Interview mit Monika Marti

Julia Onken, 02.07.2019

Dein eigenes Unternehmen gegründet und bist mit Deiner «Wortbörse» gestartet! Dazu meine herzliche Gratulation! Was hat sich an der Eröffnung abgespielt?

Die Tage der offenen Türe waren sehr bewegend für mich. Es haben sich Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen in der Wortbörse eingefunden. Einerseits Freunde, die mich im Alltag begleiten und vor Ort sehen wollten, dann Kolleginnen, die dieselbe Ausbildung absolviert und mich mit ihrer Anwesenheit ermutigt haben, an mich und meine Fähigkeiten zu glauben.

Weiter haben sich interessierte Ortsbewohner eingefunden, um mein Angebot kennenzulernen und sich bei mir zu bedanken, dass in Romanshorn eine Möglichkeit entsteht, sich schreibend und im Gespräch persönlichen Anliegen zu widmen. Zu meiner Freude haben sich mehrere Interessierte für die Teilnahme an Schreibkursen eingetragen.

Eröffnung Wortbörse

Was können wir uns unter dem Titel «Wortbörse» vorstellen?

Im Wort liegt Kraft. Was wir sagen, kann ermutigen oder traurig machen. Frieden stiften oder Gemeinschaft zerstören. Die Wahl unserer Worte hinterlässt nicht nur in unserem Umfeld Spuren. Insbesondere werden sie in der Beziehung zu uns selber sichtbar. Deshalb ist es an der Zeit, für sich selbst ein gutes Wort einzulegen.

Die Börse ist eine Einrichtung für den Handel und besteht aus Angebot und Nachfrage. In meinem Fall wird mit Worten gehandelt. Prägt mich zum Beispiel der Glaubenssatz «Ich werde nur geliebt, wenn ich nachgiebig bin» verhalte ich mich im Alltag nach diesem Prinzip. Möchte ich aus dieser Sackgasse austreten und ein freier Mensch werden, suche ich nach einem neuen gültigen Lebenscredo für mich: z.B. «Ich bin liebenswert». Ich lege Altes ab und beginne an Neues zu glauben.

Eröffnung Wortbörse

Von der Idee zur Umsetzung ist oft ein langer Weg. Wie hast Du diesen Prozess erlebt?

Ich habe bewusst meinen «Vernunftapparat» in den Hintergrund gesetzt, meinen Bedürfnissen vermehrt Beachtung geschenkt und nach Möglichkeiten gesucht, diese in Tat umzusetzen. Nachdem ich für mich persönlich das Ziel der Selbständigkeit festgelegt hatte und erste Schritte wagte, spielte mir das Leben gangbare Möglichkeiten zu. Ich habe Optionen überprüft und mich immer wieder gefragt: «Wie fühle ich mich dabei?»

War etwas nicht stimmig, habe ich meine Vorstellungen und Wünsche angepasst. Ursprünglich hatte ich eine andere Idee für die Ausführung meiner Selbständigkeit. Auf dem Weg zur Verwirklichung habe ich mich selber besser kennengelernt und verstanden, wie ich meine Intuition hilfreich in Tat umsetzen kann.

Als Du vor einigen Jahren den Lehrgang zur psychologischen Beraterin begonnen hast, hattest Du da bereits ein Ziel vor Augen oder hat sich das erst allmählich herauskristallisiert?

Ursprünglich hatte ich das Ziel, die Kommunikation zwischen mir und meinen Mitarbeitern zu verbessern, Gespräche und Sitzungen im Elektrofachgeschäft kompetent und gewinnbringend zu leiten. Während der Ausbildung im Grundkurs habe ich festgestellt, dass sich mein Denken und Reden aufgrund von Erkenntnissen verändert und positive Auswirkungen im Umfeld bewirkt hat. Erst mit der Zeit kam der Wunsch auf, meinem Berufsleben eine Wende zu geben.

Dann hast Du auch noch die Ausbildung zur Schreibpädagogin absolviert und den SVEB I abgeschlossen. Inzwischen bietest Du bereits Schreibkurse an. Wie ergänzen sich diese unterschiedlichen Ausbildungen?

