Benita Batliner - Gerümpel aus dem Seelenkeller

Benita Batliner, 26.06.2020

Benita Batliner
Benita Batliner

Ich war schon immer eine Rebellin. Das zu tun, was alle machen, war für mich nie erstrebenswert. Mein Vater pflegte zu sagen: „Man muss tun wie die Leute“, obwohl auch er das sehr oft nicht tat. Meine Antwort darauf war meistens: „Man schon, ich nicht“. Diesen Spruch kürte ich zum Motto meiner Teenagerzeit und offen gestanden, hat er sich auch weiter durch mein Leben gezogen bis jetzt, und ich habe auch nicht mehr vor, das zu ändern. 

Ich habe es oft versucht und bin immer wieder gescheitert. In wie viele Fettnäpfe ich schon getreten bin, weil ich meinen Mund nicht halten kann, weiss ich nicht, aber es waren viele. Besonders wenn es um Ungerechtigkeiten gegenüber Schwächeren ging, oder wenn für mich der Sinn und die Logik einer Sache oder „vorgeschriebenen“ Verhaltensweise einfach nicht nachvollziehbar waren. Natürlich ergaben sich für mich dadurch immer wieder Schwierigkeiten und Konflikte, und oft wünschte ich mir, ich wäre anders, könnte einfach mal die Klappe halten und nicht so komisch und anders sein als die meisten. Oft fühlte ich mich fremd auf diesem Planeten und dachte, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. 

Heute sehe ich das anders. Alle diese Begebenheiten haben mich dazu angeregt, mich immer wieder zu reflektieren und bis zu den Wurzeln hinab zu graben, um zu verstehen, was denn da mit der Welt und mir los sein könnte, dass wir so gar nicht zusammenpassen wollen.

Dieses Graben hat mich mir selbst immer näher gebracht, ich habe mich selbst kennen-, dann annehmen und lieben gelernt, so wie ich bin. Und es hat mich gelehrt, dass ich nicht verkehrt bin. Ich bin Individualistin. Ich stehe dafür, dass die Einzigartigkeit jedes Menschen eine Gemeinschaft so bereichert und unterstützt wie die verschiedenen Gemüse, Kräuter und Blumen in einem Mischkulturenbeet im Garten. Gleichschaltung und Einheitsbrei oder Monokultur, sei es in der Landwirtschaft oder im menschlichen Zusammensein, widerstreben mir.

Ich versuche den Weg der Liebe zu gehen, das Leben zu würdigen, wertzuschätzen und zu fördern, in welcher Form auch immer es sich zeigt. Natürlich gelingt mir das nicht immer, aber immer besser, je mehr Klarheit ich über mich selbst gewinne, und je mehr Gerümpel ich aus meinem Seelenkeller entferne. 

Auch wenn das oft schwierig und schmerzvoll ist und zeitweise einsam war, würde ich niemals einen anderen Weg wählen, denn es ist der Weg in die Freiheit. Ausserhalb der Reihe zu tanzen, öffnet den Blick für einen weiteren Horizont, oder zumindest für eine andere Perspektive, die einzunehmen sich immer lohnt. Der Raum, sich zu entfalten und sich im Tanz zu drehen ist grösser. Inzwischen fühle ich mich sehr wohl ausserhalb der Reihe und ich tanze längst nicht mehr alleine.

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