Nachfolgegeneration der Verdingkinder

Julia Onken, 13.07.2017

Ich erhalte beinahe täglich Berichte von KESB-Betroffenen: Senioren, Behinderte und Kinder. Die Geschichten gleichen sich wie ein Ei dem andern, vor allem, was das Vorgehen der KESB betrifft. Es ist ein Skandal, dass derartiges in unserem Land geschieht. Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis diese unheilvolle Behörde abgeschafft wird.

Dieser Bericht stammt von Amanda W. - und wie alle anderen, die sich an mich wenden, will auch sie nicht mit Namen genannt werden. Alle fürchten sich vor Restriktionen, denn wer sich wehrt, kritisch ist, wird sofort bestraft.

Amanda schreibt über die Fremdplatzierung ihres 3 jährigen Enkels

2 Jahre lang kämpften meine Tochter und ich mit der KESB. Meine Tochter hat sich vom Kindsvater getrennt und wohnte eine kurze Zeit mit dem Kleinen bei mir. Der Machtkampf den der Vater ausübte löste aus, dass die KESB sich einschaltete. Es gab Anhörungen. Die Behörde hatte mir, der Grossmutter das Aufenthaltsrecht zugesprochen, bis meine Tochter wieder gesund ist. Ich muss noch dazu sagen, dass die Beiständin sich ein Bild bei uns zu Hause, in meiner 5-Zi-Attikawohnung machte. L. hatte sein eigenes Zimmer. Die Beiständin erwähnte doch wie schön es bei uns sei!

 Einen Tag bevor die Mutter von L. sich in die Klinik begab, erhielt ich einen Anruf, dass die Behörde mir den Kleinen sofort wieder wegnehme.  Leider gab es eine Beschwerdemeldung die völlig ungerechtfertigt war. Der damalige Behördenleiter verhielt sich am Telefon sehr arrogant mir gegenüber. Es kam kein anständiges Gespräch zustande. Ich war am Boden zerstört und zu tiefst verletzt. Am nächsten Tag wurde der Kleine von den anderen Grosseltern abgeholt. Und wohnte bei ihnen in einer 2 Zi-Wohnung während einem Jahr.

Dann erhielt ich einen Anruf von der KESB, ich müsste den Kleinen notfallmässig aufnehmen, es ginge nicht mehr gut bei den anderen Grosseltern. Sie haben ihn mir am gleichen Abend gebracht. L. war völlig zerstört und hat nur geschrien. Anschliessend wurde entschieden, dass der Kleine in ein Kinderheim kommt. Zu sagen ist, dass es ein sehr gutes Kinderheim war. Aber Niemand, keine Nonna, Grossmutter oder gar Erzieher können die Mutter ersetzen!

Das Gericht hat nach einem Jahr entschieden, dass meine Tochter die volle Obhut wie das Sorgerecht zurückerhält. Ein ganzes Jahr, das Mami nur auf Besuch oder Ferien zu haben! Als meine Tochter den Kleinen das Letzte Wochenende für die letzte Woche ins Kinderheim  zurückbrachte, schrie der Bub dermassen, dass es mir das Herz zerriss.  Mutter, Erzieherin und ich konnten das Kind nicht beruhigen.

Fazit: L. hat das Vertrauen vollkommen verloren. Leidet unter Verlustangst. Und ist total unsicher. Was das für Folgeschäden haben wird, wissen wir noch nicht. Dies Alles hätte nicht sein müssen, denn ich bin mir keiner Schuld bewusst und L. wäre in der Zeit wo die Mutter einen Klinikaufenthalt gemacht hat bei mir gewesen. Und nicht während 2 Jahren Hin-und Her geschoben worden. Wo bleibt da die Menschlichkeit oder Recht? Da wird auf Paragraphen herum geritten und Machtkämpfe ausgeübt und dies Alles auf dem Kopf eines kleinen unschuldigen 3 jährigen Knaben! Das ganze Familiensystem hat einen bleibenden Schaden. Solche Handlungsweisen von Behörden verurteile ich zu tiefst.

