Herrin im eigenen Haus

Monika Marti, 06.08.2020

Monika Marti
Monika Marti

Monika Marti
Psychologische Beraterin FSB
Schreibpädagogin FSB
Kursleiterin SVEB I

Wortbörse
Alleestrasse 37
8590 Romanshorn
Tel. 079 287 24 22

info@wortbörse.ch
www.wortbörse.ch

Du hast dich mit deinem Schreibatelier und Sprechzimmer «Wortbörse» selbständig gemacht. Wie ist es Dir damit ergangen?

Ich habe meine Wortbörse vor einem Jahr in Romanshorn eröffnet. In diesem Frühling ist mir allerdings der Lockdown dazwischengekommen und hat meine Aktivitäten jäh gestoppt. Der Start war ein echtes Abenteuer für mich, als Bernerin war ich in der Ostschweiz völlig unbekannt und ohne Kundenstamm. Aber es war ja gerade dieser Neustart, der mich gereizt hat

Wie sieht es heute damit aus?

Heute fühle ich mich in der Stadt willkommen und angenommen, es ergeben sich oft spontan persönliche Gespräche mit Passanten.

Erzähle bitte von deinem Angebot

Bereits bei der Eröffnung haben sich zwei Schreibgruppen gebildet, die regelmässig in der Wortbörse ein- und ausgehen. So hat sich ein kleiner aber feiner Kundenstamm gebildet. Nebst dem kreativen und biografischen Schreiben biete ich Anlässe zu Themen wie «Dankbarkeit», «Farbe in den Alltag bringen» oder «Vollmondschreiben» an. Im Schreibatelier und Sprechzimmer kann in Workshops psychologisches Wissen erlebt werden. Aus den Kursbesuchen ergeben sich wiederum Beratungsgespräche.

Was bedeutet Dir deine Wortbörse?

In meinem Lokal erlebe ich mich seelenheiter. Ich bin «die Herrin im eigenen Haus», kann tun und anbieten was mir von Bedeutung erscheint.  Mein wirtschaftliches Denken lässt mich zwischendurch aber auch zweifeln. Ich würde die Einnahmescheine in der Kasse gerne höher gestapelt sehen. Der Aufbau eines eigenen Geschäfts benötigt Hartnäckigkeit und Ausdauer. Manchmal macht mich das schrittweise Vorwärtskommen auch ungeduldig.

Wie erreichst Du Interessenten?

Ich bin kein Fan von «social media marketing». Mein Schwerpunkt liegt in der Beziehungsarbeit. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, persönlich und eher regional Werbung zu machen. In der Stadtzeitung werden regelmässig Marktplatzinserate aufgeschaltet. Aufgrund der Rückmeldungen weiss ich, dass mein Angebot beachtet wird. Vor dem Lokal regt ein Kundenstopper mit Denkanstössen zum Stehenbleiben an. Neuerdings lege ich themenbezogene Kleinigkeiten auf, die von Passanten gerne mitgenommen werden. Zweimal im Jahr versende ich News per E-Mail und bin natürlich über die Homepage erreichbar. Seit Kurzem nutze ich auch das Online-Magazin als Werbeplattform.

Ich glaube, für viele Frauen ist der berufliche Erfolg immer noch ein schwieriges Thema. Mit deinem neuesten Workshop nimmst Du dich genau dieses Themas an «auf dem Weg zum Erfolg, Vertraust Du deiner Inspiration?» Das macht mich neugierig, was kann ich mir darunter vorstellen?

Da kann ich von meinen eigenen Erfahrungen sprechen. Als ich in Erwägung zog ein eigenes Geschäft zu eröffnen, habe ich mir eine Mentorin gesucht. Ihre erste Frage war: Vertraust du deiner Intuition? Ich bin eher ein kopflastiger Mensch und musste die Frage klar mit einem NEIN beantworten. Mein zögerliches Handeln aufgrund meines Bauchgefühls hat mich nachdenklich gestimmt. Seither trainiere ich mein inneres Ohr und horche in mich hinein. Was ich höre, ist mir oft Wegweiser zum Tun. Nach einem langen Tag glücksatt im Bett zu liegen, weil ich eigenen Impulsen gefolgt bin, ist ein unbeschreiblich feierliches Gefühl.  

Heisst das, Erfolg bedeutet auf die innere Stimme zu hören, dem berühmten Bauchgefühl nachzugeben?

Erfolgreich ist, wer sich selbst wertschätzt und sich seinen Stärken und Schwächen bewusst ist. Da wo die Freude ist, geht’s lang. Am Workshop erstellt jede Teilnehmerin ihr persönliches Erfolgsprofil. Wir beschäftigen uns mit Resilienz und Durchhaltewillen, Ängsten und Glaubenssätzen. Erfolg beginnt im Kopf. Der Glaube an sich selbst ist Denkarbeit.

Das wird bestimmt ein toller Workshop, hat der Weg zum Erfolg nicht auch etwas mit Loslassen zu tun?

Aber sicher, Loslassen können ist eine Grundvoraussetzung für einen Neubeginn. Als Frau mit eigenem Geschäft ist für mich Abgrenzung im Dienstleistungsbereich von Partnerschaft und Familie ein wesentliches Thema gewesen. Die Bereitschaft, den Clan loszulassen und selbst-ständig zu werden, war nicht einfach. Damit meine ich nicht, dass Partner und Kinder vernachlässigt werden sollen. Es heisst lediglich, sich aus vertrauten Mustern zu lösen, hervorzutreten,  und sich in seiner ganzen Schönheit zu zeigen und seinen Weg zu gehen.  

Hast Du noch weitere aktuelle Projekte?

«Das Genogramm» und «Prägungen und Verletzungen der Kindheit» stehen auf dem Programm. Die Inhalte dieser Themen beeinflussen den Erfolgsverlauf. Wer sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt, kann Ressourcen von Eltern und Grosseltern stärkend in sein Handeln integrieren und sich bewusst von schwächenden Erfahrungswerten trennen.

Liebe Monika, ich danke Dir für das Interview. Wir werden bestimmt wieder gerne über deine interessanten Projekte berichten.

Das Interview führte Verena Lüthi, Redaktion Online-Magazin Julia-Onken

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