Kraftquelle: Biografisches Schreiben

Verena Lüthi , 05.11.2020

Cécile Brassel
Cécile Brassel

Cécile Brassel

  • Biografie- und Schreibpädagogin
  • Erwachsenenbildnerin SVEB I
  • Kurs- und Workshopleiterin zum Thema "Selbstbewusstsein" 
  • Leitet ihre Kurse in St. Gallen und in der Ostschweiz

Webseite: www.brassel-bbb.ch

Kontaktadresse: nfbrssl-bbbch  

Liebe Cécile, gleich auf deiner Startseite findet man das Logo mit der Auflösung der drei «B’s» unter deinem Namen: Biografie-Begegnung-Begleitung. Was hat Dich zu diesem Logo motiviert?

Das Wort Biografie hat zufälligerweise den gleichen Anfangsbuchstaben wie mein Familienname. Ich habe dann nach zwei anderen Ausdrücken gesucht, die mir in meiner Arbeit wichtig sind.

Biografie: Mit Biografie-Schreibkursen habe ich nach der Pensionierung eine Tätigkeit gefunden, die mir sehr viel Befriedigung schenkt!

Begegnung: Einerseits begegnen wir uns im Schreiben selber, andererseits kommen wir in meinen Kursen anderen Menschen näher. Begegnungen sind spannend und bereichern unser Leben!

Begleitung: Menschen mit ihren Erinnerungen nicht allein lassen, sondern sie unterstützen und ihnen Mut zusprechen, das gefällt mir!

Damit erklärst Du bereits sehr viel von deiner Arbeit. Wie bist Du dazu gekommen, was hast Du für Ausbildungen gemacht?

Bis zum 55. Lebensjahr arbeitete ich als Primar- und Musiklehrerin mit Kindern und bildete mich in diesem Bereich weiter. Danach engagierte ich mich im Vereins- und Verbandswesen und besuchte auch in dieser Funktion viele Kurse. In dieser Zeit wuchs in mir der Wunsch, meine Erfahrung und mein Wissen an Erwachsene weiterzugeben. Ich machte am Frauenseminar Bodensee die Ausbildungen zur Erwachsenenbildnerin SVEB 1, zur Kurs- und Workshopleiterin «Selbstbewusstsein» und zur Biografie-Schreibpädagogin. Auch besuchte ich im Frauenseminar in Romanshorn das Traumaseminar.

Da hast Du dir ja einen ganzen Rucksack an fundierten Ausbildungen angeeignet! Wie lange bist Du schon selbständig tätig?

Nach dem Diplom als Kursleiterin für Erwachsene SVEB 1 im Jahr 2012 begann ich Kurse im SVKT Frauensportverband in Vereinsführung zu geben. Diese Kurse habe ich zwar noch im Angebot, sie werden aber nun vor allem bei Benevol, einer schweizweit tätigen Fachstelle für Freiwilligenarbeit, gebucht. Biografie-Schreibpädagogin bin ich seit zwei Jahren. Diese Kurse bilden heute klar den Schwerpunkt in meiner Arbeit.

Wie sieht das dazugehörende Programm aus, kannst Du uns etwas darüber berichten? Die Gruppenkurse teile ich in 5 Einheiten ein. Jede Einheit stelle ich unter ein bestimmtes Thema. Im Kurs selber schreiben die Frauen und Männer in ihr Biografieheft, welches ich ihnen bei Kursbeginn abgebe. Am Ende jeder Einheit gebe ich Anregungen in Form von Fragen zum vorgegebenen Thema mit. So können jene Kursteilnehmenden, die am Thema dranbleiben möchten, zu Hause weiterschreiben. Sie handhaben dieses Angebot sehr unterschiedlich. Einige schreiben zu Hause sehr viel weiter, einige kleben Fotos dazu ein, und andere geniessen einfach die Schreibzeit in der Gruppe. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn die Einheiten zwei Wochen auseinanderliegen.

Kannst Du beschreiben, wie lange ein solcher Kurs dauert?

Die 5 Kurseinheiten zum Biografieschreiben dauern je 2 ½ - 3 Stunden. Diese finden jeweils am Morgen, am Nachmittag oder am Abend statt. Am beliebtesten sind die Samstagmorgen. Dieses Zeitfenster ermöglicht auch noch berufstätigen Menschen eine Kursteilnahme.

