Mein Mann nimmt mir die Luft zum Leben

Marie-Claire F., 11.05.2017

Liebe Frauen

Ich bin soeben aus den Ferien auf den zurückgekehrt, wir waren zwei Wochen mit unsern drei Töchtern unterwegs. Es wäre oder ist ganz toll gewesen, wenn da nicht immer dasselbe Problem wäre, das mich ins Dunkel stürzt, in tiefe  Ängste: 

Mein Mann lässt mich keinen Moment aus den Augen, will nichts, gar nichts unternehmen, ich darf nichts ansehen, wir sitzen nur im Hotel, ich darf nichts kaufen, nicht shoppen, keine Muscheln oder Krebse ansehen, ja das schlimmste ist, dass ich auch mit niemandem reden darf, nicht einmal mit meinen KIndern, ich verstumme also, ich werde apathisch,  ich darf nur noch dasitzen....in den Ferien, wo ich nicht arbeiten kann, ist das besonders schlimm! Meine Kinder leiden darunter, da sie ja auch mit mir reden möchten, aber kaum sagen sie ein Wort zu mir, kommt schon mein Mann und unterbricht, ich darf kaum allein auf die Toilette.

Nun komme ich heim und habe einfach irrsinnig Angst, ganz zu verstummen,  habe Angst vor der Pensionierung, dass ich nicht mehr mich selbst sein kann, fröhlich....unternehmenslustig, ja, ich darf nicht glücklich sein, das ist das Schlimmste für meinen Mann, er droht mir täglich, wenn ich nicht gehorche, lasse er sich scheiden...

Ich hoffe, es gibt Frauen, die mich verstehen, weil sie vielleicht ähnliches erlebt haben und mir auch sagen können, was ich tun soll.

Vielen Dank für die Rückmeldungen!

Marie-Claire

10Kommentare

  • Sonja Bruhin
    12.05.2017 19:50 Uhr

    Liebe Marie-Claire
    Vielen Dank für dein Vertrauen, das du dich unserem Kummerkasten anvertraut hast.
    Die Situation ist sehr schwierig für dich, sie macht dich traurig und macht dir Angst vor allem auch im Hinblick auf die bevorstehende Pensionierung.
    Hast du deinem Mann gesagt, dass dich sein Verhalten irritiert, du es nicht verstehen kannst, und dich im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos macht.
    So wie ich dich verstanden habe, tritt dieses Problem immer in den Ferien auf. Du hast Dir wahrscheinlich schon nächtelang den Kopf darüber zerbrochen, weshalb dein Mann in den Ferien so ist. Vielleicht ist irgendwann in früherer Zeit etwas in den Ferien vorgefallen, das bei deinem Mann eine solche Reaktion hervorruft.
    Du könntest deinem Mann einen Brief schreiben, in dem du ihm ehrlich schreibst, was sein Verhalten in dir auslöst. Du darfst ihm auch schreiben, dass du gerne mit ihm zusammen etwas in den Ferien unternehmen möchtest. Muscheln sammeln, einen Abendspaziergang am Strand, nur ihr beide wo ihr euch eure Gedanken mitteilen könnt.
    Wenn er deinen Brief liest, wird ihm eventuell klar, was er in dir für Ängste auslöst. Schön wäre es, wenn er dir per Brief antworten würde. So kann er sich dir anvertrauen, ohne dir dabei in die Augen sehen zu müssen. Signalisiere ihm, dass du auch jederzeit zu einem Gespräch bereit bist. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte man eine "Familienkonferenz" einberufen, wo auch eure Kinder dabei sind. Denn sie sind ja auch davon betroffen und dürfen sich zu diesem Thema äussern.
    Ich wünsche dir, dass sich die Situation bald klärt und du Gewissheit bekommst, woran es liegt, dass dein Mann sich in den Ferien so verhält.<

    Beste Grüsse und alles Gute wünscht dir
    Sonja, psychologische Beraterin FSB (i.A.)