Zu Beginn der Ausbildung bedeuteten persönliche Gespräche für mich eine grosse Herausforderung. Es bereitete mir Mühe, Worte für Gefühlsregungen zu finden. Ich erinnerte mich daran, dass es mir bereits als Kind einfacher fiel, mich schreibend auszudrücken. Deshalb entschied ich mich für den Lehrgang der Schreibpädagogin. Der

SVEB I vermittelt mir didaktische Sicherheit und Selbstbewusstsein als Leiterin von Schreibkursen. Tauchen in der schriftlichen Verarbeitung von Lebensthemen Verletzungen auf, bin ich für eine professionelle Gesprächsbegleitung als Psychologische Beraterin gut gerüstet.

Du hast Deine Ausbildung ernsthaft in Angriff genommen und Dich sowohl als psychologische Beraterin als auch als Kursleiterin ausbilden lassen. Zudem hast Du auch noch während drei Semestern den Lehrgang «psychologische Beratung» als Praktikantin begleitet und viele Gespräche mit unseren Studentinnen geführt. Was hat Dich in diesen Gesprächen am meisten berührt?

Es ist für mich jedes Mal ein unerwartetes Geschenk, wenn Menschen zu mir Vertrauen fassen und mich teilhaben lassen, an dem, was ihr Herz bewegt. Insbesondere berührt es mich, Zusammenhänge von Verhalten zu erkennen und zu sehen, welche Auswirkungen z.B. Prägungen der Kindheit haben können. Wenn sich Menschen nach einem Gespräch verstanden fühlen und erleichtert in den Alltag zurückkehren, regt sich Freude und Dankbarkeit in mir.

Welchen Rat würdest Du anderen Frauen geben, damit sie das, was sie gerne beruflich umsetzen wollen, auch in Angriff nehmen?

Ich rate allen, sich sehr gut zu überlegen und zu überprüfen, wem sie vom Vorhaben erzählen und wer sie ermutigt und bestärkt, ihren Weg zu gehen. Für mich war es hilfreich, mich während dem Aufbauprozess von einem Coach begleiten zu lassen.

Eröffnung Wortbörse

Was ist Deine wichtigste Botschaft?

Vertrau dir und glaube an dich und deine Fähigkeiten.

Was war für Dich die schwierigste Hürde, die Du überwinden musstest?

Es brauchte für mich viel Mut, mich und mein Angebot öffentlich zu machen. Aufgrund frühkindlicher Erfahrungen war ich ein misstrauischer Mensch. Immer auf der Hut, dass Menschen darauf aus sind, mir zu schaden. Diese Angst konnte ich nur überwinden, indem ich mich ihr ausgesetzt habe. Mein Gesicht und mein Angebot im Internet und in der Zeitung zu zeigen, bedeutete loslassen und Angst aushalten. Es hat sich gelohnt. Ich erhalte sehr viele positive Rückmeldungen, die das Vertrauen in mich selbst und die Menschheit stärken.

Was ist für Dich die grösste Freude mit der «Wortbörse»?

Jedes Mal wenn ich den Raum betrete, zu spüren, dass ich nach Hause komme. Die Wortbörse deckt viele meiner Bedürfnisse ab. Insbesondere erlebt meine Kreativität ein Comeback. Sie war nicht Teil meiner Gedanken im Vorfeld. Einfallsreichtum und Fantasie fliessen täglich in meine Arbeit ein und vermitteln mir und meinen BesucherInnen Lebensfreude.

Wenn Du noch etwas sagen möchtest, was Dir wichtig ist...

Ich bin von Herzen dankbar für die Aus- und Weiterbildungsjahre am FSB. Ich habe dem, was mir gelehrt wurde, grosse Bedeutung geschenkt und die Prägungen meiner Vergangenheit, den momentanen Lebensstandard sowie die Wünsche meiner Zukunft einer Prüfung unterzogen. Das war ein ziemlich anstrengender Prozess. Das Resultat fühlt sich an wie «bei sich selber ankommen».

Eröffnung Wortbörse

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