Wie arbeitest Du mit den Menschen? In Gruppen, wenn ja mit wie vielen Teilnehmern am liebsten?

Ich arbeite sehr gern in Gruppen von 5 – 8 Personen. Ich versuche die Kurse mit viel Abwechslung zu gestalten. So enthalten meine Kurseinheiten Impulse zum freien Schreiben, Inputs meinerseits zu einem bestimmten Thema und kreative Anregungen über alle Sinne, um Erinnerungen zu wecken und diese zu Papier zu bringen. Aber auch Partnergespräche, Austausch in Kleingruppen oder im Plenum haben regelmässig ihren Platz.

Gibst Du auch Einzelstunden?

Manchmal macht es Sinn, wenn ich Menschen einzeln im Schreiben von Lebenserinnerungen begleite. Das geht dann meist über eine längere Zeit. Gespräche bilden dort die Grundlage für das Festhalten von Erinnerungen und das «sich etwas von der Seele schreiben».

Hast Du ein eigenes Atelier? Bietest Du diese Kurse bei Dir an, oder über eine Organisation?

Ich habe kein eigenes Atelier und bin deshalb auf einen Kursanbieter angewiesen. Bis jetzt konnte ich meine Schreibkurse in der reformierten Kirchgemeinde im Westen der Stadt St. Gallen anbieten. Die Kirchgemeinde stellte mir ideale Räume zur Verfügung: einen Schreibraum, Räume für Partnergespräche und einen Pausenraum. Ich bin sehr dankbar dafür und fühle mich dort sehr wohl.

Wie machst Du Werbung für deine neuen Kurse?

Zusammen mit dem Anbieter entwerfe ich einen Flyer. Dieser wird dann innerhalb der Organisation aufgelegt und publiziert. Dazu veröffentliche ich die Kurse auch auf meiner Webseite.

Du bietest auch Kurse an speziell für Frauen, kannst Du uns etwas darüber erzählen, was das für Kurse sind und welche Frauen Du mit welchen Themen ansprichst?

Während meinen Tätigkeiten als Vereins- und Verbandspräsidentin stellte ich oft fest, dass sich Frauen zu wenig zutrauen. In meinen Vereinsführungskursen wollte ich den Frauen das «Werkzeug» mitgeben, dass sie sich an neue Aufgaben wagen und diese mit Freude und Sicherheit übernehmen können. Seit ich nicht mehr aktiv in der Vereins- und Verbandsarbeit tätig bin, sind diese Vereinsführungskurse für Frauen bei mir in den Hintergrund getreten. Den Kurs «Ich bin ich - ein Tag für mein Selbstbewusstsein» biete ich weiterhin an für Frauen, die sich einfach gerne einmal einen Tag Zeit für sich nehmen wollen.

Was bietest Du für Vorträge an?

Es sind zwei Themen, die mich in meinem Leben und meiner Tätigkeit immer wieder herausgefordert haben: Nicht nein sagen können und perfekt sein wollen. So biete ich Referate an mit den Titeln: «Ich darf auch nein sagen» und «Ich muss nicht perfekt sein».

Was sind deine nächsten Aktivitäten?

Zum Glück konnte ich meinen letzten Schreibkurs kurz vor dem Lockdown wie geplant abschliessen. Coronabedingt wurde ich danach in meiner Planung von Schreibkursen gebremst. Ich bin aktuell im Gespräch mit einer anderen Kirchgemeinde und mit einer Pro Senectute Sektion. Ich hoffe, dass sich daraus im 2021 wieder Schreibkurse ergeben.

Was wünschst Du dir beruflich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass ich körperlich und geistig fit bleibe und noch einige Jahre Menschen begleiten kann, die über Geschichten oder Ereignisse aus ihrem Leben schreiben wollen. Zu spüren und manchmal auch zu hören oder zu lesen, wie wohltuend und befreiend Schreiben sein kann, erfüllt mich mit grosser Freude.

Das Interview führte Verena Lüthi, Redaktion Julia Onken Online-Magazin

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