Interview mit Maya Onken

Julia Onken, 21.01.2019

Interview mit Maya Onken
Julia Onken
Julia Onken

Ich bin – als Mutter, und welche Mutter wäre das nicht! – begeistert von meiner Tochter Maya. Gleichzeitig bin ich auch sehr kritisch, versuche aber, möglichst kritische Anmerkungen zu unterlassen, weil ich weiss, es bewirkt eher das Gegenteil. Ich erinnere mich noch daran, als ich sehr darauf achtete, dass meine beiden Töchter stets warm angezogen waren, vor allem in der Übergangszeit. Viel später erklärten sie, dass sie sich jeweils flink im Schöpfli hinter dem Haus, der gestrickten Unterhosen entledigten. Wenn ich es damals gewusst hätte, wäre ich in grosser Sorge gewesen, überzeugt davon, dass sie sich eine schwere Erkältung zuziehen. Manchmal ist es gut, nicht über alles informiert zu werden.

Julia Onken: Du hast anlässlich des 20jährigen Jubiläums des "Bildungsfonds für Frauen" die Festansprache gehalten. Ich war davon sehr berührt und habe mich über Dein rhetorisches Können herzlich gefreut! Wie geht es Dir bei solchen öffentlichen Auftritten?

Maya Onken: Es ist ganz erstaunlich, es ist wie wenn ein Pinguin ins Wasser eintaucht. Auf dem Land watschelt er noch etwas unbeholfen herum, kaum umhüllt seinen Körper aber das feuchte Nass, ist der Pinguin in seinem Element. Er kann schnell und ohne Mühe schwimmen, tauchen, tanzen. So geht es mir, wenn ich vor Publikum stehe.

Also rundum putzwohl?

Genau! Sobald ich ganz eingetaucht bin, werde ich eins mit den Zuhörenden. Wir bilden zusammen ein Ganzes, das heisst, dass ich nicht einfach etwas Vorbereitetes runterspreche oder ablese, sondern dass ich mich auf meine Zuhörer/innen einlasse. Ich plane immer nur in groben Zügen, habe Ideen zu den wichtigen Meilensteilen der Rede, Textbausteine zum Vorlesen, einen roten Faden, aber der Vortrag ergibt sich erst in Resonanz mit dem Publikum. Das Wichtigste ist immer, dass ich die Zuversicht habe, mich in den Pinguin zu verwandeln, denn die Zweifel, ob die bruchstückhafte Vorbereitung genügt, um eine beschwingte Rede zu halten, überkommen mich dann doch immer wieder.

Deine Leidenschaft gilt auch dem Tanzen. Wann hat es Dich so richtig gepackt? Du wolltest ja auch Tänzerin werden. Ich glaube aber, ich hatte es Dir ausgeredet. Wenn Du zurückblickst, wie siehst Du das heute?

Das gleiche Prinzip ist beim Tanzen. Da werde ich wieder zum Pinguin. Sobald Musik erklingt und ich dazu meinen Körper bewegen kann und darf, entsteht zusätzlich ein Glücksgefühl. Ich habe mit 16 Jahren durchaus eingesehen, dass der Körper ein vergängliches Instrument ist und dass Glücksgefühl vielleicht kein Job ist. Vor allem hat mich aber ein anderer Teil davon abgehalten, hauptberuflich Tänzerin zu werden. Und das war mein Gehirn.

Wie soll man das verstehen?

Das Gehirn langweilt sich beim Tanzen. Es muss nicht viel denken, die Bewegungen kommen vom Stammhirn, der Neocortex ist dabei unterfordert. Und weil ich eben genauso viel Spass am Denken, Planen, Entwerfen und Umsetzen habe, würden mich die wenigen Choreografien, die ich vielleicht im Tänzerjob hätte machen dürfen, zu wenig auslasten. So habe ich also eine Toplösung gefunden. Ich arbeite tagsüber mit dem Hirn und werde abends körperlich glücklich.

