Interview mit Dora Berecz Kostya

Verena Lüthi, 02.12.2020

Dora Berecz Kostyal
Dora Berecz Kostyal

Liebe Dora, herzliche Gratulation zum zweiten Rang beim 7. Bodensee-Schreibwettbewerb in Lyrik mit deinem Gedicht „Schwestern“.

In deinem Gedicht, ist eine Zartheit die berührt, nachdenklich macht, aber auch neugierig. Bitte erzähle uns etwas über die Entstehung dieses Gedichtes?

Einmal mehr hat mich ein Geruch, genauer ein Duft in vergangene Zeiten und in nicht mehr vorhandene Räume zurückgeführt.

Es war ein sonderbar plastisches und reales Erlebnis, eine Begegnung mit mir selber als junger Mensch und mit anderen, die auch nicht mehr in dieser Form existieren: nicht nur auf der Schiene einer Zeitreise in die Vergangenheit, sondern auch gleichzeitig in verschiedenen Körpern und auf unterschiedlichen Zeitebenen. So täuschend echt, als würde man zwei Fotos aufeinander kopieren, oder Lehmfiguren so zusammenkneten, dass beide noch erkennbar sind.

Dieses Gefühl, das nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit dem Emigrantendasein – ein Dasein „zwischen den Welten“ - zu tun hat, habe ich versucht, in Worte zu fassen.

Schreibst Du schon lange?

Ich habe schon immer gerne geschrieben, allerdings weniger und nicht mit der Ambition, etwas davon zu veröffentlichen. In 2017 habe ich aus einer plötzlichen Laune heraus zwei Texte eingeschickt (ein für mich sowohl unerwarteter als mutiger Schritt) und den ersten Preis des Bodensee-Schreibwettbewerbs (in beiden Kategorien, sowohl Lyrik als auch Kurzgeschichte) gewonnen. Seit Juni 2019 werden meine Kolumnen und Gedichte im Online Magazin von Julia Onken publiziert. Die Rückmeldungen darauf, wie auch die Resonanz nach den Lesungen im privaten Kreis haben mir bewusst gemacht, dass meine Texte nicht nur „meine“ sind und ausschliesslich mir gehören, sondern auch andere Menschen berühren können. Daraus ist langsam der Wunsch herangewachsen, eine Auswahl von der inzwischen beträchtlichen Materialmenge in Buchform erscheinen zu lassen – am liebsten mit eigenen Bildern, die vor oder zeitgleich mit den Texten entstanden sind. (Ich bin auch Zeichnerin, habe früher als Illustratorin gewirkt.)

Da ich aber offenbar nicht über eine ausgeprägte Begabung auf dem Gebiet Selbstmarketing verfüge, stecke ich in der schwierigsten Geburtsphase fest.

Was schreibst Du am liebsten? Prosa, Gedichte, Kurzgeschichten, Buch etc.?

Das geht phasenweise: mal sind es eher Gedichte, mal Reise - und Erlebnisberichte oder Kurzgeschichten. Reflexionen über eigene Themen die mich beschäftigen, oder Betrachtungen zu solchen, die mir entgegen kommen und – ähnlich wie in meinem Zeichenblock - verschiedene Aspekte und Erscheinungsformen beleuchten und in Form bringen. Ich mag die Wandlung der Phänomene, die Übergänge, wie Wort und Bild, Wortbild und Fragment einander ergänzen, miteinander verschmelzen, oder sich sogar in synästhetischer (Vermischung der Sinne) Gestalt zeigen und fühlen lassen. Da bin ich wahrscheinlich durch meine andere Seite, die bildnerisch-gestalterische, gefärbt und geprägt.

Was bedeutet Dir das Schreiben, hast Du es in deinem Alltag integriert? Wie oft schreibst Du?

Ja, das Schreiben ist ein Teil von mir geworden. Vieles wird dadurch klarer, verständlicher und zugänglicher, oder auch tröstlicher und leichter. Die Kraft des Wortes fasziniert mich. Ich schreibe jeden Tag, aber nicht nach Plan, sondern wenn es mich packt und weckt und die Magie der völligen Präsenz erleben lässt.

Was inspiriert dich? Wo findest Du deine Ideen?

Gewisse Stimmungen, Erinnerungen und Begegnungen können viel auslösen, oder manchmal ist es eine losgelöste Feder, die vom Dach langsam heruntersegelt, oder ein Geruch, eine Stimme oder ein Traum. Auch die Natur ist eine reiche Inspirationsquelle.

Hast Du Schreib-Pläne und wie sehen die aus? An was arbeitest Du aktuell?

Eines der aktuellen Schreibprojekte ist eine Art Galerie: Portraits skizzieren von ganz verschiedenen Menschen. Fast ein wenig karikaturhaft, aber nicht im Sinne des Laut-Witzigen sondern als Frage oder Andeutung, die zum prüfenden oder auch schmunzelnden Nachdenken anregt. Dieser Rahmen ermöglicht Federstriche, die sich durch eine gewisse Narrenfreiheit auszeichnen, Starres auflockern und Grenzen verschieben vermögen. Oder sogar Traurig-Beklemmendes in Kraft verwandeln und liebenswert machen können. Einige der Kandidaten führen auch ein Schwalbendasein wie ich, mit (mindestens) zwei Heimatorten und den entsprechenden Herausforderungen und Prägungen. Ich bin selber gespannt, was sich daraus entwickelt.

Und nicht zuletzt: Ich liege momentan mit dem Plan (das Buch, siehe oben), dem noch ungeborenen Kind in den Geburtswehen. Er ist reif, ich bin bereit, aber es fehlt noch ein Geburtshelfer, sprich ein Verlag, so dass mein Buch das Licht der Welt erblicken kann.


Liebe Dora, herzlichen Dank für das Interview und ich wünsche Dir mit deinen Projekten viel Erfolg.

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