Benita Batliner - Was ist meine Berufung?

Bemita Batliner, 03.03.2020

Benita Batliner
Benita Batliner

Was ist meine Sache? Das frage ich mich schon lange. Natürlich gibt es Dinge, die ich mag. Und solche, die ich manchmal mehr, manchmal weniger gerne tue, die mir aber meinen Lebensunterhalt bezahlen.

Ich liebe das Schreiben, ich liebe das Gärtnern, ich liebe es, in die Tiefen der menschlichen Psyche zu tauchen und in die Höhen des Bewusstseins zu fliegen, so hoch und so tief es mir gerade möglich ist.

Was aber ist meine Berufung, meine Lebensaufgabe? Für mich hat sich diese Frage nie klar und eindeutig beantwortet. Vielleicht liegt es daran, dass ich so eine Chaotin bin, vielleicht liegt es daran, dass ich immer noch nicht wirklich ganz zu mir selbst gefunden habe, vielleicht liegt es aber nur daran, dass mich so vieles interessiert und ich mich immer wieder für neue Themen und Dinge begeistern kann. Gibt es überhaupt für mich diese eine Lebensaufgabe? Oder besteht sie darin, eben verschiedene Dinge zu tun, nacheinander, manchmal auch nebeneinander, gerade so, wie das Leben sie mir präsentiert? Was liegt mir am, beziehungsweise im Herzen? Da ist einerseits eine Weltenschwere, welche die Sehnsucht nach Leichtigkeit in mir nährt. Ich erfahre sie hin und wieder, diese Leichtigkeit: mit Schmetterlingsflügeln durch die Zeitlosigkeit tanzen mit nichts als Freude und Dankbarkeit im Gepäck. Ich trage sie in mir als Möglichkeit, die ich jederzeit wählen kann. Und ich trage die Liebe in mir. Sie ist das Andererseits und gleichzeitig mein grösstes Anliegen und Bestreben. Die Liebe zu Mutter Erde, zu den Tieren, zu den Menschen, zu mir selbst, einfach Liebe. Agape. Nicht objektgebunden, sondern einfach da, herzfüllend, überlaufend, ausströmend, den Raum füllend, Funken sprühend, ansteckend, inspirierend, hüpfend, sich freuend, lachend, dankbar, manchmal ganz still, auch ernst, lodernd, grundlos, bedingungslos. Ja, das ist meine Sache. Nicht, dass mir das immer gelingt. Oh nein, bis dahin gibt es noch einige Mauern niederzureissen, alte Krusten abzukratzen, Gerümpel wegzuräumen, Türen und Fenster zu öffnen. Aber manchmal und immer öfter ist sie da, weitet mein Herz, bläst es auf wie einen riesigen Luftballon und trägt mich über mich selbst hinaus. Und jedesmal, wenn ich sie fühle, möchte ich mehr davon in die Welt geben. Und an mich selbst. Sie hat es so nötig, die Welt. Und ich auch. Ja, vielleicht ist das meine Sache. Zu lieben. Nicht gebunden an eine besondere Aufgabe, sondern einfach so. Da, wo und wie ich gerade bin. Bei meiner Arbeit, in meinen Kursen, in meinem Garten, mit den Worten, die ich schreibe, auf der Autobahn, wo auch immer. Sie macht mich froh, diese Vorstellung, und ich lächle unwillkürlich vor mich hin, während ich das schreibe. Es fühlt sich stimmig an. Und es entbindet mich vom Leistungszwang, etwas Besonderes sein oder tun zu müssen, um mir meinen Platz auf dieser Welt zu verdienen. Ich habe endlich begriffen, dass es genügt, das zu sein, was ich bin: eine Liebende. Nicht mehr und nicht weniger.

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