Rose-Marie Gerber - ... mit einem Lächeln im Gesicht

Verena Lüthi, 02.07.2020

Rose-Marie Gerber
Rose-Marie Gerber

Rose-Marie Gerber

  • Biografie- und Schreibpädagogin
  • Kursleiterin SVEB I
  • leitet Biografie- und Kreativ-Schreibkurse im Kanton Zürich und Ostschweiz  

Kontaktadresse: rm_grbrmcm

Wolltest Du da schon immer Schreibpädagogin werden?

Nein, gar nicht.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, diese Ausbildung zu machen? Ich ging mit einer Kollegin in einen Schreibkurs bei uns im Dorf, obwohl ich felsenfest überzeugt war, mein Schreibpotential endet bei Texten von Geburtstags- oder sonstigen Glückwunschkarten. In diesem Kurs erlebte ich ein Aha-Erlebnis nach dem anderen! Stellte fest, wie kreativ und lustvoll Schreiben sein kann.

Erzähle!

Es wurde uns von der Kursleiterin (die ebenfalls ihre Ausbildung am FSB gemacht hat) die Aufgabe gestellt, über das Wort «Weihnachten» nachzudenken und aufzuschreiben, was uns dazu einfällt. Was da alles in mir hoch kam, und zu Papier gebracht werden wollte – ich war selber überrascht und ganz wichtig: Ich war begeistert! Wollte mehr.

Nach der Ausbildung hast Du beschlossen, selber Kurse zu geben?

Wollen schon, aber da stand ich mir selber im Weg, ich hatte Mühe vor Leuten zu reden. Ich absolvierte deshalb am FSB die Kursleiterinnenausbildung SVEB I und das hat mir sehr geholfen.

Das war dann der berühmte Sprung ins kalte Wasser?

Ja, das kann man so sagen. Es geschehen ja immer Dinge, die einem den Weg weisen. Während dieser Zeit erlebte ich eine berufliche Krise und wurde gleichzeitig angefragt, ob ich einen Vortrag über Biografie-Arbeit halten würde. Ich sagte zu, nur, ein Vortrag zur Biografie-Arbeit allein bringt es einfach nicht, ich machte mit den Anwesenden noch ein paar passende Schreibübungen. So fing meine Laufbahn als Biografie- und Schreibpädagogin an.

Und heute?

Heute gebe ich verschiedene Kurse unter anderen auch bei Pro Senectute. Das ist jetzt drei Jahre her, viele Teilnehmer der ersten Stunde sind heute immer noch in ihrer angestammten Gruppe dabei.

Wie sieht so ein Kurs aus, wie kann ich mir das vorstellen?

Eine Kurseinheit dauert 6 Mal jeweils 2.5 Stunden und findet zwei-wöchentlich statt mit 6 bis maximal 8 Teilnehmern pro Kurs. Bei den Kursen von Pro Senectute sind die Teilnehmer zwischen 65 – 92 Jahre alt.

Was erwarten die Teilnehmer, wenn sie sich bei einem Schreibkurs anmelden?

Einige möchten ihre Lebensgeschichte aufschreiben für sich, oder für ihre Angehörigen. Viele sind am Anfang eher zurückhaltend, haben Angst sie würden sich blamieren, könnten zu wenig gut schreiben.

 

Oh, da musstest Du sicher so manchen Knoten lösen?

Zu den Kursregeln gehört, dass in meinen Kursen nichts korrigiert und nichts gewertet wird, sowohl von mir als Kursleiterin als auch von den Teilnehmern. Erst wenn alle überzeugt sind, so wie sie schreiben ist es gut und richtig, erst dann sind alle offen und können sich gegenseitig inspirieren. Das gibt Vertrauen untereinander und innerhalb der Gruppe und das ist sehr wichtig. Die Texte vorlesen ist freiwillig. Doch praktisch alle freuen sich, ihre Geschichten mit ihren Kollegen zu teilen.

Da du doch Teilnehmer und Teilnehmerinnen hast die schon länger deine Kurse besuchen, sind das nicht Wiederholungen?

Themen und Impulse variieren, die Fülle ist fast unendlich. Ich wechsle auch immer wieder die Methoden.

Kannst Du ein Beispiel geben?

Alle nehmen ein Klassenfoto mit und schreiben an jemanden davon einen Brief. Das kann jemand sein, den er oder die sie besonders gerne gemocht hat, oder das Gegenteil, ein Klassenkamerad, den man nicht ausstehen konnte.

Oder sie zeichnen ihr Kinderzimmer und schreiben darüber.

Natürlich braucht es eine intensive Vorbereitung. Aber das mache ich gerne und bin in meinem Alltag auch immer auf der Suche.  

Gibt es einen Unterschied, ob die Menschen alt sind, oder mitten im Leben stehen?

Nein, eigentlich nicht. Vielleicht ist die Dynamik im Alter etwas langsamer. Aber die Teilnehmer inspirieren sich gegenseitig, das ist auch wieder sehr schön.

Wie siehst Du deine Zukunft als Kursleiterin?

Ich mache auf jeden Fall weiter. Jeder einzelne Kurs ist für mich eine grosse Freude, Inspiration und Herausforderung. Ich bereite mich immer intensiv darauf vor. Jeder Kurs ist ein Unikat.

Wichtig ist für mich, dass die Kursteilnehmenden mit einem Lächeln hinausgehen.

Liebe Rose-Marie, herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft.

 

 

Das Interview führte Verena Lüthi, Redaktion Online-Magazin Julia-Onken

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