Farewell my friend

Zora Debrun, 06.08.2020

Zora Debrunner
Zora Debrunner

Am 15. Juli 2020 war der Tag, wo sich unsere Wege nach fast 18 Jahren getrennt haben. Du warst mir eine wunderbare Katzengefährtin. Du fehlst mir ungemein.

Am Tag nach meinem 43. Geburtstag wecktest du mich im Bett. Du wolltest vom Milchschaum meines Kaffees haben. Das war während vieler Jahre unser Morgenritual. Du hast jeweils drei Mal meinen Finger voller Schaum abgeleckt, dann bist du aus dem Schlafzimmer, die Treppe hinab gesprungen und dich deinem Tagwerk gewidmet.

Im Laufe des Tages verliessen dich deine Kräfte sehr schnell. Du verbrachtest den Montag an der Sonne liegend auf Saschas Bürostuhl, zufrieden und ruhig. Am Dienstag mochtest du nicht mehr herumlaufen, sondern schliefst einfach auf dem Teppich. Du sahst aus, als würdest du meditieren. Am Abend dann bist du ins Bad gegangen und hast dich dort auf den Badewannenvorleger gelegt. Am Mittwochmorgen wussten wir, dass wir der Tierärztin Bescheid geben würden.

Du hattest ein seltsames, sehr kätzisches Wesen. Du warst zärtlich, aber auch sehr egozentrisch und bestimmt, was deine Fress- und Trinkbedürfnisse anging. Mit grosser Geduld hast du täglich eingefordert, was dir gebührte. Mir schien, als würde dir das Leben am besten behagen, wenn Sascha und ich wie faule Würste auf dem Sofa in der Stube lagen und du abwechslungsweise auf uns schlafen konntest.

Dein Fell war wunderschön, auf die einen mochte es schwarz wirken, doch wenn man dich genau anschaute, konnte man die Farbe dunkler Schokolade erkennen. Deine Augen waren die einer Eule, gross und gelb, dein Blick intensiv.

Du hast mich, seit ich 25 Jahre alt war, durch mein Leben begleitet. Du warst dabei, als meine Mutter, später meine Omi, im Sterben lag, hast mich immer wieder getröstet. Du warst an meiner Seite, wenn ich krank war. Du warst während des Shutdowns für mich da, als ich nur noch zwischen Arbeit und Zuhause pendelte.

Du liebtest Musik. Wenn Sascha Bass übte oder sich lautstark Death Metal anhörte, dann sassest du auf dem Lautsprecher und blicktest wie eine Sphinx drein, so als wüsstest du alle Geheimnisse der Welt und noch viel mehr. Als wir 2015 ins Toggenburg zogen und im August die Jazztage stattfanden, direkt vor unserer Haustüre, warst du sichtlich beeindruckt. Du hast die drei Tage am Fenster verbracht, voller Faszination für die Jazzmusik aus dem Postzelt, das direkt über unserem Haus aufgebaut war. Zu gerne hätten wir mit dir noch einmal die drei schönsten Tage unseres Städtlis miterlebt.

18 Jahre sind eine verdammt lange Zeit für ein Katzenleben, aber auch für mich. Dich loszulassen war einfach nur schmerzhaft und ist es noch immer. Mir fehlen deine Eigenheiten, dein forderndes Miauen, dein Gurren, deine Spleens und deine nächtlichen Besuche in meinem Bett, wenn du auf meine Brust gehockt bist und mich einfach angestarrt hast.

Ich will nicht über deinen Tod nachdenken, denn er kam schnell. Die Zeit davor war wunderschön und ich war so stolz, mit dir zusammen zu leben. Du warst für mich die Katze, die ich immer haben wollte, mein seltsames Fabelwesen, meine Schicksalsgefährtin, meine Inspiration für Figuren in Kurzgeschichten.

Du hast mir in deinen letzten Minuten deine Pfote auf die Hand gelegt. Dein Blick ging nach dem Fenster, so als wolltest du vorsorgen, dass deine Seele, und ja, ich bin überzeugt, dass du eine hast, entschwinden kann. Es ging sehr schnell, denn du warst bereit zu gehen und ich wollte dich gehen lassen. Auch wenn ich mich jetzt sehr einsam fühle, so als katzenverwaister Mensch.

Was bleibt sind viele Fotos und meine Erinnerungen an dich, geliebte Katze. Mach es gut. Du fehlst.

 

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