Sage mir, was Du isst.....

Meta Zweifel, 22.07.2019

Meta Zweifel
Meta Zweifel

Sage mir, was Du isst.....

Das Bibelwort  << Der Mensch lebt nicht vom Brot allein >> hat viel Tiefe. Es wird zwar häufig veralbert, etwa mit dem Zusatz <<...sondern auch von der Wurst. >>  Und nur selten wird die Bibelstelle vollständig zitiert, in der es heisst << Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Mund Gottes kommt. >>  Hier geht es also um eine spirituelle Dimension.

Das oft zitierte und ebenso oft missbrauchte Wort lässt sich auch aus einer anderen Perspektive betrachten: Brot kann als Sammelbegriff für Nahrung und Ernährung stehen. Der Mensch sollte nicht unbedacht  vom << Brot > leben, sondern sich überlegen, wie dieses Brot produziert worden ist, welche Wege und Umwege die Nahrungsmittel genommen haben. Ist das verführerisch billige Fleisch, das vom Grossverteiler als Wochenknaller angepriesen wird, nur deshalb so preisgünstig, weil es aus verabscheuungswürdiger Massentierhaltung stammt? Kommt die Avocado aus einer riesigen Plantage, die bewässert werden muss und so den Kleinbauern in der Gegend das lebensnotwendige Wasser entzieht?

Essen ist nicht mehr die  natürlichste und  lebenserhaltende Sache der Welt, sondern zur Anstrengung und zum klimapolitischen Top-Thema geworden.

<< Frisch, gesund und ökologisch >>

Der Dreiklang << Frisch, gesund und ökologisch >>, den beispielsweise

in Basel von den Grünen ins Spiel gebracht wird, hört sich gut an und ruft nun wirklich nicht nach Widerspruch. Auch gegen die Forderung, biologisch hergestellten Produkten den Vorrang zu geben und Lebensmittel nicht wegzuwerfen, sondern zu verwerten, ist  wirklich nichts einzuwenden.  Masshalten bei  beim Konsum von Fleisch- und Milchprodukten: Kann man unterstützen, ist auch vom gesundheitlichen Standpunkt aus sinnvoll.  

Aber jetzt  kommt’s dicke: Nun werden von der Parteipolitik stramme Regeln diktiert,  die zu umweltfreundlichen Reduktionen führen sollen. Aufgepasst: Statt eines Kilogramms Fleisch pro Woche soll eine Person lediglich noch 500 Gramm verzehren dürfen; die  2,2 Kilogramm Milchprodukte pro Person und Woche sollen auf 1,1  Kilogramm verringert werden. Statt 3,5 Eier sollen lediglich 1,75 Eier auf den Teller kommen.

Also da bin ich jetzt geistig überfordert. Angenommen, ich gönne mir zum Sonntags-Frühstück ein halbweiches Ei. Kann ich dann mit  0,75 Ei noch einen Guss für  eine Apfelwähe anrühre? Milch trinke ich nicht, das ist für mich seit Kindertagen leider ein Brechmittel – da bin ich umweltfreundlich.  Aber wie muss ich Käse, Joghurt, Hüttenkäse, Quark  und Rahm so einteilen, dass ich das umweltverträgliche Mass von 1,1 Kilogramm pro Woche nicht überschreite?

Vielleicht wäre eine Portion Linsen zum Frühstück eine Alternative zum Proteinbedarf, den mein alter Organismus nun mal braucht und den er  vor allem aus Michprodukten bezieht? Und wenn ich mir statt Fleisch ein Tofu-Schnitzel brate: Werden für den weltweit steigenden Konsum von Fleischersatzprodukten vielleicht auch Wälder gerodet, damit da sozusagen in Massentierhaltung Sojapflanzen angebaut werden können? Ein Mysterium.  

Essen als Religionsersatz?

Die Geschichte des Essens im Verlauf der Jahrhunderte ist hoch spannend. Und durchzogen von Speisegeboten, Regeln und Vorschriften. In der Mehrzahl haben sie  mit religiösen Glaubenssätzen zu tun, und in diesem Sinne sind sie  gemeinschaftsstiftend.

Heute scheint sich diese Geschichte in einer Phase zu befinden, in der sich die Nahrungsaufnahme mit ideologischen Grundsätzen verbindet, die – salopp gesagt – zuweilen wie ein Religions-Ersatz daherkommen. Die neuen Glaubenssätze sind nicht allein auf Umweltschonung ausgerichtet, sondern überdies ein hervorragendes Instrument zur Selbstinszenierung und zur Identitätssteigerung. Ich verzichte auf das Ei in der Mayonnaise und umweltbewusst, wie ich bin,  esse ich Krautsalat statt Wurstsalat, trinke ich verdünnte Mandelmilch statt Milch von der  Gas ausströmendenKuh usw. Ich tu das, ich kann das. Und ich bin deshalb ein besonders wertvoller Mensch mit einer besonders hohen Lebensberechtigung.

Lasset uns beten.  

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