Theodora Kostyal: Unentschieden

Theodora Kostyal, 27.12.2019

Theodora Kostyal
Theodora Kostyal

Auf dem Sprungbrett Wurzeln schlagen 

Das Neue.

Manchmal klein, aber es erscheint als unüberwindbarer Bergriese. Umhüllt von rauen Winden und durch rutschig-steile Pfade begehbar. Oder als reissender, breiter Strom ohne Brücke und Fähre. Da stehen wir am Ufer mit all dem was wir mitschleppen und wissen nicht wie hinüber. Oder als Fata Morgana, die uns mit ihrer vermeintlichen Echtheit lockt. Wir beissen auf die Zähne und erst wenn alle Kräfte entschwunden sind, wird realisiert, dass wir uns ihr um kein Jota näher genähert haben.    

Etwas Neues, oder lassen, wie es ist?

Diese Frage heisst innere Mobilisierung. Herzklopfen. Der Kampf der Überlegungen beginnt. Zwischen Aufschieben und Entscheidungen treffen, Abwägen und Wagen, Urängsten und Mut. Zwischen Verlust und Gewinn,  Komfortzone und Unbekanntem, Gefahren und Sprung. Wenn nicht schon als Kind eingeübt und trainiert, immer schwieriger mit den Jahren.

Was ist das Entscheidende? Wo sitzt unser innerer Richter?  

Unvorbereitet, spontan, oder als Muss scheint die Wahl vielen leichter zu fallen. Da erübrigt sich immerhin das Grübeln. 

Wie viel wird über die tötende Routine geschimpft und doch flüchten wir gleichzeitig in ihren vertrauten Rahmen, wo wir nicht nachdenken, unser Leben in Frage stellen und uns neu beweisen oder zeigen müssen. Den doch so gut eingetragenen Mantel und die bequemen Schuhe behalten dürfen. Die tägliche Stütze.  Die Krücke, um wie gewohnt, weiter zu machen. Der Grund zur Ausrede in allen Bereichen. Unsere tägliche Lüge, die uns sowohl Brot, als auch Schutz gibt. Strukturen, um nicht ins schwarze Loch zu fallen, oft auch eine Maske statt des eigenen Gesichts. Dahinter gut verborgen: Die Angst vor dem Versagen, vor der Abweisung, vor dem Alt- und nicht (mehr) Gebraucht-Werden, vor dem Bodenlosen, vor der Endlichkeit. Den Raum ja nicht verlassen, der unsere Illusion des Lebens aufrechterhält, den Sinn, die Bestätigung für unser Sein. Vielleicht DAS Leben überhaupt, das einzig realisierbare für uns. Weil wir womöglich keine Berge erklettern können, nicht schwimmen und nie springen gelernt haben.

Und so verharren wir im Schatten des Berges, am Ufer des unendlich erscheinenden Stromes oder zittern - die Kante unter der Sohle – auf dem Sprungbrett und schlagen gleichzeitig Wurzeln. Allenfalls geht es auch nicht mehr rückwärts. Erstarrt zwischen Möglichkeiten, Bildungsgängen, Lebensentwürfen, Partnern und Lebensorten.

Und doch kitzelt es ewig unter der Sohle.

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