  • Monika Marti
    14.05.2017 08:09 Uhr

    Liebe Marie-Claire
    Ich beglückwünsche dich zu deinem Mut, deine Ängste und Beklommenheit in Worte zu fassen und Unterstützung zu suchen. Dieser Schritt bewirkt, dass Dunkles und Schweres, das in dir wohnt, wie durch den Schein einer Taschenlampe hell erleuchtet wird. Wahrheit kommt ans Licht.
    Du beschreibst dich als fröhlich und unternehmungslustig. Du möchtest glücklich sein. Dein Mann bewirkt mit seinem Verhalten, dass du apathisch wirst – unterbindet mit seinen forschen Äusserungen die Möglichkeit, dass du dich ausdrücken, Kontakte knüpfen, das Leben in seinen verschiedenen Facetten geniessen kannst. Du hast Angst zu verstummen. Es ist ein grosser Verlust, seine Gedanken und Gefühle nicht mehr ausdrücken zu dürfen. Das muss dich sehr traurig machen.
    Aus meiner Sicht besteht der erste Schritt zur Lösung darin, dass du dich einer Fachperson anvertraust. Aus deinen Zeilen meine ich zu spüren, dass dein Mann durch seine Drohung, sich scheiden zu lassen grosse Macht auf dich ausüben kann. Es gilt, durch Gespräche und Reflektion deinen Rückgrat zu stärken damit du deinem Mann in aufrechter Haltung gegenübertreten kannst. Ermutigung und Wegleitung wird dir gut tun und dazu beitragen, dass du selbstbewusst und zielgerichtet deine Vorstellungen und Ängste über die gemeinsame Zukunft dir selber und deinem Mann gegenüber formulieren lernst.
    In einem zweiten Schritt muss der respektvolle Umgang miteinander neu definiert und eingeübt werden. Ob ihr als Paar dabei profesionelle Unterstützung benötigt, wird sich zeigen. Das Verhalten deines Mannes deute ich als Ausdruck eigener innerer Unsicherheit und es wäre hilfreich, er würde seinen Ä;ngsten ebenfalls mit Hilfe einer aussenstehenden Person entgegen treten.
    Ich wünsche dir, dass du dem Sprichwort "Reden ist silber – Schweigen ist Gold" auf keinen Fall glauben schenkst. Es ist die Wahrheit, die Freiheit bringt. Und diese will mit Worten ausgedrückt werden. Dass du den Mut dazu findest, wünsche ich dir von Herzen.

    Monika M. / Psychologische Beraterin FSB (in Ausbildung)

  • Jacqueline Jäger
    14.05.2017 13:31 Uhr

    Liebe Marie-Claire
    Aus deinen Zeilen spüre ich eine grosse Trauer und Zukunftsängste. So wie ich dich wahrnehme, bist du eigentlich eine unternehmungslustige und fröhliche Person. Wenn ich deine Zeilen lese und mich in deinen Zustand versetze, macht es mir das Herz zu.
    Wer soll deiner Ansicht nach die Kontrolle über dein Leben haben? Wer oder was hat deiner Ansicht nach das Recht, über dein Leben zu bestimmen?
    Wenn es dir gelingt, diese Fragen zu beantworten, unternimmst du damit womöglich erste Schritte hin zu eben jenem Raum mit der «Luft zum Leben», nach der du dich sehnst.
    Herzlichst
    J.J.

