Mutter-Tochter: ohne Knatsch ein Erfolgsteam werden

Maya Onken, 28.04.2019

Maya Onken
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«Wir sind die besten Freundinnen!» - wenn ich diesen Satz von einer Mutter höre, die ihr Verhältnis zu ihrer Tochter beschreibt, stellen sich mir die Nackenhaare zu Berge. Die Mutter hat nicht begriffen, dass sie ihre Aufgabe in der Rolle als Freundin nicht erfüllen kann. Wie schön, wenn sich Mutter und Tochter gut vertragen, aber die Tochter sollte gleichaltrige Freundinnen haben, mit denen sie ihre Themen auf gleichem Altersniveau bespricht. Sie kann gerne die Mutter um ihre Meinung bitten, um einen Rat fragen, um ihr Erfahrungswissen zu nutzen, jedoch ist einfach immer zu bedenken, dass die Mutter um zwei bis drei Jahrzehnte älter ist. Somit hat sie zu einer anderen Zeit ihre Erfahrung gemacht.

Wenn also die Mutter das Verlassenwerden von einem Mann mit viel Aktivität und sofortigen anderen Flirts verarbeitet hat, heisst das noch lange nicht, dass die Tochter mit dieser Methode klarkommt. Eine Tochter hat das Recht, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, mit ihrem eigenen «Werkzeugkoffer», der ihr über Krisen, Pannen und Pleiten weiterhilft. Deshalb könnte die job description für eine Mutter lauten: Sich zurückhalten und da zu sein, wenn es schwierig wird. Ich nenne das «Heimat sein». Die Tochter soll die Welt bereisen, bei Schiffbruch oder Bauchlandungen in der Heimat auftanken.

Das heisst überhaupt nicht, dass die Mutter zu Hause Däumchen dreht und auf einen Anruf wartet. Auch sie hat das Recht, ihre Welt zu erkunden und neue Lebensräume zu entdecken. Aber nicht im Doppelpack mit der Tochter. Sie leben in völlig unterschiedlichen Dekaden. Während die Tochter sich bemüht, eine berufliche Karriere aufzubauen und eine Familie zu gründen, beschäftigt sich die Mutter mit Themen des Älterwerdens, blickt zurück und lernt ihre eigene Biografie zu verstehen.

Damit Mutter und Tochter ohne Knatsch ein Erfolgsteam werden, stelle ich hier je zwei Aspekte der Mutter-Tochter-Beziehung vor, die ich aus eigener Erfahrung kenne und empfehlen kann.

Aus der Sicht der Mutter

Thema 1: Fehlervermeidung

Wir lieben unsere Kinder über alles. Und Töchter sollen es immer besser haben als wir selbst und ganz sicher nicht die gleichen Fehler oder das gleiche Unbill erleiden wie wir. Nur: Deine Tochter hat das Recht, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Deine Erfahrungen werden nicht die ihren sein. Ausserdem hat sie einen anderen Werkzeugkoffer gepackt, um Probleme anzugehen. Deshalb: Mute ihr das Leben zu und sei zuversichtlich, dass sie es schaffen wird. Sei da, wenn Sie dich braucht.

Thema 2: Schuldgefühle

Manche Mütter geben alles für ihre Kinder auf, verzichten auf ein eigenes Leben, fordern aber dafür eine Vergütung ein.  Diese Haltung belastet die Beziehung und führt dazu, dass sich Kinder schuldig fühlen. Sie können machen was sie wollen, sie werden niemals ein verschenktes Leben wieder rückvergüten können. Nur: Schuldgefühle sind immer toxisch und wenig hilfreich. Deshalb: Jede Mutter ist aufgefordert, ihr Leben als Frau zu leben und nicht ihre Kinder verantwortlich für ihr Glück zu machen.

Aus der Sicht der Tochter

Thema 1: Vorbild annehmen oder darüber nachdenken: Nie wie sie werden zu wollen. 

Die Mutter ist unser erstes weibliches Vorbild. Wir betrachten und beobachten sie minutiös in ihrer Art, wie sie sich gibt und ob sie wertgeschätzt und geachtet wird. Und weil Frauen in der heutigen Gesellschaft immer noch minder bewertet werden, wollen wir NICHT so werden wie die Mutter. Nur: Die Mutter kann nichts für diese Umstände der gesellschaftlichen Entwicklung. Deshalb: Bitte auch den Blick in die Ressourcen der Mutter werfen, was kann sie gut, wo ist sie mein Vorbild?

Thema 2: Eigenes Modell entwickeln

Töchter müssen ihren eigenen Weg finden und aus ihrer Tochterperspektive heraus ihre Identität entwickeln. Nur: Die meisten bewerkstelligen das, indem sie ihre eigene Mutter ablehnen. Deshalb ist es sinnvoll, neue Wege zu erkunden. Von der Mutter Geleistetes der bewundern und würdigen, Erfahrungen der Mutter einholen und Neues aus eigenem Wissen dazu erkunden und umsetzen.

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