„Nimm dem Geldsystem die Macht, indem du es verschenkst.“

Monika Hengartner, 26.03.2019

Monika Hengartner
Monika Hengartner

 Schade. Erst nach seinem Tod lerne ich den bis zuletzt genial zeichnenden und Mode kreierenden Karl Lagerfeld näher kennen!

Das verdanke ich einer jungen Designerin. Sie eröffnet mir dessen herausragende Gabe, in der schnell sich ändernden Modewelt mit immer neuen Ideen und edlen Materialien die Models so zu "verpacken", dass diese immer als stimmige, harmonische Ganzheit laufen. Dieses zu leisten bedarf einer grossen Unabhängigkeit in Haltung und Lebensführung. Sie erklärt mir auch, dass rechteckige, flache Geschenke einfacher einzupacken sind als runde. Weibliche Formen seien eine Herausforderung; "Wo gehst du bei einem grossen Busen und schmaler Taille mit all den Falten hin!?" Ähm... ja.

Die "Karl", wie ihn alle nennen, zugeschriebene Aussage, dass man das Geld zum Fenster hinauswerfen muss, damit es zur Türe wieder hereinkommt, die steht auch in Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“. Vielleicht fand er es da. Möglich auch, dass er dank seinem Umgang mit viel Geld von sich aus zu dieser Formel fand. In den heute öffentlich zugänglichen Gesprächen brilliert er jedenfalls mit seiner Logik, mit Scharfsinn und Wissen und den zum Teil verblüffenden Folgerungen. Ich stimme ihm in dieser Aussage gerne zu! Geld ist nichts Materielles, so ist nur der Glaube. Eine goldene Regel lautet: „Was du willst, dass man dir tu', das tue du dem anderen zuerst.“ Und ein Lösungsansatz gegen das heutige Schuldgeld empfiehlt: „Nimm dem Geldsystem die Macht, indem du es verschenkst.“

Meine Erfahrung damit ist bereichernd, wohltuend und entspannend. Ich habe nicht die finanziellen Dimensionen eines Karl. Aus dem Fenster werfen, also ohne Rückversicherung, Kleinlichkeit und Erwartung für mich und andere Geld ausgeben, das kann ich auch. Was bildlich an meine Türe kommt, ist ordentlich, ich kann annehmen oder ablehnen. Ich werde nicht gezwungen. An der Türe findet Beziehung statt. Auch mit Geld. Angeboten und frei.

Was es dafür bedarf? Den Mut zum eigenen Weg und Vertrauen in die Gesetzmässigkeiten.

1Kommentar

  • Anna Klassen
    04.04.2019 23:53 Uhr

    Libe Monika

    Dein Text ist wie üblich scharfsinnig, treffend, zeigt dein Allgemeinwissen und analytische, sachlich feststellende und zugleich in Bezug auf Karls Zitat ganz eigene Deutungen. Echt vielsagend ist der letzte Abschnitt und vor allem der Schlusssatz.

    Liebe Grüsse

    Anna

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