin ein bisschen Hornhaut am Allerwertesten. MERA heizt richtig ein. Also drücke ich den Waschknopf. MERA summt nun um die Wette mit der Luftreinigung, fährt die Dusche aus und wäscht. Oszillierend, hin und her und für uns Damen zusätzlich mit einem vorderen Wasserstrahl. Ladydusche nennt sich das. Es dauert. So schnell gibt MERA nicht auf, obwohl ich mich längst sauber fühle wie ein frischgewickeltes Baby. Die Dusche zieht sich zurück und nun streift ein wohltemperiertes Frühlingslüftchen, sanft über meinen Po und trocknet die Haut. Die Sitzringheizung gräbt sich weiter ins Fleisch. Jetzt reicht es aber. Also aufstehen und kurz die Spülung drücken. Und schon schiesst dass Wasser seitlich heraus, dreht sich im Wirbel und lässt das Geschäft verschwinden. MERA hat keinen Spülrand mehr. Die WC Ente ist zum Tode verurteilt! Vor meinen staunenden Augen schliesst sich zum Schluss der Klodeckel wie von Zauberhand geführt. Einzig das aquamarinblaue Licht beleuchtet noch den Boden. Und das alles mit nur einem einzigen Knopfdruck. Wirklich, Hygienemassnahmen der ganz anderen Art.

 

 

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