Ein freundliches Gesicht

Petra Lienhard, 26.03.2019

Petra Lienhard
Petra Lienhard

Ein toller Spruch von Karl Lagerfeld, doch er bewegte sich zu Lebzeiten in anderen Sphären. Bei mir als Normalverbraucherin funktioniert der Spruch zu meinem grossen Bedauern nicht. Vielleicht weil für mich Knete ein notwendiges Übel ist. Ohne Kohle ist es sehr schwer über die Runden zu kommen. Steuern hier, Versicherungen da, Essen, Kleidung...! Ich frage mich warum soll ich mein sauer verdientes Geld, welches meine finanziellen Bedürfe knapp deckt, einfach zum Fenster hinauswerfen? Das ergibt in meinen Augen keinen Sinn!

Vermögen hat für die meisten Menschen einen hohen Stellenwert. Manche arbeiten bis sie umfallen, nur um etwas auf die hohe Kante zu legen, für den Fall der Fälle. Andere steigen aus dem gewohnten Trott ihres Lebens einfach aus. Leben aus dem Rucksack und schleppen keinerlei Besitz mit sich herum. Warum nicht?! Für mich kommt weder das Eine noch das Andere in Frage! Es ist mir viel wichtiger Empathie, Lachen und Wohlwollen grosszügig zu verschenken. Lust am Leben kann ich mir nicht kaufen und das ist auch gut so! Doch Freude, Begeisterung, die kleine Blume am Wegesrand und all unsere Träume sind zum Glück kostenlos. Hinschauen, in sich aufnehmen und generös weitergeben. Das ist meine Devise!

Morgens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren ist eine wunderbare Gelegenheit. Hier lässt sich mit wenig Aufwand etwas Sonne in den hektischen Alltag zaubern. Ein fröhliches „Guten Morgen“ beim Betreten des Zugabteils. Freundlich lächelnd nach einem freien Platz fragen. Und ganz wichtig, bei Zustimmung „Dankeschön sagen“ und dem Gegenüber dabei in die Augen sehen. Ich liebe dieses herzerwärmende wohlige Gefühl, wenn ein kleines Echo zurückkommt oder sogar ein kurzes Gespräch entsteht. Menschen lassen sich nur zu gerne aus einer entnervenden Situation heraus zum Lachen bringen. Es versteht sich von selbst, dass diese höflichen Gesten nicht aufdringlich, sondern sehr behutsam gestreut werden. „Laut und polternd,“ vergiss es! Damit kannst du keinen Blumentopf gewinnen.

Wertschätzend sein Gegenüber wahrnehmen, genau das wünsche ich mir. Es gibt höhere Werte als nur den schnöden Mammon. Ein freundliches Gesicht, eine liebevolle Geste oder ein von Herzen kommendes Lachen gestaltet unserem Alltag beschwingter und zufriedener und plötzlich schweben wir auf weissen weichen Wolken, oder etwa nicht?

2Kommentare

  • Anna Klassen
    05.04.2019 00:00 Uhr

    Liebe Petra

    Dein Text ist persönlich. Der Schlussteil gefällt mir am besten, weil du die nicht geldabhängigen Werte betonst.

    Liebe Grüsse

    Anna

  • 23.04.2019 10:12 Uhr

    Liebe Petra

    Den Spruch des „grossen“ Karls findest du toll und bedauerst es sehr, dass er für dich infolge von Geldknappheit nicht funktioniert. Weder Arbeiten bis zum Umfallen noch minimalistisch leben, sind dabei Optionen für dich, um mehr auf der hohen Kante zu haben, bzw. weniger zu benötigen. Vielmehr sind dir gelebte Werte wie Empathie, Wohlwollen, Lebenslust, Freude, Begeisterung, Träume, Dankbarkeit und ein wertschätzender Umgang sehr wichtig, was mich sehr anspricht. Zur Verdeutlichung hast du nach meinem Dafürhalten ein gut nachvollziehbares Praxisbeispiel gewählt und dieses schön ausgearbeitet, toll! Und wofür sind all deine genannten Kostbarkeiten zu haben? Was wiegt nun mehr, der innere oder der äussere Reichtum, bzw. wie beeinflussen sich diese gegenseitig? Schliesst das eine das andere aus? Spielt es dabei vielleicht eine Rolle, wie ich etwas bewerte: „notwendiges Übel“, „sauer verdientes Geld“? Oder hat dies vielleicht gar etwas mit Wertschätzung zu tun? Bevorzuge ich selbst eher den inneren oder den äusseren Reichtum? Wie bewerte ich meinen Einfluss darauf? Wie du siehst, hat mich dein Text zum Nachdenken angeregt, super! Ein herzliches Dankeschön dafür.

    Liäbi Grüess

    Cécile

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