Vorsätze gratis abzugeben

Hier den Autorennamen eingeben, 07.01.2023

Béatrice Stössel
Béatrice Stössel

Haben Sie Vorsätze gefasst für 2023? Halten Sie sich an diese alle Jahre wiederkehrenden Vorhaben nach den Feiertagen? Wie lange ist Ihre Liste?

Ich mache dieses Jahr nicht mit! Nur zu gut weiss ich, dass ich nicht zu den Diszipliniertesten gehöre. Meine am Montagmorgen beginnende Diät ist allerspätestens am Dienstagabend zu Ende, wenn nicht schon viel früher. Deshalb brauche ich keine neuen Vorsätze, die (ur)alten sind praktisch unangetastet und fabrikneu. Ich trete sie sehr günstig ab. Zudem machen die meisten Aktivitäten alleine absolut keinen Spass.

Deshalb entscheide ich mich für «Mehr Spezielles im Neuen Jahr», und formuliere statt der Vorsätze – Wünsche. Ich lade Sie ein zu (m)einem kecken Tagtraum. Ich gestehe Ihnen, schon lange spukt ein ziemlich frivoler Gedanke in meinem Kopf herum. Ich träume davon mehrere, ja sogar, unanständig viele Männer an meiner Seite zu haben.

Die spinnt, denken Sie?

Folgen Sie mir in mein Traumschloss und urteilen sie später.

Treten Sie ein in das feudale Entree mit den güldenen Kronleuchtern, die von der Decke hängen und wundervoll romantisches Licht zaubern. Treten Sie ein in meinen «Palast der Männer». Vor uns eine Rotonde, in deren Mitte sticht ein verzierter schmucker Springbrunnen ins Auge. Wäre es nicht Winter, würde er zu einer kleinen Körpererfrischung auffordern. So, lässt er uns zumindest die Hand eintauchen und das weiche Wasser um die Finger spielen. Aber genug geplantscht.

Kommen sie mit mir, weiter nach vorn, wo verschiedene Türen dazu einladen geöffnet zu werden. Was sich dahinter verbirgt? Sie werden es gleich erleben.

Im ersten Salon, der ebenerdig in den Garten führt und einen atemberaubenden Blick aufs Meer frei gibt, lebt Pablo. Ein Meister der iberischen Reitkunst. Ihn habe ich mir ausgesucht, um gemeinsam mit ihm dem Strand entlang zu reiten. Er lehrt mich alles was ich wissen muss über Pferdezucht und die klassische Reitweise im Sattel eines Lusitanos. Zusammen jagen wir jeweils über den kilometerlangen Sandstrand mit unseren Hengsten, und geniessen anschliessend, noch den Wind in den Haaren, im Schatten des Pinienwaldes ein Picknick. Eigene Bilder oder Mutmassungen sind erlaubt, meine Damen.

Folgen Sie mir nun auf die linke Seite der Halle, in den roten Salon. Spitzen Sie die Ohren. Erkennen Sie die Musik? Werfen Sie einen Blick hinein. Ja, es ist Louis. Ein begnadeter Tänzer mit sagenhaftem Körpergefühl, dessen Leidenschaft sich im Tango widerspiegelt. Wenn er die Arme um meine Taille legt, wallt das Blut in meinen Körper. Mit ihm schwebe ich übers Parkett und vergesse jede Bodenhaftung.

Bruno ist im Ostzimmer anzutreffen. Wie immer lässig ausgestreckt auf dem Sofa und in Kunstbücher vertieft. Er studiert die alten Meister und die modernen Künstler, die in diversen Kunstaustellungen anzutreffen sind. Er bereichert jeden Museumsbesuch mit seinem exzellenten Fachwissen und ist jederzeit bereit, mich dorthin zu begleiten. Und … Er kennt so manche pikante Anekdote über die Künstler, die in keinem Museumskatalog zu lesen sind, wenn Sie verstehen was ich meine. Es ist das i-Tüpfelchen obendrauf.

Jean-Pierre ist Koch. Er verzaubert mich mit den leckersten Gerichten und beherrscht sein Fach auf Sterneniveau. Sein Rehrücken mit Blaukraut und dem überaus sämigen Kartoffelstampf ist legendär. Der Wein den er dazu kredenzt ist eine wahre Gaumenfreude. Ganz zu schweigen von der zartschmelzenden «Mousse au chocolat» zum Dessert, die auf der Zunge vergeht. Von ihm bekocht zu werden ist der perfekte Genuss und man vergisst alles andere. Insbesondere das Hüftgold, welches sich mit der Zeit dort ansiedeln könnte. Seine Kreationen sind jedoch zu köstlich, darauf zu verzichten käme einer Todsünde gleich.

Der Geigenvirtuose in meinem Traumschloss ist Roland. Ein fantastischer Musiker. Wenn sein Bogen die Saiten streichelt und er seiner Stradivari Lizt’s Zigeunermusik entlockt, schmelze ich dahin. Heute spielt er ausnahmsweise Solo. Sein Pendant, Anne-Sophie Mutter, hat leider keine Zeit für ein Duett. Zu schade, aber man kann nicht alles haben.

Folgen Sie mir noch? Oder monieren Sie sogar, dass da noch einer fehlt? Touché … Sie haben es erkannt.

Es ist der perfekte Liebhaber. Der Kavalier, dessen Pfeil mitten ins Herz trifft! Dessen Lippen …

Hmm ….

Doch jetzt ist höchste Zeit, dass ich diskret werde und bleibe. Ich will keinesfalls, dass Sie mir dieses Juwel vor der Nase wegschnappen.

Wäre so ein Traumschloss nicht wunderbar? Besser als alle Vorsätze? Unter Umständen wäre das die geniale Idee: Ich bau ein (Traum-)Schloss und gönne mir ab und zu eine kleine Auszeit darin – nur für mich – mit oder ohne Mann.

Vielleicht tun Sie es mir gleich? Wenn ja, bleibt mir einzig, Ihnen in diesem Sinn und Geiste, ein wunderbares, fantasievolles und geniales Jahr zu wünschen. Geniessen Sie alles in vollen Zügen.

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