Interview mit Cornelia Luterbacher

Julia Onken, 24.11.2019

Cornelia Luterbacher
Cornelia Luterbacher

Das Thema Trauer interessiert mich schon seit ich Kind bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon damals verschiedene Todesfälle von nahestehenden Personen und Familienangehörigen miterlebt habe. Irgendwie hat es meine Familie geschafft, mir einen sehr natürlichen, offenen und guten Umgang mit dem Thema Sterben beizubringen. Ich konnte das alles sehr gut verarbeiten.

Wie muss man sich den Lehrgang „Trauerbearbeitung“ vorstellen?

Dieser Kurs soll uns befähigen, Trauer sicher und offen zu begegnen. Dazu müssen wir zuerst unsere eigene Trauergeschichte reflektieren und unsere eigenen Grenzen kennen lernen. Ebenfalls lernen wir Trauermodelle und Traueraufgaben kennen. Dann setzen wir uns mit Sterben, Tod, Endlichkeit und Jenseits auseinander. Wir machen uns fit für diese Themen, die in der Gesellschaft noch stark tabuisiert sind. All das werden wir mit unserem Beratungswissen verknüpfen. Wir lernen das empathische und hilfreiche Begleiten von Trauernden für unseren Praxisalltag.

Was ist vor allem zu beachten, wenn wir uns mit Trauerbearbeitung beschäftigen?

Häufig haben wir selber unverdaute Trauer, die wir in unseren Herzen mittragen. Es gilt, sich dem zu stellen. Dann wird es viel einfacher, Trauernden zu begegnen. Ebenfalls als oberstes Gebot ist zu beachten: Jeder Mensch trauert anders, es gibt kein Richtig oder Falsch in der Trauer. Gerade ein ursprünglich zu starres Modelldenken hat viele Menschen nach einem Verlust verunsichert. Und dann ist die offene Begegnung mit Trauernden unglaublich wichtig! Viele Betroffene klagen über „Vereinsamung“, weil niemand es wagt ihnen zu begegnen. Und ist der erste Schritt gemacht, ist die Begegnung oft sehr bereichernd!

Ist der Kurs ausschliesslich für Betroffene oder für Personen, die andere begleiten wollen?

Diesen Kurs habe ich bewusst für Beraterinnen und Coaches entworfen. In unserer Arbeit haben wir es mit Menschen in verschiedensten Lebenslagen zu tun. Es kann plötzlich passieren, dass unser Klient einen Menschen im nächsten Umfeld verliert. Das beeinflusst sein Leben tiefgreifend und hat grosse Einwirkung auf den Beratungsverlauf. Wir müssen wissen, was das heisst und wie man nun achtsam mit diesen Menschen umgeht.

Ist es für Dich nicht sehr belastend, sich mit dem Thema «trauern» zu beschäftigen?

Nein! Das werde ich sehr häufig gefragt. Es ist eine unglaublich bereichernde Arbeit. Natürlich ist es immer traurig, einen anderen Menschen leiden zu sehen. Aber ich muss ja nicht mitleiden, ich habe Mitgefühl und das ist ein grosser Unterschied! Ich begleite Trauernde ganz behutsam und helfe ihnen rituell Abschied zu nehmen und den neuen Lebensbezug ohne die verstorbene Person zu finden. Dabei machen Menschen erstaunliche Entwicklungsschritte durch, und hier Zeugin zu sein, ist wunderbar!

Was für eine Beziehung hast Du zu dem Thema «Trauern»?

Das Thema Trauer interessiert mich schon seit ich Kind bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon damals verschiedene Todesfälle von nahestehenden Personen und Familienangehörigen miterlebt habe. Irgendwie hat es meine Familie geschafft, mir einen sehr natürlichen, offenen und guten Umgang mit dem Thema Sterben beizubringen. Ich konnte das alles sehr gut verarbeiten.

Immer wieder habe ich Trauernde in meiner Familie von den ersten Stunden nach dem Tod an begleitet. Diese Erfahrung war sehr eindrücklich! Erstaunlicherweise ging das Umfeld oft sehr plump und hilflos mit den Betroffenen um!

Aus all diesen Erfahrungen ist in mir der Wunsch erwachsen, Menschen in Trauer zu begleiten. Es geht darum, diese Phase des Loslassens erträglicher zu gestalten, Sicherheit zu vermitteln und das Gefühl zu schenken „Du bist ok, genauso wie du trauerst!“

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