  • Irene H.M.
    15.05.2017 08:40 Uhr

    Liebe Marie – Claire
    Dein bewegender Kummerbericht hat mich berührt. Ich konnte beinahe die kalten Kerkerwände spüren und deine schleichende Angst dort für immer eingesperrt zu sein. Die Gedanken an die Pensionierung können wirklich angstmachende Schatten an nackte Wände werfen. Die Vorstellung von einem verschlossenen Kerker, erinnerte mich an eines meiner Lieblingslieder:
    "Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, kein Mensch kann sie wissen, kein Kerker einschliessen, es bleibet dabei, die Gedanken sind frei!"
    Ob du das Lied wohl auch kennst? Ein herrliches, Mut machendes Lied für Menschen, die nach langen, schwierigen Jahren erkennen, wie wenige Überreste von ihren jugendlichen Eheträumen im Alltag übriggeblieben sind. Was einmal wunderbar begann, hat sich im Laufe der Jahre unbemerkt in ein Gefängnis verwandelt. Das macht traurig, macht Angst und raubt dir Lebensfreude. Angst kann ein mieser Ratgeber sein, aber auch ein Weiser. Bei dir scheint es ein Weiser zu sein, denn die Angst drängt dich nicht länger stillzuhalten, sondern etwas dagegen zu unternehmen.
    "Und sperrt man mich ein, im finsteren Kerker, das alles sind rein, vergebliche Werke, denn meine Gedanken zerreissen die Schranken und Mauern entzwei, die Gedanken sind frei."
    Deine Anfrage macht mir Mut, denn bestätigt sie nicht genau das?
    Du fühlst die Angst vor dem Verstummen. Aber du bist nicht verstummt, nicht einmal vor den Scheidungsdrohungen! Du hast dich hingesetzt, hast geschrieben, suchst Mitbetroffene und gibst nicht auf. Du nimmst deine Wünsche wahr, auch wenn du sie noch nicht vertreten konntest.
    Erkennst noch was wichtig wäre und erzählst deshalb von "schönen" Ferien, trotz den Launen deines Mannes. Und du hast Hoffnung und öffnest die Kerkertür, und hast dich an den Kummerkasten gewandt.
    Ich selber habe eine wirklich grosse turbulente Familie. In besonders struben Zeiten sagte einer meiner Söhne zu mir: "Mami du weisst, wenn du nicht funktionierst, funktioniere ich nicht." Anfangs setzte mich dies unter Druck, doch mit der Zeit konnte ich seine Aussage mit dem Satz: "Liebe deinen Nächsten wie DICH SELBST" verbinden, und erkannte mein Sohn ist weiser als ich. Ich hatte jahrelang nur das Wort "Nächster" vor Augen gehabt und mich dabei verloren. Diese Verantwortung mir gegenüber habe ich nun wieder übernommen. Unterdessen sehe ich es als Verpflichtung mir gegenüber, aber auch meinem Mann und natürlich meinen Kindern gegenüber. Ich lernte und lerne noch, meine Gedanken wahr zu nehmen und auszusprechen, auch in Situationen in denen mich eine Aussage kränkt oder ich nicht gleicher Meinung bin wie mein Mann. Das tut mir gut und meinem Umfeld ebenso. Und es hat viel bewirkt.
    Liebe Marie – Claire, lass deine Gedanken weiterhin frei, lass sie fliegen und folge ihnen. Auch die Überlegung, wie du dich auf die Zeit der Pensionierung vorbereiten kannst. Das sind gute, wertvolle Gedanken. Vielleicht möchtest du einen Kurs besuchen, oder hast ein Hobby oder eine Fähigkeit die du schon lange sinnvoll einsetzen möchtest; sei gespannt wohin dich deine Gedanken führen, vertraue ihnen und vertraue dir.
    Ich wünsche dir alles Gute für deinen weiteren Weg. (Ich würde eigentlich gerne wissen, wohin er dich führtJ)

    Liebe Grüsse
    Irene Häfeli – Meyer
    www.schoepfung.ch
    Es ist nie zu spät harten Boden umzupflügen um einen blühenden Garten anzulegen.

  • Susanne Vögeli
    17.05.2017 11:36 Uhr

    Liebe Marie – Claire
    Danke für Deine offenen Worte.
    Dein Problem hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich frage mich warum sich Dein Mann so ein Verhalten angelegt hat. Da ist es sehr verständlich, dass Du depressiv wirst. Sogar Angstzustände bekommst. Diese Situation darf nicht länger anhalten. Du bist erwachsen und nicht bevormundet. Vielleicht hat Dein man ein Problem wie Verlustangst oder Angst die Kontrolle zu verlieren oder er fühlt sich minderwertig wenn Du Dich selber bist. Falls Du mit ihm reden kannst, sage ihm wie Du Dich fühlst. Erkläre ihm, dass so ein Leben die ganze Familie krank macht. Deine Töchter leiden ziemlich sicher sehr darunter. Für sie ist es sehr schwierig, weil beide Elternteile wichtig sind.
    Es scheint mir, dass Du eine aufgeschlossene Frau bist. Du möchtest wieder glücklich sein. Falls du nicht mit Deinem Mann reden kannst und ihm nicht erklären kannst was Du willst und wie es Dir mit seinem Verhalten geht, such Dir eine Fachperson. Z.B. psychologische Hilfe. Es gibt sehr gute Einzel -und Familientherapeuten.
    Zu guter Letzt sei Du selbst, sag was Du möchtest. Lass Dich nicht einsperren oder den Mund verbieten. Komme aus Deiner Dunkelheit heraus ans Licht. Denke an Dich und Deine wunderbaren Töchter. Und es kann ja sein, dass Dein Mann für eine Beratung offen ist.
    Ich wünsche Dir Alles Liebe und viel Kraft!
    Herzlich
    Susanne V.

