Brigitte Hieronimus

Brigitte Hieronimus , 24.04.2022

Brigitte Hieronimus
Brigitte Hieronimus

Liebe Julia, weißt du noch?

Ohne das Feuer deiner Wechseljahre wären wir uns nie begegnet.

Dein Buch über die Feuerzeichenfrau ging mir mächtig unter die Haut. Schon das erste Kapitel sprach mir aus der Seele: Der Sommer kracht aus allen Fugen! Oh ja, es krachte gewaltig in mir und um mich herum. Inmitten der wechseljährigen Gewitterstürme meiner Ehe hätte ich dein Buch dringend gebraucht, doch ich bekam es erst in die Finger, als sich die Stürme meiner aufgeheizten Ehe gelegt hatten. 

Ich saugte jedes Wort mit Feuereifer auf. Am Ende des Buches war mir, als ob du mich persönlich ansprechen würdest und du an der kostbaren Entdeckung meiner Umbruchszeit interessiert seist. Ich spürte in jeder Pore: Ja, es ist an der Zeit die Leinen los zu machen und beruflich zu neuen Ufern aufzubrechen. Frisch verliebt in meine Vision und auch wieder in den eigenen Mann, entschloss ich mich, ihn kurzerhand mitzunehmen. Während ich mich als Kursleiterin ausbilden lassen wollte, könne er ja Heidis Bergwelt durchwandern und mit Leidenschaft fotografieren, was ihm vor die Kamera kam.

Dort auf dem Stoos erlebte ich dich drei Tage pur mit Haut und Haaren. Du nahmst kein Blatt vor den Mund, klärtest gründlich und weise über die Symptome der Wechseljahre auf. Ich war begeistert von deiner Direktheit und natürlich von der Thematik, die mich fesselte wie selten etwas zuvor in meinem Leben. Als ich dir am vorletzten Kurstag meine handgeschriebene Liebes-und Leidensgeschichte in die Hände drückte, ahnte ich nicht, welche Folgen das haben würde. Am nächsten Tag nahmst du mich beiseite und sagtest mit bewegter Stimme, meine Geschichte sei dir dermaßen unter die Haut gekrochen, dass du kaum hättest schlafen können. Ich solle unbedingt schreiben und mein Talent nicht vergeuden. Ich war sprachlos. 

Doch zuerst wollte ich die Wechseljahre „ a la Julia Onken“ nach Deutschland bringen, danach könne ich ja immer noch ein Buch schreiben. Heiter und beschwingt brachte ich das heiße Thema Deutschlands Frauen näher.

Was sich zwischen uns vor knapp dreißig Jahren anbahnte, sollte sich zu meiner Lebensaufgabe entwickeln. Nicht nur die Wechseljahre sind an mir hängen geblieben. Sie waren tatsächlich der Auftakt in eine neue Lebensphase. Ich durchschritt Tor um Tor, erklomm Stufe um Stufe und begriff allmählich, was genau es mit der Menschwerdung an Körper, Geist und Seele auf sich hatte. Abschied und Neubeginn reihten sich wie Perlen auf meiner Lebenskette aneinander. 

Du warst mir in manchem einen Schritt voraus. Hattest bereits hinter dir, was noch vor mir lag. Du meintest, ich bin eine, die mit allen Wassern gewaschen sei. Ja, das stimmt, ich bin durch so manche Gewässer geschwommen, hätte nie gedacht, dass ich mal „nur“ mit Frauen arbeiten würde. 

Denn nicht zuletzt warst du es, die mich ans FSB berufen hat. Ich kam angeflogen, wenn du händeringend SOS funktest. Ich war dabei, wenn du in unermüdlicher Schaffenskraft das geistige Zepter schwangst und mir die Freiheit ließest, das Ganze praktisch umzusetzen. Ich schmunzelte, wenn du wie eine Diva neben mir saßest und dir urplötzlich vor Vergnügen auf die Schenkel klopftest oder wie ein Gossenjunge fluchtest, wenn dir was gegen den Strich ging.

Ich habe viele Jahre mit dir zusammen, souverän Kurse geleitet. Das Frauenseminar ist längst ein Ort der Heimat für mich geworden. Ich bleibe, bis das Licht am FSB gelöscht wird. Am Ende der Feuerzeichenfrau schreibst du: „ … es gibt etwas, was uns, Dich und mich und all die anderen Wesen miteinander verbindet, wo wir alle eins sind, wo wir uns als Schwester, Bruder, Vater und Mutter in einem verbinden, darin vergehen und in allem wieder auferstehen.“

Und nun liebe Julia, lass das Alter aus allen Fugen krachen!

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