Mit zehn Schritten aus der Reihe tanzen

Maya Onken, 25.06.2020

Maya Onken
Maya Onken

Es lohnt sich nicht, allen hinter zu dackeln. Tanze deine eigene Choreographie! Sei du selbst und erlaube dir, aus der Reihe zu tanzen. Falls du nicht (mehr) weisst, wie das geht, habe ich dir zehn Tipps für deinen eigenen Tanz zusammengestellt.

Schritt 1: fuck the age

Alterszahlen erzeugen in Sekundenschnelle innere Bilder. Ich muss nur 52 sagen, bevor ich die Zahl fertig ausgesprochen habe, geht das Horrorszenario ab: Eine Frau, die sich dem Lebensabend zuwendet. Sie hat bereits körperliche Beschwerden. Die Kinder sind ausgeflogen. Frönt einem langweiligen Hobbys, hat zwar einen Ehemann zu Hause aber keinen Sex . Ihre ehemalig schnittigen Körperformen sind aus dem Ruder gelaufen, und sie hat einen Teilzeitjob, um dort eventuell ihr Wissen einzubringen. Umdenken ist angesagt. Denn Frauen in diesem Alter sind voll im Saft. Ihre Sexualhormone in Bestform. Sie könnte stundenlang tanzen und schwitzen und dabei lachen und Freude haben.

Schritt 2: Steh zu dir

Ich weiss, von was ich spreche! Ja, ich gebe es zu, Kleingedrucktes und Bedienungsanleitungen interessieren auch mich nicht. Ich bin keine Frau für langweilige Details. Minutiöse Recherchen sind nicht mein Ding. Ich plane Grosses und setze das um. Ich arbeite gerne mit Gruppen und habe keine Angst vor einem grossen Publikum eine Rede zu halten. Ich stehe zu meinen Schwächen: schnell zu handeln, gelegentlich grosszügig Mängel von Personen zu übersehen. Aber ich kenne ebenso meine Stärken: kreativ zu denken, das eine mit dem anderen zu verknüpfen, Krisen und Pannen humorvoll zu meistern. bei Pannen.

Schritt 3: break the rules

Ich rede nicht über Gesetzte. Ich respektiere sie. Auch möglichst die Parkverbote und die Geschwindigkeitsangaben. Ich nehme mir die Vorgaben meines Dachverbandes zu Herzen und halte mich an Ethos und Moralgesetze.

Doch es gibt hunderte von unsichtbaren, ungeschriebenen Regeln, welche die Gesellschaft vorgibt. So soll sich eine verheiratete Frau zurückhaltend in Gesellschaft von alleinstehenden Männern verhalten. Eine öffentliche Person hat sich schicklich zu kleiden. Alles, woran die Allgemeinheit eine Schlussfolgerung auf Bankkontohöhe, Machtverhältnisse und Fruchtbarkeit ziehen könnte, sollte verschleiert werden. So sollen gutverdienende maximal ein älteres Auto fahren, möglichst lange nicht über ihren Beruf sprechen, Wechseljährige trotzdem Tampons in der Handtasche mit sich tragen.

Ich trage gerne Rot und im Sommer kurze Röcke. Knallige Lippenstifte ist mein Markenzeichen und extravagante Schuhe auch. Ich bin meinem Mann treu und nehme trotzdem gerne Komplimente entgegen.

Schritt 4: Übernimm die Verantwortung

Für alles, was man tut, gibt es eine Abrechnung. Bitte glaubt niemanden, der euch sagt, man merke es nicht, wenn ihr betrügt, es komme nicht raus, wenn ihr schwindelt. Jede Handlung hat eine Auswirkung. Jeder Gedanke übrigens auch. Und die einzige Person, die dafür geradestehen muss, bist du selbst. Sei der Boss deines Lebens. Der Kapitän auf deinem Schiff. Die Pilotin deines Flugzeuges. Du steuerst und trägst die Verantwortung dafür, wenn du im Cockpit eingeschlafen bist oder die Navigation falsch berechnet wurde.

Schritt 5: Gib Eifersucht und Neid zurück

Wenn du aus der grauen Masse heraustrittst und dich abhebst, sichtbar wirst in irgendeiner Form, wirst du Neid und Eifersucht erregen. Garantiert. Ich verspreche es dir. Es ist wie das Amen in der Kirche.

Du zeigst im Job, was du kannst. Du sagst im Meeting, was du denkst. Du läufst in High Heels und Sonnenbrille durch die Stadt. Oder fährst deine Harley aus. Oder nimmst eine Auszeit für eine Weltreise. Und während du das machst, drückst du bei all denen, die das am liebsten auch gerne machen würde, den Projektionsknopf. Sie stellen den inneren Projektor ihrer Wünsche und Bedürfnisse an und werfen ihre Bilder auf dich, natürlich in vergrösserter Form. Und weil sie sich diese versagen und sie abklemmen, runterwürgen und sich auch manchmal dafür bestrafen, dass sie diese verspüren, kommt der ganze Frust auf dich.

Weil es unsichtbare Regeln gibt, die einen tätlichen Angriff auf dich untersagen, kommen die ungelebten Wünsche in anderer Form auf dich zu. Es sind die altbekannten Flötentöne: «Wenn du meinst, du musst dich hier wichtig tun, dann bitte.....» - «Es ist eben nicht mein Style, so aufgetakelt herumzuwatscheln...» - «Man muss nicht immer alles sagen, was man denkt, das macht auf die anderen einen wirklich schlechten Eindruck.....» usw.blabla... Diese Sticheleien sind Ausdruck des Frustabbaus. Sie führen Neid und Eifersucht auf dich ab, indem sie dich heruntermachen. Die wenigsten machen das frontal in einem offenen Wort, sondern hinter deinem Rücken.

