Kommunizieren mit trauernden Witwen

Annemarie, 12.10.2016

Guten Morgen Generation-superior Team

Wie kommuniziere ich mit trauernden Witwen, die aggressiv über alles und jedes schimpfen, ihren Partner und das ehemalige Leben zurück wollen? Damit ich nicht auch noch zum Rückzug schreite, das Unglücklichsein verstehe und damit umgehen kann, doch auch mein Seelenleben intakt halte, suche ich Literatur, Ratschläge, oder was? Vielen Dank für Ihre Antwort.

A. S. | Abonnentin

Antwort

Liebe Annemarie

Das ist eine sehr anspruchsvolle Situation, die es zu meistern gilt! Zuerst aber gratuliere ich Ihnen für Ihre Selbstfürsorge, Ihr eigens Seelenleben schützen zu wollen, um nicht auch noch in den Strudel der Negativität hinein zu geraten.

Es kommt nun sehr darauf an, in welcher Beziehung Sie zu den trauernden Witwen stehen. Sind es Freundinnen, wäre ein offenes Wort angemessen, also eine klar Ich-Botschaft, in der sie erklären wie mühevoll für Sie das Anhören von sich ständig widerholenden Schimpftiraden ist. Eventuell könnten Sie miteinander noch eine Abmachung für einen klar begrenzten Zeitraum treffen, da noch so richtig geschimpft werden darf. Hinterher muss aber Schluss sein.

Vielleicht könnten Sie auch ein Angebot machen, dass Sie sich gerne mit ihnen über die nun zu gestaltende Zukunft unterhalten, denn da gibt es ja doch einiges neu zu regeln.

Sie erteilen also einerseits für den rückwärtsgewandten Jammerblick eine Absage, laden aber gleichzeitig ein, sich auf das Zukünftige auszurichten.

Und wenn alles nichts nützt, dann ist diesen Damen wohl nicht zu helfen. Dann kommt es vor allem darauf an, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Das sagt sich alles leicht, ich weiss, ist aber nicht einfach.

Berichten Sie doch, wie es sich weiterentwickelt hat.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und grüsse Sie herzlich

Julia Onken

3Kommentare

  • Susanne Vögeli
    23.10.2016 18:28 Uhr

    Guten Morgen liebe Damen
    Nun das ist wirklich eine sehr schwierige Situation. Bei den Besuchen die ich mache und verbitterte oder eben trauernde Personen antreffe, versuche ich jeweils mal nur zu zuhören und "switche" in meinem Kopf, was wie reagiere ich jetzt. Mein für mich oberstes Gesetz ist mich gut aber liebevoll abgrenzen. Frage dann nach schönen Erinnerungen. Vielleicht erzählt sie oder er mir das und dann wird das Gespräch leichter und die betroffene Person ist in diesem Moment mit positiven Gedanken erfüllt. Wenigstens iin der Zeit in der ich bei ihr bin....

  • Irene H.-M.
    24.10.2016 22:44 Uhr

    Liebe Frau Annemarie
    es ist etwas sehr wertvolles Menschen während Trauerzeiten zu begleiten. Trauernde können zeitweise den Bezug zum Alltag verlieren, treue Freunde sind in solchen Zeiten ein Geschenk. Schön, dass Sie sich diese Aufgabe bewahren wollen. Um dabei ausdauernd und gesund zu bleiben, ist es wie Sie erkannt haben wichtig auf sich selbst zu achten.
    Sie sprechen von mehreren Witwen. Kann es sein, dass diese Frauen eine Schicksalsgemeinschaft gebildet haben und einander anstecken? Wenn ja, gäbe es die Möglichkeit diese Frauen einzeln zu treffen und die Zeit bewusst vorzubereiten. Einen Film anschauen, Besuch im Museum, gemeinsam jedes Mal ein Kapitel eines Buches lesen usw. Einzelgespräche sind einfacher zu gestalten.
    Bücher die helfen, sich mit dem Thema Trauer auseinanderzusetzen finden Sie zum Beispiel von Verena Kast "Trauern" oder "Plötzlich tot" von Bernadette und Klaus Rüggeberg. Diese und weitere finden Sie in der Buchhandlung.
    Und noch ein Letztes, Trauer hat seine Zeit, da kann es schon mal vorkommen, dass Trauer in Wut auf den Verstorbenen umschlägt, das vergeht wieder, ich vermute davon sprechen Sie nicht. Trauern und Schimpftiraden hingegen sind ein ungleiches Gespann. Dies hat eher mit einer kritisch, negativen Lebenseinstellung zu tun. Wieviel Sie davon ertragen und händeln können, werden Sie herausfinden.
    Ich wünsche Ihnen viel Weisheit im Umgang mit den Witwen und ein rechtes Mass an Liebe zu sich selbst.
    Herzliche Grüsse
    Irene H.-M.

  • Erika Spirig
    11.11.2016 10:33 Uhr

    Wie gehts weiter mit schimpfenden, doch so traurigen und unglücklichen Witwen? Für die Ratschläge und auch die Buchhinweise bin ich dankbar. Doch die freundschaftliche Begleitung raubt mir Zeit und Kraft. Und macht mich langsam sauer, wenn auch über mich geschimpft wird - - zu andern. Eine Frau hat nach unserem Gespäch nachdenklich bemerkt, dass sie weitere Beziehungen verloren hat. Ja, und dass niemand ihren Mann ersetzen kann. Jeder habe eben sein eigenes Leben. Sie möchte den Kontakt zu mir behalten.
    Danke Frau Onken für Ihre Hinweise - auch darauf, dass man Menschen, gehenn lassen muss. Erika Spirig

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