Silvia Trinkler - Sein Kopf spielt verrückt

Silvia Trinkler, 01.12.2020

Silvia Trinkler
Silvia Trinkler

Mitten im kalten Winter

Ein spezielles Jahr geht zu Ende. Der blöde Virus wird uns im nächsten Jahr noch beschäftigen. Zumindest die Impfungen, das Gejammer der Wirtschaftsverbände, der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer – einfach aller. Corona wird uns noch lange Zeit Jammer-Energie liefern. Dieser Geschmacksnerven-Töter verbreitet sich auf der ganzen Welt rasant. Die Einen behelligt er wie eine leichte Grippe. Die Andern greift er frontal an. Grausam. Nicht nur die Alten. Jedes Alter. Kein System. Keine erkenntlichen Merkmale wer auf der Intensiv-Station landen könnte. Ein unsichtbarer Feind mit vielen unerforschten Faktoren. Die ganze Welt ist betroffen. Alle Länder, alle Flüchtlinge, Arme, Reiche. Niemand kann sich drücken vor diesem Mikro-Feind.

In welchem Staat möchte ich in dieser Zeit leben? In welchem Land ist die medizinische Versorgung auf einem hohen Niveau? Wo ist die politische Führung umsichtig und fundiert? Wer hat die finanziellen Reserven diese Misere abzufedern?

Mitten im kalten Winter – gut versorgt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika verschleudern seit Jahren Geld und Energie für Kriege und Wahlkämpfe. Viele arme Menschen könnten es brauchen. Manche wohnen im Auto, es ist alles was sie besitzen. Freies Leben sieht anders aus. Das Wahlresultat ist knapp, aber mit Hoffnung verbunden. Das Land der großen Freiheit, entzweit, zerstritten. Der Kampf geht unerbittlich weiter. Ein Präsident, der vorher weiss, dass betrogen wird. Von den Gegnern. Seine Mannschaft demonstriert. Ohne Maske, dafür mit dem Maschinengewehr am Halfter. Alles für die «Freiheit». Der Neue grüsst das Volk, will vereinen, versöhnen. Hat er die Kraft?

Mitten im Kalten Winter – ein Hoffnungsschimmer.

Die kleine häusliche Beziehungskiste. Älter werden ist nicht einfach, die Haare ergrauen oder fallen aus. Freunde erkranken, verlieren kurz vor der Pensionierung den Job. Es kriselt überall. Manchmal auch im Kopf. Wer hätte das gedacht. Unglaublich. Unglaublich. Unverständlich. Sein Kopf spielt verrückt. Immer öfter, immer stärker, immer, immer wieder. Irritation schlägt in Wut um. Ist nicht mehr zügelbar. Explodiert. Er geht Zigaretten holen und entschwindet. Sie landet hart auf dem Boden. Sehr hart.

Sie hat fünfzehn Bücherwünsche und bestellt alle in ihrer Lieblingsbuchhandlung. Jedes einzeln in Geschenkpapier gewickelt. Immer sonntags öffnet sie eins. An jedem Wintersonntag wärmt ein Buch ihr verletztes Herz. Wenn das letzte Papier im Müll landet, wird ein Hauch von milder Wärme spürbar sein.

Frühling – mitten im kalten Winter.

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