Zieh dir diesen Schuh nicht an. Das ist nicht dein Problem, dass sie weniger Kompetenzen haben wie du, oder gleichviel, es aber nicht wagen, zu zeigen. Es ist nicht dein Thema, wenn sie was zu sagen hätten, es aber nicht tun. Es ist nicht deine Sorge, dass sie schon immer mal ein kurvenreiches Kleid zur Arbeit tragen wollten, es sich aber noch nicht mal gekauft haben. Es ist nicht dein Bier, dass sie seit Jahren Reisen googeln, die sie nie machen.

Schritt 6: Bleib in deiner Würde 

Wenn du mit diesen Eifersuchtsattacken konfrontiert wirst, ist es, wie wenn ein Antrag an dich gestellt würde:

  • Mach dich kleiner
  • Mach dich niedriger
  • Mach dich unbedeutender
  • Stell deine Strahlkraft ab
  • Rück dich aus dem Mittelpunkt
  • Geh einen Schritt zurück
  • Halte dich zurück
  • Mach dich dümmer und ärmer

Wenn du dich wieder zusammenfaltest wie ein Blatt Papier auf die Hälfte deiner Grösse, auch wenn du ein Blazer über dein supertolles Kleid wirfst, auch wenn du in der Sitzung nichts mehr sagst, die Neider lieben dich doch nicht und stellen ihre Attacken ein.

Also steh zu Deinen Fähigkeiten, steh zu Dir und zeige Deine Strahlkraft! Und wenn du ein Leuchtturm bist, die Nacht erhellst und für Schiffe, die draussen im Wellengang am Kämpfen sind, ein Navigationspunkt bist, dann ist das Kläffen dieser kleinen Hunde nicht mehr hörbar.

Schritt 7: Sei frech

Wenn wir uns ducken und uns hinter durchschnittlichen Meinungen verstecken, wird nichts passieren. Wir fallen nicht auf und kriegen dafür auch keine Eifersuchtsattacken ab. Aber wir bekommen auch nicht das, was wir wirklich wollen, denn dafür müssen wir uns hinstellen und dafür einstehen. Früher hiess es, das sei frech und unanständig, zu sagen, dass man gerne ein grosses Kuchenstück hätte. Denk daran, sag, was Du willst, und Du bekommst, was Du möchtest.

Schritt 8 und 9: Sei waghalsig und zuversichtlich

Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Manchmal muss man wie im Indiana Jones Teil 3 den einen Schritt ins Leere machen. Indiana musste auf dem Weg zum heiligen Gral drei Prüfungen bestehen. Eine davon hiess «Glaube an Gott und vertraue ihm». Als Indiana vor einem atemberaubenden Abgrund stand und der Weg auf der anderen Seite rund 10 Meter weit entfernt lag, schloss er die Augen und erinnerte sich an diesen Spruch. Er war wohl kein Glaube an Gott, aber an den Wunsch, seinen im sterbenden liegenden Vater mit dem ewigen Wasser zu retten, welches auf der anderen Seite zu finden wäre, die ihn veranlasste einen Schritt ins Leere zu machen. Und siehe da, ein durchsichtiger Balke lag über der Schlucht und er gelangte sicher auf die andere Seite und rettete seinen Vater.

So etwa stelle ich mir den Moment vor, an dem wir einen ersten Schritt tun müssen. Hinaus ins Leere. Ins Ungewisse. Wir haben keine Versicherung, dass es klappt, keine Zusicherung, dass es besser wird. Es braucht Mut und Zuversicht, dass es gut kommt.

Deshalb hadern viele so lange herum, bis sie sich entscheiden zu kündigen, die Wohnung zu verkaufen, die Ehe zu verlassen, die Reise anzutreten etc.

Es braucht dabei die klare Vision, was man will und die Zuversicht, dass das Leben es gut mit einem meint.

Schritt 10: Vertrau Dir selbst 

Als du auf die Welt kamst, hast du vieles in deinen Lebensrucksack mitbekommen. Es ist alles da. Nutze es.  Wenn du innere Pläne entwickelst, dich mit deinen Wünschen und Visionen verbindest, dann hat das alles mit Deinem unsichtbaren Potential zu tun, das nur darauf wartet, endlich genutzt zu werden.

Mir würde es nie in den Sinn kommen, eine Gärtnerei oder ein Restaurant zu eröffnen, weil ich dafür kein begabtes Händchen habe. Aber wenn ich daran denke, an meinem Erwachsenenbildungsinstitut auch noch eine Tanzschule zu integrieren, dann fange ich bereits auf den Seminartischen zu tanzen an. Übrigens unterrichte ich so ganz nebenbei unterschiedliche Tanzstile in Workshops.

Also, vertrau dir, dass deine Ideen aus gutem Stoff sind. Berate sie mit Menschen, die dir wohlgesonnen sind und an dich glauben.

Ein indianisches Sprichwort lehrt: «Träum Deine Träume gross genug, bis sie auf der Erde ankommen, sind sie eh etwas kleiner geworden.»

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