Brustpanzer statt Büstenhalter?

Meta Zweifel, 29.10.2019

Meta Zweifel
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Selbst wenn man nicht katholisch getauft oder konditioniert ist, kann man das Thema Emanzipation in der weltumspannenden Organisation der katholischen Glaubensgemeinschaft mit Interesse verfolgen. Was muss geschehen, dass ein Rollenwechsel möglich wird? Dass Frauen nicht mehr nur als treu dienenden Magd und unentbehrliche Helferin in Anspruch genommen, sondern als Handelnde und des Priesteramtes würdige Menschinnen wahrgenommen werden?  Wie viel Zeit muss noch vergehen, bis Machtstrukturen und starres Verharren in Satzungen und Vorschriften so durchleuchtet werden, dass Veränderungen in Gang kommen? Die vielen Frauen, die mit intelligenter und unermüdlicher Beharrlichkeit um Fortschritt und Anerkennung kämpfen, verdienen Respekt. In der Schweiz ist es nicht zuletzt  der Schweizerische Katholische Frauenbund, der sich zu Wort meldet. Alle Achtung.

Das echte Bemühen um Gleichstellung kann aber leider auch von einem unseligen Kampf um Gleichmacherei – man entschuldige de Ausdruck – versaut werden. Was meldet beispielsweise die Basler Zeitung am 14. Oktober in einer fetten Überschrift? >>  Schweizergarde diskriminiert Frauen. >> Die seit 500 Jahren bestehende Schweizergarde soll der Menschenrechtskonvention widersprechen, weil ausschliesslich Männer bei der Garde im Dienst stehen und aufgrund einer sehr alten Tradition bei der Bewachung des Papstes mitwirken können. Die Freiburger Professorin Belser mit dem theologisch symbolschweren Doppelvornamen Eva Maria wird nun gewiss von alle möglichen Seiten zum Interview gebeten und sich äussern können. Aber ist nicht schon der Gedanke absurd, dass sich eine Frau in den Brustpanzer der Gardisten-Galauniform zwängen, den Helm aufsetzen und die Hellbarde schultern möchte? Möglicherweis trug auch die Heilige Johanna von Orléans in der Schlacht einen Panzer, aber das ist nun wieder eine ganz andere Geschichte. Abgesehen von der Renaissance-Uniform der Gardisten: Welche Vorteile und Möglichkeiten böten sich einer Gardistin? Oder geht es einmal mehr lediglich um ein Me too-Gehabe, das dem Stampfen eines kleinen Kindes gleicht, das im Einkaufscenter brüllend einen bunten Lollo verlangt? Und noch eine Randbemerkung:  Wer der Schweizergarde beitreten will, darf nicht älter als 30 Jahre sein. Werden da nicht alle Männer, die sich in allerbester körperlicher Konstitution befinden, aber über 30 Jahre alt sind, diskriminiert? Der Diskriminierungsgedanke kann bis zum Geht nicht mehr plattgewalzt werden....

Frauenrechte und Gleichstellung sind auf mehreren Gebieten von vitalem Interesse, keine Frage. Aber ist es nicht kontraproduktiv, wenn sich die Thematik auf Nebenschauplätze verkrümelt und mit grossem Eifer und viel Aufwand leeres Stroh gedroschen wird?

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist zum Beispiel ein ernsthaftes Thema. Aber gleiche Kleidung und gleiche WC-Anlagen für beide Geschlechter oder gleiche Renaissance-Pluderhosen und Brustpanzer für Frau und Mann: Geht’s noch?

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