Vorsätze

Meta Zweifel, 31.01.2019

Meta Zweifel
Meta Zweifel

Die Tradition sagt, Neujahrswünsche dürften bis zum 6. Januar ausgesprochen und also gleichsam den Heiligen Drei Königen, den Magiern aus dem Morgenland, ins Reisegepäck mitgegeben werden.

Ob es irgendeinen Fixpunkt gibt, bis zu dem man fürs neue Jahr gute Vorsätze fassen darf? Oder kennt man womöglich nur die Erfahrungswerte, die belegen, dass gute Vorsätze ein arg rasches Verfallsdatum haben?

Vorsatz: Im Grund ist dies ein Begriff aus der Buchproduktion. „Vorsatz“ wird die Verbindung zwischen Einbanddeckel und Buchblock bezeichnet.

Ein Teil also, das dem Buch recht eigentlich Stabilität gibt und es in sich zusammenhält. Ich neige zu elegischen Vergleichen. Also: Was gibt meinem Lebensbuch  - wie viele Seiten es am Ende umfassen wird, kann ich nicht wissen – was gibt diesem Buch Stabilität? Welche Vorsätze geben ihm Halt? Vorsatz 1: Ich will Menschen, die meinem Herzen nahe stehen oder denen ich nicht gleichgültig zu sein scheine, öfter als bisher sagen, dass sie mir lieb sind. Und ich werde mich möglichst oft nach ihnen erkundigen. Vorsatz 2: Ich werde meine Restvernunft aktivieren und all den Kleinmist, den der Alltag so mit sich bringt, möglichst rasch bearbeiten und beiseite schaffen. Ich werde somit versuchen, die Berliner Spruchweisheit "Und verschiebe nie auf morjen, wat de übermorjen och noch kannst besorjen" aus meinem Hirnkasten zu verbannen und meinen Hang zur Prokrastination zu überwinden. Prokrastination: Ein wunderbar wohlklingendes Fremdwort für die üble Angewohnheit, unangenehme Dinge vor sich herzuschieben......  Vorsatz 3: Ich werde mich bemühen, auf mich acht zu geben, ohne mich allzu wichtig zu nehmen. Ich werde ...ach, die Liste meiner guten Vorsätze ist lang.

Vielleicht komme ich zu besseren Ergebnissen, wenn ich der WOOP-Methode folge. Sie wurde von einer deutschen Psychologie-Professorin entwickelt. Was allerdings nicht heisst, dass wie bei einem Backrezept eine Geling-Garantie mitgliefert würde. WOOP ist ein Zusammenzug aus den Anfangsbuchstaben der englischen Wörter Wish/Wunsch, Outcome/Ergebnis, Obstacle/Hindernis und Plan/Plan. 

Vorsätze – so doziert die Professorin -  sind eine Art Wunsch, der nach tatkräftiger Umsetzung ruft. Die Fachfrau rät, nicht einfach Vorsätze in die Luft hinaus zu pupen, sondern sich möglichst plastisch vorzustellen, wie man den Wunsch realisieren kann und welche Veränderungen er in Gang setzen wird – und es also zu O wie Outcome kommt. O=Obstacle meint: Ich soll nicht so einfältig sein und meinen, der gute Vorsatz werde automatisch zum Willensvollstrecker, sondern ich muss realistisch einschätzen, was alles dem guten Willen entgegensteht. Plan bedeutet nicht mehr und nicht mehr und nicht weniger als Plan: Es bringt mir nichts, wenn ich mir begeistert ausmale, was alles sich in ungefähr einem halben Jahr dank meiner wunderbar guten Vorsätze zum Besseren gewendet haben wird. Also denn, liebe Seele, sei mal hübsch realistisch. Entschliess dich zu kleinen Schritten.  Mach für heute einen Plan, nur gerade für heute. Sei einfach heute mal disziplinierter als Gestern. Oder  bemühe dich heute, nur gerade heute, um mehr Gelassenheit. Oder um mehr Herzensheiterkeit oder was sonst so nötig sein sollte.

Ich bin eine Jägerin und Sammlerin. Wo irgendein Papier oder ein Informationsblatt aufliegt: Ich nehm’s mit. Da habe ich doch  einmal im Freiburger Münster ein winziges Büchlein gekauft – mit 10 Geboten, die von Papst Johannes XXIII nicht in Steintafeln gemeisselt, sondern in seiner Studierstube auf Papier geschrieben worden sind. Wo habe ich bloss dieses Büchlein – Chaos, lass nach – abgelegt? Ich werde die Bücherborde und Schubladen aufräumen, versprochen. Aber jetzt diese 10 Gebote des ebenso gütigen wie klugen Papstes – an zwei Gebote kann ich mich erinnern:

„Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: Vor der Hetzerei und vor der Unentschlossenheit.“

„Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“

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