Kannst Du immer Deine Tanzlust ausleben? Wo und vor allem wann?

Und deshalb ist es mir wichtig, zweitäglich Zeit zu finden, wo ich mich auszuleben kann. Ich unterrichte jeden Montag Zumba, gehe am Dienstag ins Power Yoga oder unterrichte Dance Aerobic, am Mittwoch ist dann Salsa dran, und am Samstag gehe ich ins Muscel Pump. Und sicher einmal die Woche noch in den Ausgang, um zu heissen Salsa-Rhythmen oder spassigen Disco-Songs den Glücksgefühlspeicher aufzufüllen.

Jetzt verstehe ich, weshalb Du manchmal etwas atemlos bist, wenn wir miteinander telefonieren!

Ja, aber diese Zeitinvestition lohnt sich immer. Ich zwacke es vom Schlaf oder vom Lesen eines Buches ab, dafür starte ich den nächsten Tag mit vollen Batterien.

Nun bist Du bist aber auch Unternehmerin, Dozentin, Autorin, Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern. Wie schaffst Du das, trotzdem alles unter einen Hut zu bringen?

Das frage ich mich auch immer wieder. Ich plane viel. Habe verschiedene Agenden und auch immer wieder mal ein neues System, um an alles zu denken. Klar kommen immer wieder mal Gebiete auch unter die Räder, weil ALLES auf der perfekten Schiene gar nicht geht.

Ja, dein Perfektionismus ist eben anstrengend!

Aber ich bin auch schon ganz gut und gelassen darin, mal etwas liegen zu lassen, darauf vertrauen, dass alles seine Zeit hat und die wichtigen Dinge immer wieder aufpoppen. So muss ich gerade für meine beiden Töchter, die schon so alt sind, dass sie mich ganz offiziell nicht mehr brauchen, einfach ab und zu im Haus sein und ansprechbar für ihre Themen, denn sie haben ihre eigenen Pläne und sind selbst engagiert.

Auf was freust Du Dich in diesem Jahr besonders?

Ich starte das neue Jahr mit einem neu zusammengesetzten Büroteam, die Hoffnung und gleichzeitig auch Freude auf Entlastung ist gross.

Ich freue mich, meinen Töchtern dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln und ihre Wege gehen.

Dann habe ich mehrere berufliche und private Projekte, bei denen ich selbst gespannt sind, ob und wie ich sie umsetzen werde. Eines davon ist zum Beispiel, dass ich nun eines meiner vier in mir schlummernden Bücher endlich schreibe.

Du planst ein neues Buch? Es wird Dich nicht überraschen, wenn ich da besonders darüber erfreut bin. Ich finde einfach, dass Du unbedingt schreiben musst!

Ja, darauf freue ich mich ebenfalls, und es kribbelt schon in den Fingern. Aber ich freue mich ebenso aufs Tanzen, ich habe nämlich eine Tanzreise geplant und werde mir dort einen neuen Tanzstil aneignen. Das wird sicher ein tolle Sache.

Und was hast du Dir nun fürs 2019 vorgenommen?

Ein bisschen mehr Salsa-Philosophie in mein Leben einfliessen zu lassen. Beim Salsa Tanzen ist es nämlich so, dass die Kubaner ganz locker sind, ganz egal wer die Führung hat. Da gilt das Motto, je schwieriger dein Tanzpartner ist, ob neben dem Takt oder super ungenau im Anleiten der nächsten Bewegung oder viel zu kräftig in einer autoritären Führung, dass du selbst ganz locker bleibst, ganz weich, und die Schultern minimale Bewegungen machen, dann ergibt sich aus dem Ganzen doch ein Tanz, der Freude machen kann. Also hier mein Motto: Mit Gelassenheit und Zuversicht auf Pinguin-Fähigkeiten an alle Herausforderungen herangehen.

Dafür wünsche ich Dir alles Liebe!

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