Infektionen und Kuckuckskinder

Dora Kostàl, 27.05.2021

Dora Kostyàl
Dora Kostyàl

Einmal über den Zaun fressen: Schmeckt das Gras bekanntlich im Nachbars Garten nicht besonders lecker?

Was bedeutet ein Seitensprung für die Betroffenen?

Natürlich kommt es darauf an, ob aktiv oder passiv beteiligt. Als Springerin oder als Übersprungener. Als Springer oder Sitzengelassene.

Wie auch, ob es um einen einmaligen Satz handelt oder sich der Hupfer mit der Zeit als Daueraufenthalt in Nachbars Garten erweist. Als Parallelwelt zur bestehenden Beziehung. Womöglich als verschwiegenes, mit Lügen zugedecktes Verhältnis über längere Zeit, das den Eindruck von Feigheit suggeriert und von Unfähigkeit zur Kommunikation zeugt. Wer weiss, was alles durch ein klärendes Gespräch - wenn auch noch so schmerzvoll - aufgedeckt werden könnte und welche neuen Wege sich dadurch auftun würden!

Solange keine Infektionen und Kuckuckskinder nach Hause gebracht werden, könnte ja das Fremdgehen je nach Umständen wie eine Richtigstellung einer Illusion betrachtet werden oder aber als Experiment oder eben als ein Ausrutscher (warum auch immer).

Das Alter spielt sicher auch eine Rolle, ebenso wie das eigene und des Partners Temperament. Oder die Komplexe von beiden. Dabei ist zu hoffen, dass sich eine gewisse Reife als gute Grundlage erweist.

Wenn jemand z.B. mit frischem Familienzuwachs (meistens sind es in diesem Fall Frauen) im vollen Vertrauen zum Partner gerade auf Wolke sieben in einer Beziehung schwebt, wo sie - womöglich als Letzte - erfährt, dass ihr Partner fremdgeht, fühlt sich das wie eine Ohrfeige an. Oder wie ein Kübel Dreck über den Kopf geleert. Nachher ist nichts mehr so wie vorher, das Vertrauen ist hin, Scherben wo man nur hinschaut und hintritt.

Vorallem die demütigende Frage bohrt an einem: Warum hat er mir die Möglichkeit nicht gegeben, selber zu entscheiden, ob ich unter diesen Umständen mit ihm bleiben will oder nicht?

Diese Tatsache beschneidet die Kommunikation drastisch, vor allem wenn weitere Lügen folgen, wie z.B. „Ich wollte dir keinen Schmerz zufügen“ oder „Du bist mir viel wichtiger“ usw.

Wenn einer lügt, auch wenn es nicht „nötig“ wäre: wer und was glaubt man ihm noch? Also ganz klar eine Qual in diesem Fall.

War Frau blind? Konnte/ wollte sie die Zeichen nicht ernst nehmen? Fühlt sie sich als Opfer, hintergangen, betrogen, enttäuscht? Sind klärende Gespräche nicht (mehr) möglich? Ist sie zu feige, hat zu wenig Selbstvertrauen?

Im besten Fall kann sich der Zwischenfall als Korrektur erweisen: eben, wenn die Kommunikation vorher nicht vorhanden war. Wenn nicht über Bedürfnisse und eventuelle Erwartungen gesprochen worden war.

Und als aktiver Part?

Wenn uns jemand plötzlich über den Weg läuft, der einen wichtigen Aspekt zeigt, der in unserem Leben fehlt? Oder die Leidenschaft belebt? Uns ernst nimmt?

Da ist immer noch das Abwägen: Lohnt es sich ? Verlieren wir dadurch den anderen, den Partner? Was ist wirklich wichtig und was bedeutet Risiko für uns? Haben wir den Mut, den Sprung zu kommunizieren? War das eine einmalige Angelegenheit, bedeutungslos, womöglich noch von Schamgefühl begleitet? Eine Täuschung, die man möglichst rasch vergessen möchte, oder eine Bereicherung? Eine Erweiterung, entweder in der persönlichen Entwicklung oder in der Partnerschaft?

Kommunikation, das A und O. Einmal mehr.

Die gesellschaftlichen Aspekte und Rollenbilder wollen wir jetzt ausser Acht lassen: Frauen und Männer haben auch auf diesem Gebiet nicht die gleichen (Vor)Urteile und Bewältigungsstrategien.

Laut Umfragen wird von Männern bei einem hohen Prozent fehlende sexuelle Befriedigung, bei den Frauen mangelnde Aufmerksamkeit als Grund für den Seitensprung angegeben. Überraschend: seltener als gemeint sind One-Night-Stands.

Was könnte sonst noch locken? Kein Alltag zusammen, keine Verpflichtungen, nur die Sonnenseiten geniessen.

Als Beschleunigungsfaktor wirkt angeblich: Wenn in der Partnerschaft keine (gegenseitige) Abhängigkeit mehr vorhanden ist, sei es im finanziellen oder im sexuellen Bereich.

Besitzansprüche, Kontroll- und Machtbedürfnisse des Partners oder der Partnerin können die andere Person auch in die Arme eines Dritten treiben. Werden doch nicht gerade durch unrealistisch enge Erwartungshaltungen genau die Reaktionen provoziert, die befürchtet sind?

Anscheinend kein Grund, um nachher der Fehlbaren oder dem Reuigen das Leben durch noch mehr Kontrolle und Rachezüge zu vergällen.

Die Definition, was eine „richtige“ Beziehung ist und das Empfinden, ob ein Abstecher eine Qual oder pures Glück bedeutet, sind ebenso vielfältig und individuell wie die Menschen. Folglich kann diese Frage nur jeder für sich beantworten.

Seitensprung. Ein Aufwachen. Wie auch immer: Aus einem oder in einen Albtraum?

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