Feminismus, im Querfeldein-Galopp?

Meta Zweifel, 06.08.2020

Meta Zweifel
Meta Zweifel

Schon klar, dass mit Bitten, mit sanftem Augenaufschlag und unerschütterlicher Geduld die Frauenbewegung niemals in Schwung gekommen wäre. Es waren mutige, kämpferische Persönlichkeiten, die dazu beitrugen und immer noch dazu beitragen, dass Frauen in der Gesellschaft den ihnen zustehenden Platz einnehmen können.

"Welch Glück sondergleichen, ein Mannsbild zu sein", seufzt das junge Klärchen in Goethes Trauerspiel "Egmont". Es verging eine gefühlte Ewigkeit, bis Frauen Selbstbestimmung zugebilligt wurde. Und nun also ist es ein "Glück sondergleichen, ein Weibsbild zu sein"? Weit gefehlt. Noch immer gelten Kategorien und noch immer werden in verschiedenen Bereichen der Kategorie Frau weniger Privilegien oder Entscheidungsmöglichkeiten zugestanden als der Kategorie Mann. 

Mit behutsamer Leisetreterei führt der Weg der Frau kaum je von A nach B. Allerdings hat man neuerdings manchmal den Eindruck, einzelne Sendbotinnen für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit  galoppierten auf ihrem Pferd im  "Ventre à terre" - Tempo drauflos.  Ganz wie einst die Meldereiter, die ihr Pferd so unerbittlich zur Eile antrieben, dass der Bauch des Tieres gleichsam am Boden entlang schleifte und das Tier womöglich unter dem Reiter zusammenbrach. Aktuelles Beispiel für  feministischen Querfeldein-Galopp: Eine Gruppe von Basler Politikerinnen fordert, dass an sämtlichen Fakultäten der Universität Basel bei  der Vergabe eines Professorenpostens zwingend eine Geschlechterquote eingehalten werden müsse. In der aktuell geltenden Berufungsordnung der Universität ist zwar bereits vorgeschrieben, dass bei gleicher Qualifikation einer Frau der Vorrang gebührt. Aber das genügt der kämpferischen Grossrätin und Hauptinitiantin sowie ihrer weiblichen Gefolgschaft durchaus nicht: Das Gleichheitsprinzip soll arbeiten wie ein erstklassiger Rasenmäher. Angenommen, es bewirbt sich ein Mann, der in seinem Fachgebiet international als hochqualifiziert gilt, um eine Professur, während eine sich gleichzeitig bewerbende Kandidatin eher zum achtbaren Mittelmass gehört – wie soll dann entschieden werden? Nach Befähigung oder nach Quote? Für die Frau, die den akademischen Stein ins rollen gebracht hat, ist dies eine total unwichtige Frage. "Es hast sich einfach immer wieder gezeigt, dass Menschen nur dann etwas wirklich tun, wenn sie müssen", meint sie. Eine Diskussion um den Sinn, aber auch um allfällige Folgeschäden einer Zwangsmassnahme wäre angemessen. Aber die Frau will vermutlich gar nicht diskutieren, denn ein vorrangiges  Ziel ist bereits erreich. Man spricht von ihr, sie hat den Ventilator in Gang gebracht, der parteipolitischen Wind erzeugt. In tiefem Respekt vor den vielen Frauen, die in der Öffentlichkeit oder in ihrer Familie gegen Diskriminierung, Minimierung und Marginalisierung gekämpft haben: Bei einem unkontrollierten Querfeldeinritt des Feminismus könnten unter Umständen Ross und Reiterin zu Fall kommen.

Werden manchmal auch Männer diskriminiert?

"Ich fühle mich als Mann vom Schweizerischen Recht diskriminiert", beklagte sich in einer Gesprächsrunde jüngst ein 78-jähriger, kinderloser Rentner. Vor vielen Jahren ist er von seiner Frau verlassen worden, die sich einem neuen Partner zugewandt hatte. Die in Frage stehende Frau war berufstätig, bezieht nun neben der AHV eine Rente, hat ein kleines Vermögen und lebte heute – vom ihrem Partner hat sie sich mittlerweile getrennt – in gesicherten Lebensumständen. Ex-Mann Nummer 2 wurde jedoch bei der Scheidung vom Gericht dazu verdonnert, der Frau lebenslang einen satten Unterhaltsbeitrag zu zahlen – was selbstverständlich seine Rente empfindlich schmälert. Der Mann sieht sich in der Rolle des Geprellten und Benachteiligten und opfert Zeit, Geld und Lebensqualität, um mit der Situation ins Reine zu kommen. Auf jeden Fall ist er überzeugt, dass sich bald einmal die Männer zur Wehr setzen müssen, um auf verschiedenen Ebenen nicht ins Abseits zu geraten....

"Ich hatte noch nie die Illusion, dass Frauen die Welt dann gerechter oder moralischer machen, Frauen sind nicht automatisch besser als Männer. Sie hatten in der Vergangenheit nur seltener die Gelegenheit, sich die Hände schmutzig zu machen." Ein bedenkenswertes Wort, das ernst genommen werden will – stammt es doch von der
Feministin Alice Schwarzer.

 

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