Ich fühle mich "schmutzig"

Bettina, 15.11.2016

Liebes Beraterteam.

Vor etwa zwei Wochen habe im mich auf C-Date angemeldet, weil mir ab und zu ein Mann fehlt mit dem ich was unternehmen könnte und vielleicht auch wiedermal Sex, was ich seit ca. 8 Jahren keinen mehr hatte (ich bin 45 und sehe eigentlich noch attraktiv aus!). Was bei mir zuerst reine Neugierde war, hat sich jetzt auf einmal als eine offene Wunde gezeigt, die mich schockiert. Wenn ich auf dieser Plattform bin und da wird man zum Teil richtig „krass" angemacht und die Männer fragen einem ziemlich oft, was für Vorlieben man hat, ist mir auf einmal klar geworden das ich mich dabei „schmutzig“ fühle wenn mich jemand danach fragt was meine sexuellen Vorlieben sind (dieses Gefühl habe ich zum Teil auch, wenn ich mich selber berühre). Ich habe nach ein paar Tagen mein Profil wieder gelöscht, weil es mir zuviel wurde.

Gestern habe ich aber wieder ein neues erstellt, da ich gemerkt habe dass da bei mir noch eine offene Wunde ist und diese Männer mir anonym weiterhelfen könnten.  Woher das „schmutzige“ wahrscheinlich kommt – ich vermute mein Vater!!! Er hat uns verlassen als ich sechs Jahre alt war und sich nie für uns interessiert, für mich speziell nicht. Sein Frauenbild ist dass jede Frau eine „Schlampe“ ist und halt noch schlimmere Wörter. Ob jemals bei uns in der Familie ein sexueller Übergriff auf uns drei Mädchen stattgefunden hat, als wir klein waren weiss ich nicht. Meine Schwester hat leider vor kurzem durch eine Therapiearbeit festgestellt, dass sie von einem Freund meines Vaters als kleines Mädchen angefasst wurde. Meine Mutter hat auch ein katastrophales Frauenbild, aber das lasse ich jetzt mal sein, das würde hier zu weit gehen. Wieso, ich Euch heute schreibe? Ich habe es so satt, diese ganze „ Tochter-Vater Beziehung" zum hundersten Mal anzuschauen. Ich habe auch schon x Bücher darüber gelesen, darunter auch Ihr Buch Frau Onken „Vatermänner", war in Behandlung und jetzt will ich einfach nicht wieder in eine Therapie und das anschauen. Ich will jetzt mein Leben leben, aber ich weiss gerade nicht wie damit umgehen.

Herzlichen Dank und liebe Grüsse.

Bettina (Der Brief wurde leicht gekürzt)


Psychologische Beraterinnen, die eine Ausbildung im Frauenseminar Bodensee absolvieren und die demnächst ihren Diplomabschluss machen antworten:

Antwort

Liebe Bettina

Das ist verständlich, Sie wollen endlich leben, und zwar unbeschwert, frei von Altlasten. Obwohl Sie sich schon vielfach mit Ihrer Vater-Beziehung auseinandergesetzt haben, sitzt da offensichtlich noch eine schier unheilbare Wunde – die sich wie eine Zecke eingenistet hat. Das bedeutet, dass Sie die Ursache noch nicht an der Wurzel gepackt haben.

Was ist zu tun? Da Sie es einfach satt haben, in der Vergangenheit zu wühlen gibt es nur eines, das noch zu tun ist: die Zukunft ins Visier zu nehmen. Schauen Sie sich in Ihrer Umgebung um und suchen Sie gezielt nach einer Frau, die Sie sich als Vorbild nehmen können, also eine, die Ihnen rundum gefällt, von der Sie lernen könnten, wie schön es ist, eine Frau zu sein. Es wäre so etwas wie der Gang zu liebevollen und guten Mutterfrauen, zu denen Sie Vertrauen fassen und sich aufgehoben fühlen.*

Und wenn Sie dann zu einem späteren Zeitpunkt Lust dazu bekommen, nochmals an Ihrer biografischen Geschichte zu arbeiten, dann suchen Sie sich eine Therapeutin – aber nicht eine, die gerade um die Ecke wohnt, sondern die beste Psychotherapeutin, die sie auftreiben können.

Wir wünschen Ihnen alles Gute

Claudia, Elvira und Santa   *Absolventinnen des Lehrganges Psychologische Beratung FSB. Wir haben selbst erlebt, wie in einer Frauenklasse sehr viel Heilendes erlebt wird.

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