Ich bin tief in eine Krise

Amanda, 17.02.2017

Liebes Beraterteam

Ich bin 55 Jahre alt, verheiratet, habe eine Tochter von 16 Jahren die auf gutem Weg ist. Wir leben in einem schönen eigenen Haus und ich bin gut ausgebildet im Beruf. Seit zwei Jahren läuft es nicht mehr rund. Bin bereits an der dritten Arbeitsstelle, wo ich mit meiner direkten Vorgesetzten Konflikte austrage und ich mich nicht respektiert fühle. Ich sehe Defizite in der kompetenten Mitarbeiterführung. In der Hierarchie nach oben gibt es nur noch einen Chef. Es wird soviel erwartet und man redet vom WIR-Gefühl, welches nicht gelebt wird. Bringe ich mich jedoch ein mit konstruktiven Ideen und Lösungsansätzen, welche von meiner Kaderposition erwartet werden, ist diese nicht erwünscht. Ich zweifle an mir, weil das jetzt bei der dritten Arbeitsstelle so läuft.

Bei meinen Mann, der selbständig ist, läuft es momentan auch nicht so gut mit Aufträgen, so sind wir auf mein Gehalt angewiesen. Ich bin tief in der Krise mit mir selber und komme einfach nicht weiter, obwohl ich an mir arbeite. Zudem wollte ich mich selbständig machen, aber weil mir dieser Job soviel Energie raubt, habe ich dies bis auf weiteres auf Eis gelegt, da wir auf mein Einkommen angewiesen sind. Auch in der Beziehung gibt es Baustellen. Wir unternehmen zwar viel zusammen, aber mir fehlen die guten Gespräche mit Tiefgang, wo ich mich verstanden und abgeholt fühle. Vielen Dank für ihre Inputs.

Freundliche Grüsse Amanda

 

 

Liebe Amanda

Da ist einiges im Umbruch! Und irgendwie erlebst Du es, als ob Du Dich im Kreis herumdrehst. Deine Arbeit befriedigt Dich nicht, Konflikte mit Vorgesetzten wiederholen sich. Zudem möchtest Du Dich selbständig machen, kannst das aber nicht umsetzen, da Du für den Unterhalt der Familie aufkommen musst. Und der Tiefgang in der Beziehung fehlt Dir ebenfalls.

Nun der Reihe nach was Deine Arbeit betrifft: Könnte es sein, dass Du einfach über mehr Kompetenzen als Dein Chef verfügst und Du Dich deshalb ärgerst über ihn? Dies würde bedeuten, dass Deine Stelle nicht Deinem Kompetenzprofil entspricht. Somit wären die Konflikte auch gute Wegweiser, sich nicht unter dem eigenen Niveau zu „verkaufen“. Gerade für Frauen ist dies immer wieder eine grosse Herausforderung, sich nicht kleiner zu machen, sondern sich selbstbewusst auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren.

Die Angelegenheit mit der Selbständigkeit sieht nun anders aus. Offensichtlich hat Dein Mann sich diesen Wunsch erfüllen können, aber nur deshalb, weil Du die Aufgabe des Verdienens auf Dich genommen hast. Er ist zwar selbständig aber Du musst es finanzieren – mit einem Job, der Dir nicht gefällt. Hier wäre eine gründliche Aussprache mit Deinem Mann fällig, ob er zum Beispiel als Gegenleistung für Deinen Einsatz eine Stelle sucht, um für die Familie zu sorgen. Dann wärst  Du von dieser Last befreit und könntest Dich neu orientieren. Diese Gespräche mit Deinem Mann würden auch die Beziehung beleben und zugleich einen neuen Zugang zueinander ermöglichen - also gleich zwei Fliegen auf einen Schlag erledigen.

Wir sind uns darüber im klaren, dass das alles nicht einfach ist und sich auch nicht auf Knopfdruck lösen lässt. Am besten stellst Du Dich darauf ein, dass jetzt eine Umbauphase vor Dir steht und dies viel Zeit und Ausdauer bedarf. Letztlich aber ist dies eine Chance, das Leben nochmals neu anzupacken und zu gestalten.

Wir wünschen Dir dafür viel Geduld und selbstverständlich auch Erfolg.

Laura, Sonja, Wibke   (psychologische Beraterinnen FSB)

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