Tagebuch "Ich bin"-Biografie

Christine Weiner, 03.05.2021

Christine Weiner
Christine Weiner

Wer sich selbst schreibt und das Geschriebene reflektiert, kann sich nahe kommen, heilen und neue Ziele und Sehnsuchtsorte finden. Menschen, die sich selbst schreiben spüren sich. Sie SIND.

· Sich zu schreiben schafft Perspektive.

· Sich zu schreiben hilft erkennen.

· Sich zu schreiben ermutigt.

· Sich zu schreiben tröstet.

Vielleicht haben Sie längst damit Erfahrung. Oder Sie beginnen in diesem Augenblick ganz neu. Eine Regel sollten Sie von Anfang an beherzigen:

Wer an sich selbst schreibt,
sollte dies wertschätzend, anerkennend und spannend tun.

Wertschätzend. Das ist nicht die große Meditation, sondern beginnt in der Poesietherapie, beim Tagebuch an sich: Gönnen Sie sich ein Glanzstück! Ein Heft oder Tagebuch, das Ihnen richtig gut gefällt. Nehmen Sie sich Zeit das richtige Buch für sich zu finden, denn es wird Sie länger begleiten. Fühlen Sie das Gewicht. Lassen Sie die Hände über den Einband, das Papier streichen. Riecht es gut? Hat es eine schöne Farbe? Werden Sie gerne hineinschreiben und wenn ja, mit was? Immer gut ist ein Füller oder Stift, der angenehm in der Hand liegt. Eine Computertastatur, über die Ihre Hände nur so gleiten. Doch Stopp! Wollen Sie wirklich mit dem Computer schreiben? Das ist sehr technisch. Mit der Hand zu schreiben, so die Neurowissenschaft, aktiviert Hirnareale – besonders die, in denen unsere Gefühle und Erinnerungen gespeichert sind. Erlebtes lässt sich besser verarbeiten, setzen wir die Zeichen mit der Hand. Und darüber hinaus - es ist auch viel flexibler! Sie können Ihr Seelenbuch immer bei sich haben, um dann zu schreiben, wenn Ihnen ein guter Gedanke kommt.

Ich selbst habe im Alter von etwa 10 Jahren mit dieser Art der Reflexion begonnen. Ein kleines Büchlein, rot, mit kleinem Schloss. Wie aufregend sich das anfühlte! Inzwischen habe ich eine große Tagebuch-Bibliothek, die sich in einer alten, randvoll gefüllten Holztruhe versteckt. Von Zeit zu Zeit klappe ich die Truhe auf, wähle mir ein Buch, um dann erstaunt zu lesen, wie ich mich und diese Zeit beschrieb. Ich lese diese Einträge sehr gerne. Manchmal lächle ich, manchmal rege ich mich auf, manchmal macht es mich traurig – aber immer spüre ich den direkten Zugang zu mir und meiner Seele.

Allerdings, auch das Schreiben an sich selbst benötigt etwas Schwung!

Diese Stupser werden Sie hier finden. Jeden Monat bekommen Sie von mir eine neue Idee, einen Impuls, der praktisch ist, umsetzbar und anregend. Fangen wir an? Haben Sie ein Buch zur Hand? Einen schönen Stift? Los geht’s …

Anregung Nummer 1

Besuch dich selbst, aber wechsle die Tür

An ein Datum oder an ein liebes Tagebuch zu schreiben, das ist nicht besonders inspirierend. Steht nur ein Datum auf der Seite beginnen wir oft mit: Ich mache gerade; ich bin; ich sollte; heute ist ein regnerischer; sonniger; heiterer langer … Tag. Sie merken selbst, das ist ziemlich fad, besonders wenn man sich näher kommen wollte. Ist jedoch ein Mensch gefunden, dem wir die Briefe schreiben, bilden sich ratzfatz gefühlvolle Gedanken! Manche Frauen schreiben an ihre verstorbene Großmutter, manche an einen Schutzengel und viele, wie ich, an eine Idee, der sie einen Namen geben. Ein Name, eine Person die inspiriert. Wichtig ist nur, ist es ein Mensch, sollte er nicht mehr leben. Ist es eine Phantasiegestalt, sollten Sie ein inneres Bild von ihr entwickeln, ihr eine Persönlichkeit, Geschichte geben. Sie können also durchaus an Ihre Ur-Großmutter schreiben, jemanden aus der Geschichte. An Heidi, aus den Bergen, Pippi Langstrumpf oder Mr. Spock. Es ist egal, Hauptsache, Sie möchten diesem Namen etwas von sich erzählen. Manchmal ist es die Briefform, zuweilen regen farbige Skizzen oder Zeichnungen das Schreiben an. Und Sie wissen schon: Immer höflich dabei bleiben.

Meine heutige Frage an Sie:

Wenn Sie jemandem schreiben möchten, wer wäre es und was würden Sie ihm ersten Brief erzählen?

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