Lebenshunger

Monika Marti, 24.01.2019

Monika Marti
Monika Marti

Da.

Da ist sie wieder.
Ich sehe sie und spüre sie.
Im Körper nehme ich sie wahr.
Und im Geist.
Die Unruhe in mir.
Das Begehren.
Die Lust, Bekanntes zu verlassen.
Unerforschtes zu entdecken und erleben.

Ein Ziehen dehnt sich im Brustbereich aus. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Unruhig wippe ich von einem Bein auf das Andere. Trommle mit dem Zeigefinger auf den Tisch. Meinem Gegenüber höre ich zwar zu. Mein Blick schweift dabei jedoch in die Ferne.mIch überprüfe Kursangebote, Lokalitäten und Möglichkeiten um eine Spur zu finden.mEinen Wegweiser für den nächsten Schritt.

Eher zufällig trifft sich meine Unruhe in diesem Jahr mit dem Jahreswechsel. Sie wird immer dann aktiv, wenn ein festgelegtes Ziel erreicht ist: Ein Projekt, ein Lebensabschnitt oder ein Sinneswandel. Also bin ich wieder unterwegs. Zu finden, was mich nach meiner Ausbildung beflügeln könnte. Faktisch sind die Marker festgelegt. Damit mein Wissen Anwendung finden kann, müssen jedoch Anpassungsleistungen erbracht werden. Mein Geist wünscht sich ein neues Zuhause. Ein Ort, wo er sich kraftvoll entfalten kann. Weil neuer Wein in alte Schläuche füllen bekanntlich nur eine halbe Sache ist.

Ich will Grenzen sprengen:
Hindernisse ausloten.
Und weitere Hemmnisse in mir erkennen.
Mein Revier neu abstecken.
Land einnehmen.
Fortschreiten.

Im Grunde genommen ist es anstrengend, eine Suchende zu sein. Aber es fühlt sich lebendig an, wenn eine verborgene Sehnsucht den Weg ans Licht findet. Wie vorübergehend satt werden, nachdem eine Mahlzeit meinen Hunger gestillt hat.

Da.
Ein Wegweiser.
Ich erahne die Spur.

1Kommentar

  • Ludwig
    07.06.2019 21:38 Uhr

    Ja, das Gefühl kenne ich. Du beschreibst es so gut, ich könnte es selbst nicht besser. Ich bin schon nicht mehr der Jüngste (73) aber je älter ich werde, desto intensiver wird es, vielleicht auch, weil das Bewusstsein, dass mir nicht mehr so viele Jahre zur Verfügung stehen, das Ganze verstärkt. Ich habe schon mit einem Freund darüber gesprochen und die Vermutung geäussert, dass ich jetzt noch versuche, einiges nachzuholen, was mir in jüngeren Jahren nicht vergönnt war. Während meines Erwerbslebens war ich in eine Zwangsweste eingesperrt, die mir nicht erlaubte, vom Pfad der Tugend abzuweichen. Ich musste eine Familie ernähren, das war mir sehr wichtig und gelang mir auch hervorragend. Die Folge aber war, dass ich mich nicht stark ausleben konnte, schliesslich kam immer die Pflicht an erster Stelle. Natürlich kann man im Leben nicht alles haben, das Leben eines Abenteurers ohne ausreichende finanzielle Mittel zu führen, wäre für mich keine Alternative gewesen. So gewichtete ich die finanzielle Sicherheit höher und nahm dafür viel Konformität in Kauf. Heute stelle ich fest, da gibt es eben diesen ungestillten Lebenshunger, die Lust, die öden Regeln
    der sog. Guten Gesellschaft hinter sich zu lassen, ausgetretene Pfade zu verlassen und das Unerhörte zu
    zu wagen, eben zu leben und nicht einfach so daher zu leben wie bisher.




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