  • Mimi v. S.
    17.05.2017 13:48 Uhr

    Liebe Marie-Claire
    Aus deinen Zeilen höre ich deine echte Verzweiflung und kann dir gut nach fühlen, dass sich deine Situation sehr unangenehm anfühlt. Ich finde es gut, dass Du dir Gedanken darüber machst, wie du die Situation verändern könntest, dass Du dich wieder frei fühlen kannst. Ja dir sogar Unterstützung holst. Das ist meiner Ansicht nach, schon der erste wichtige Schritt.
    In deinem Brief schreibst Du über die Angst zu verstummen, dass Du keine Freude mehr Erleben darfst und ihr leidet, davon verlassen zu werden und das Du und deine Kinder gehorchen sollt. Also alles auf die Bedürfnisse deines Mannes ausgerichtet. Was willst eigentlich Du? Was brauchst Du und die Kinder, dass es dir/ Euch gut geht? Warum lässt Du dein Leben von einem anderen Menschen bestimmen? Ich möchte dich dazu ermutigen, in dich zu gehen, nach zu fühlen was dir gut tut. Allenfalls Dir auch professionelle Hilfe zu holen um einen Weg zu finden um bei Dir und deinem Wohlbefinden wieder anzukommen.
    Dabei wünsche ich Dir viel Glück und Kraft!
    Herzlich
    Mimi v. S. (in Ausbildung zur Psychologischen Beraterin FSB)

  • Monika H.
    17.05.2017 18:27 Uhr

    Liebe Marie-Claire
    Vielen Dank und Gratulation für deine Bereitschaft, dich mit deiner bedrückenden Situation auseinanderzusetzen, diese aufzuschreiben und hierhin in den Kummerkasten zu deponieren.
    Ich habe auch die unterstützenden Kommentare gelesen. Gerne wünsche ich, dass dir der eine oder andere Gedanke weiter hilft. Mir ist diese Passage aufgefallen von Irene Häfeli-Meyer, die ich für dich gerne dopple:
    "Ich selber habe eine wirklich grosse turbulente Familie. In besonders struben Zeiten sagte einer meiner Söhne zu mir: "Mami du weisst, wenn du nicht funktionierst, funktioniere ich nicht." Anfangs setzte mich dies unter Druck, doch mit der Zeit konnte ich seine Aussage mit dem Satz: "Liebe deinen Nächsten wie DICH SELBST" verbinden.. Ich hatte jahrelang nur das Wort "Nächster" vor Augen gehabt und mich dabei verloren."
    Mit herzlichen Wünschen für dein kraftvolles Aus- und Einatmen!
    Monika H.

  • Meyer Renate
    29.05.2017 18:43 Uhr

    Als ich Ihre Geschichte gelesen habe empfand ich körperliche Schmerzen.
    Dann konnte ich es gar nicht glauben und habe an der Echtheit gezweifelt, weil ich diese Ungeheurlichkeit nicht nachvollziehen
    konnte!
    Sollte alles so stimmen wie geschildert so sind alle Kommentare nutzlos, denn sie helfen Ihnen nicht! Man kann hier keine
    Ratschläge geben man kann nur hoffen, dass Sie in Ihrer Nähe einen Menschen haben, der Ihnen beisteht und mit dessen
    Hilfe Sie einen guten Weg für sich finden werden.
    Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen!
    R. Meyer

  • Annemarie von Gradowski
    06.01.2018 14:15 Uhr

    Hallo liebe Marie-Claire,
    Dein Name steht für Klarheit.
    Und Dein Kummer wurde am meisten gelesen und kommentiert.
    Ja sag mal, wie lange willst Du Dich klein machen. Glaubst Du denn so ein Mann lässt sich scheiden.Niemals!!!!
    Kratz die Kurve aber sehr sehr schnell und fange an zu leben. Denn Du hast nur eins.
    Viele Grüsse
    Annemarie von Gradowski

  • Erna Baumgartner
    20.10.2019 16:32 Uhr

    Liebe Marie-Claire
    Deine Eingezwängtheit, die Du in deiner Ehe erlebst, haben mich sehr nachdenklich gestimmt.
    Warum lässt Du das zu? Kaum ein Tag in Deinem Leben, ja gar in Deinen Ferien, in dem Du nicht etwas zwanghaft tun musst !!!Für mich ist dies eine echt rätselhafte Zwangs-Handlung, die ich gerne verstehen möchte.
    Du schreibst auch, dass Du Dein Potenzial nicht ausleben kannst? Sind das lebhafte und weitreichende Phantasien? Dein Potenzial...
    Kennt nebst Deinen Kindern jemand, wie Du dich in diesen Zwängen fühlst? Oder wird’s gar verharmlost?
    Ich entnehme aus Deinen Zeilen, dass Du davon abgehalten wirst, Dein Leben nie mehr leben zu können.
    Kann es sein, dass diese Zwangshaltung allenfalls auch Halt bedeuten, nichts verantworten zu müssen?
    Oder egoistisch sein, das gibt es in Deiner Welt gar nicht, in der man nur an alle anderen denkt, nur nicht an sich selber?
    Ich wünsche mir für Dich, dass Du das Mutter Theresa Syndrom bald abgeben kannst.
    Herzlichst
    Anre

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