Fremd im eigenen Haus

VerenaLüthi, 04.11.2020

Teodora Kostyàl
Teodora Kostyàl

Wenn es Zeit ist
zu rennen,
zu staunen,
kreativ zu sein,
zu lieben,
zu teilen und
zu spüren,
dann bleibe ich -
hüpfe mit der Zeit und
renne gegen die Zeit,
stolpere, gehe, tanze,
teile Sorge und Liebe,
spüre und erlebe.

Wenn ich
Kinder alt werden sehe,
selber als Zerrbild vom
fleckigen Spiegel blicke,
im Ohr lautes Pfeifen
statt Grillengezirpe,
meine Erinnerungen mit
zittrigen Händen streichle,
nicht mehr riechend
Blumen umarme,
wenn die Beine
nicht mehr tragen,
das Auge nur noch
nach innen schielt
kein Ton mehr ins Ohr dringt,
wenn meine Haut taub wird,
mein Lebensbrot aufgezehrt,
jede Stufe eine Hürde,
das Leben zu Erinnerung wird -

dann bin ich im eigenen Haus fremd,
von dieser Welt aussortiert,
dem Tag nicht mehr gewachsen,
allein auf dem Perron zurückgeblieben,
um nur noch dem abfahrenden
Zug nachzusehen.

Wenn die Farben der Welt verbleichen,
Pinsel und Stift aus den Händen fallen,
wenn nirgendwo mehr willkommen,
nur noch als schwere Last empfunden –
dann,
dann ist es Zeit zu gehen.

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