3Kommentare

  • Susanne
    14.07.2017 08:39 Uhr

    Liebe Julia
    Diese Geschichte ist wirklich tragisch. Doch sie hat ein Ende.Wobei dieses Ende offen bleibt, denn solch betroffene KESB-Eltern so wie die Kinder und nahe Angehörige werden lange Zeit unter einem Druck stehen. "Erziehe ich mein Kind richtig; ist das gut für das Kind?" Wenn es in die Pupertät kommt, wissen wir ja Alle wie Jugendliche ticken...Bei dem kleinsten Vorfall kommt die Frage auf: und steht gleich die Behörde vor der Tür, oder die ständige Angst vor dem Nachbar/in wenn das Kind schreit, gibt es eine Beschwerdemeldung.
    Es wäre wirklich sinnvoller Eltern zu unterstützen mit Erziehungshilfe, Familienbegleitung etc. anstatt solche Fremdplatzierungen an zu ordnen! Es ist unnötig ständig Beschwerdemeldung zu machen. Das bringt Schaden und Leid, am Ende Streit.
    Natürlich braucht es Behörden die hinschauen, aber dort wo es Sinn macht. Bei Gewalt oder Vernachlässigung des Kindes. Und bitte liebe Behörden, übt ein wenig Menschlichkeit und Schaut die Betroffenen gut an.
    Da gebe ich Julia recht, eine neue Generation Verdingkinder. Statt vorwärts geht es Rückwärts in die 70er, 80er Jahre. Und nach vielen Jahren erhalten genau diese Fremdplatzierten wieder einen Batzen zur Genugtuung. Geld heilt kein Herz, kein Leid. Die Familie ist das Intimste und Privateste, dass es auf dieser Welt gibt. Vor Allem aber eine sehr wertvolle Institution. Eine Institution, die Heimat und Liebe bietet. Und genau das müssen wir Alle auf dieser Welt hegen und pflegen.
    Viel Kraft wünsche ich dieser Familie!
    Susanne V.

  • Brigitte Hieronimus
    25.08.2017 10:33 Uhr

    Liebe Julia,

    es ist ein Drama ohnegelichen was da geschieht! Behörden sie sich mit dem Kindswohl auseinander setzen, scheinen eher mit Verwaltungshirn ausgetattet, als mit Empathie gesegnet zu sein. Es tut Not sich dagegen zu wehren und aufzubegehren.
    Wie wir wissen, haben die Traumata früher Verluste von Bindung, Sicherheit, und Orientierung, fatale Folgen und Auswirkungen auf spätere Beziehungen. Unverarbeitet Verlustängste bleiben ein Leben lang existent und behindern eine gesunde Entwicklung.

    Wollen wir wünschen, dass diese Familie die volle Untertsützung erfährt.

    Herzlichst
    Brigitte Hieronimus

  • Nicole Fahrer
    08.10.2018 16:16 Uhr

    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;">Liebe Julia,</span>
    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;">ich habe mich bis jetzt nicht sehr stark mit der KESB auseinandergesetzt. Habe hie und da etwas darüber in den Nachrichten gehört. Ich erinnere mich an Zoe Jenny, die sich mit der KESB auseinandergesetzt hat und ein Buch veröffentlichte, das ich nie gelesen habe. Bisher habe ich mir keine persönliche Meinung darüber gebildet und mich immer gefragt: Was ist wahr? Was ist gelogen? Wer ist im Recht? </span>
    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;"> </span>
    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;">Die Erzählungen von Amanda haben mich sehr betroffen. Als Grosmutter ist sie nicht direkt betroffen und erzählt aus einer eher beobachtenden Rolle, wobei auch sie direkt betroffen war. Ich finde es erschütternd, dass sich die KESB erlaubt, so unüberlegte und sprunghafte Entscheidungen zu fällen und das Kind von der einten Grossmutter zur anderen schiebt und dann ein Jahr später wieder in ein Kinderheim bringt. Das ist unprofessionell und zeigt die emotionale und psychologische Armut der Menschen, die leider auch bei der KESB angestellt sind. Was sind das für Menschen, die diese Entscheidungen bei der KESB treffen? Wo bleiben da die kompetenten Psychologen und Therapeuten, die in solchen Fälle integriert werden müssten? </span>
    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;"> </span>
    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;">Sollte nicht an allerallererster Stelle das Wohl des Kindes stehen? </span>
    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;"> </span>
    <p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: medium; font-family: Cambria;"><span style="font-family: Arial;">Da ist nur noch zu Hoffen, dass diese Kinder resilient genug sind und aus ihren persönlichen und widrigen Erfahrungen einmal Brücken schlagen.</span>

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