Brodelnd im kelchigen Innern

Simone Buser, 02.10.2019

Simone Buser
Simone Buser

Mutig habe ich mich in meinem Radius kundig gemacht und querbeet, erstaunlich viel Verwirrendes vernommen. Seither begegnen mir vulvenähnliche Gebilde in Wolkenformationen, im Faltenwurf der Hosen und Röcke, die vor mir hergehen, und sogar als Schaumkreationen in meiner Badewanne.

Zum Glück bin ich mir sicher: Es ist der Name einer Königin! Sanft gewölbt, warm gebettet, brodelnd im kelchigen Innern, vibrierend, sich der Lendenkraft entgegenstemmend, funkeln die Edelsteine ihrer Krone, in deren Glanz sich die Sinne verlieren und sich das Leben einzigartig und ungezählt offenbart. Milliardenfach variiert, lässt sich ihre Schönheit nur an ihr selbst messen. Jeglicher kosmetischen Normierung darf sie sich keinesfalls beugen, dient sie so malträtiert nur dem Versuch, sie erneut zu bändigen.

Gefeiert, verteufelt, geschändet, in allen Schattierungen als suspekt betörend und verstörend wahrgenommen, bleibt sie als Leerstelle nahezu namenlos. Selbst von ihren Besitzerinnen wird sie in stiefmütterlicher Manier kritisch beäugt. Die wollüsterne Verruchtheit, die sie umwabert, hat sie einst in Verruf gebracht und schürt bis heute die Furcht vor zügelloser Ausuferung, schreienden Bälgern mit fremdem Blut in den Adern und gestählten Mannsbildern, denen sie die Hirnmasse auszumergeln droht.

Dogmatisch behaftet, aus scheinheilig konstruierter Sittlichkeit heraus, hält man sie noch immer oft genug unter Verschluss. Sie war und ist wohl zu kraftvoll, um nicht niedergedrückt zu werden. Ihr Ahnenfrauen, wie habt ihr wohl die Venus in der Umlaufbahn gehalten? Rein, raus und auch schon das Aus. Die heimlichen Gelüste haben sich nur zu oft in den Bettlaken verloren. Und wieder rundet sich der Bauch. Euch gebührt mein Respekt.

Jenseits der Heroisierung des Zweitakters, nicht entmutigt von den Absackern im Davor und Danach, erweitere ich meinen Sinn, skizziere als neue Dimension die Freude, mit jeder Faser eine Frau zu sein. Ob am Verwelken oder voll erblüht, liegt in diesem Empfinden eine wundersame Magie.

2Kommentare

  • Silvia Schöb
    04.10.2019 08:27 Uhr

    Wow, du hast das toll geschrieben - so mythisch. Das ist sehr angenehm zu lesen, kein peinliches Gefühl kommt auch, kein "Scham" (!) erwacht... Ich finde, du hast das Thema sehr angenehm uns respektvoll angepackt - mit viel Achtsamkeit, ohne zu moralisieren und auzuwühlen...
    Danke dir! Lieben Gruss, Silvia.

  • Simone Buser
    14.10.2019 06:22 Uhr

    Liebe Silvia
    Vielen Dank für diese Rückmeldung! Es fühlt sich gut an, mit Worten zu bewegen. Eigentlich ist es fast das Schönste!
    Herzlich
    Simone


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