Das Gebell des inneren Schweinehundes

Beatrice Stoessel, 24.01.2019

Béatrice Stoessel
Béatrice Stoessel

Seit längerem schwirren vielerlei Gedanken wie ein lästiger sommerlicher Mückenschwarm in meinem Kopf herum. Und je länger ich überlege, desto weniger komme ich zu einem Ergebnis. Deshalb bediene ich mich der altbewährten Methode der Pro- und Kontraliste. Ich nehme diese immer zu Hilfe, wenn ich ein Problem lösen will. Zum Beispiel, wenn es um Männer oder die Liebe geht. Soll ich mit ihm weitermachen oder ihn ins Pfefferland schicken? Muss ich mich weiterhin mit Leuten herumschlagen, die mir auf den Sack – oh Entschuldigung – ich meine natürlich auf den Geist gehen?

Was spricht dafür, was dagegen?  Pro und Kontra bringe ich so schonungslos zu Papier. Linke Kolonne = PRO, Rechte Seite = Kontra. Und ganz schnell wird mit dieser Methode ersichtlich, wo der Hase im Pfeffer liegt. Das bewährt sich nicht nur in Liebesdingen, das funktioniert bei fast allem und zeigt zudem die Situation optisch optimal auf. Also erstelle ich eine Liste: Weiter im alten Trott oder auf zu neuen Ufern!

Welche Ufer möchte ich 2019 anpeilen? Ganz sicher und weit oben steht, eine weitere Kindergeschichte schreiben. Ebenso wichtig, meinen Traum vom Buch mit kribbeligen Stories für Erwachsene realisieren. Eine Städtereise vielleicht? Ich will mich nie mehr von irgendwelchen Schwätzern einlullen lassen. Meine Meinung werde ich frei äußern und meinen Standpunkt höflich aber bestimmt vertreten. Und ich will nichts mehr auf die lange Bank schieben, denn nichts bereut man am Ende mehr als die Träume, die auf der Strecke geblieben sind, weil man sich nicht traute.

Und was steht auf der anderen Seite? Der alte Trott? Die Alltagsroutine, wie waschen, putzen, bügeln. Die Rechnungen bezahlen, meine und die meines Mündels. Und mir ihre Geschichten anhören, immer dieselben, immer im gleichen Jammerton. Oder mein Krafttraining absolvieren. Ganz und gar nicht mein Lieblingssport. Doch seit ich im Fitness diese Foltermaschinen regelmäßig bewege sind Rückenschmerzen kein Thema mehr. Da ist schwimmen doch viel besser und müsste somit auf die Pro-Seite. Doch hat das nicht auch sein Gutes? Ich erlebe bei jedem Besuch im Altersheim, wie mein Mündel sich freut und realisiere gleichzeitig wie gut es mir geht, dass ich noch frei über mein Leben entscheiden kann. Und beim Schwimmen erreiche ich durch das regelmäßige Atmen eine Art Trance, in der sich mein Kopf leert. Das schafft Platz für neue Ideen, die Fantasie wirbelt durch meinen Geist, lässt neue Geschichten entstehen und ich stelle fest, der Kreis schliesst sich. Es braucht wohl wirklich beides. Der Reiz des Neuen versus das Gebell des inneren Schweinehundes, der schon an seiner Kette zerrt und nur auf mein Scheitern wartet.  Es muss sich verbinden wie bei der liegenden Acht, und so beschließe ich, für 2019 keine neuen Vorsätze zu fassen. Einzig einen Eintrag werde ich für den 31.12 2019 in der Agenda platzieren und der lautet: Überprüfen, welche Ideen und Wünsche aus der Pro-Liste erfüllt, erledigt oder realisiert wurden.

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