Da kommt mir doch glatt die Galle hoch

Béatrice Stössel, 29.09.2022

Béatrice Stössel
Béatrice Stössel

Es gibt Worte und die damit verbundenen Begriffe, die mir so was von auf den Wecker gehen, dass mir oft die Haare zu Berg stehen. Ganz vorne auf der Rangliste steht das Verb: FORDERN!

Alle fordern! Die Grünen mehr Grün! Die Tierschützer mehr Tierwohl! Die Autolobby mehr Strassen! Die Jungen mehr Freiheiten! Die Alten mehr Rücksicht! Die einen mehr Rechte, für was auch immer ...! Die anderen mehr Verzicht …! Umweltschützer, Klimaaktivisten, die Lobbyisten einzelner Berufsstände, alle fordern. Es kommt mir vor wie der Tanz ums goldene Kalb.

Ich will mich gar nicht auf eine Debatte einlassen, ob diese Forderungen gerechtfertigt sind oder nicht. Sie haben meistens den durchaus berechtigten Anspruch ernst genommen zu werden. Nur: FORDERN, dieser Begriff stört mich. Weshalb, fragen Sie? Weil ich der Auffassung bin, dass jede Forderung eine Dringlichkeit darstellt, die es +/- sofort zu befriedigen gilt. Aber wie?

Und ich frage mich zudem, was lernen die Kinder, wenn sie immer hören: Wir fordern, statt mal um etwas zu bitten! Aha, denkt sich ein Dreikäsehoch, das ist also die Methode, wie ich meine Wünsche ohne Gegenleistung erfüllt bekomme. Da schreie ich doch mal nach neuem Spielzeug, delikaterem Essen, üppigerem Taschengeld. Und wenn die Wünsche nicht umgehend erfüllt werden, setze ich mich in die Ecke, trotze, schmeisse den vollen Teller zu Boden oder demoliere meine Spielsachen, danach fordere ich Ersatz. Es werden Ansprüche gestellt und für mich stellt sich die Frage: Wer soll das alles bezahlen?

Ich schreibe diesen Blog im August, noch ist es sommerlich heiss! Wenn Sie ihn lesen, ist Oktober. Vielleicht erleben wir gerade die ersten kühlen Herbststürme und das Thermometer krallt sich bei frischen 8 – 10 Grad fest. Am 24.8.2022 orientierte der Bundesrat über die Energiesparmassnahmen im Angesicht des Krieges, der nur zweitausend Kilometer von uns tobt. Vom Wasser und Gas sparen auf freiwilliger Basis war die Rede. Wenn wir nicht haushalten mit der Energie müssten Zwangs- massnahmen ergriffen werden. Ergo heisst eine der Forderungen: Wasser sparen! Wenn es geht auch heisses Wasser. Ich übe mich schon länger im Kaltduschen. Es funktioniert prima und ich spare schon. Probieren Sie es aus.

Wobei mir gleich wieder die Galle hochkommt, denn in der Nähe meines Wohnortes liegt ein Golfplatz. Dieser wird im Sommer jede Nacht mit 800'000 Liter Trinkwasser bespritzt, damit die 50 Hektar Grünfläche grün bleibt. 50 Hektar sind 500'000 m2. Das entspricht 7 Fussballfeldern oder ganzen 74 Tennisplätzen. Bei einer Temperatur von 20 Grad benötigt ein Quadratmeter Golfrasen 2 Liter Wasser. Als ob man nicht auch auf einem ausgetrockneten Rasen die Bälle abschlagen könnte. Die Golfer unter Ihnen sollen jetzt nicht gleich die Schläger nach mir werfen, ich weiss, dass es Plätze mit Drainagen gibt, die das Wasser wieder auffangen. Aber noch lange nicht überall. Trotzdem, diese Menge des kostbaren Nass gehörte in diesem heissen Sommer doch auf die Felder, damit das Gemüse nicht vertrocknet und es eine anständige Ernte gibt, oder eingesetzt zum Wohl der Tiere.

www.schweizerbauer.ch schreibt auf seiner Homepage, dass Milchkühe an heissen Tagen bis zu 150 Liter Wasser zu sich nehmen. Eine knappe Wasserversorgung bereitet den Rindern Stress, und in Verbindung mit hohen Temperaturen wird das Wohlbefinden der Tiere gestört und die Nahrungsaufnahme reduziert. Weil die Milch zu fast 90% aus Wasser besteht, ist dieses kostbare Nass eine wichtige Komponente, wenn es um das Tierwohl geht. Wieso heulen hier die Grünen und die Tierschützer nicht auf?

Auch wir Hausfrauen sollen weniger Wasser verbrauchen. Heisst: die Waschmaschine vollstopfen und nicht halbleer laufen lassen. Weiche Eier nach der «Ogi-Methode» kochen, und das Restwasser als Teeaufguss nutzen wird wieder en vogue sein. Die Liste der guten Spartipps lässt sich einmal mehr bis zum Sankt-Nimmerleinstag auf dem Buckel der Haushalte verlängern.

Dieser Verhältnisblödsinn ärgert mich enorm! Und deshalb stimme ich jetzt in diesen Ruf mit ein: Vernünftiges, eigenverantwortliches Handeln und vor allem mehr gesunden Menschenverstand. Und falls es einen schneereichen Winter geben sollte, mein Gratistipp:

Schnee in die Pfanne, aufkochen und schon haben Sie siedendes Wasser für die Pasta, basta!

24. November 2022 um 20h00 WEIHNACHTSLESUNG
Gemeindebibliothek, Lindauerstr.1, 8309 Nürensdorf

Anmeldung erwünscht: bibliothek@nuerensdorf.ch

9. Dezember 2022 ab 14h00 Weihnachtsmarkt in Rapperswil Jona
Bücherverkauf bei BücherSpatz GmbH Marktgasse 16, 8640 Rapperswil Jona

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