Wenn sich Familiensysteme überschneiden

Sigrid, 30.01.2017

Liebes Beraterinnenteam,

Mein Partner hatte letztes Jahr einen schweren Unfall und kam vor Weihnachten nach 6 Monaten Krankenhaus mit einem behinderten Fuß und einem psychischen Trauma nach Hause.

Die (erwachsenen) Kinder meines Partners, mit denen wir uns immer gut verstanden, haben uns von ihren Plänen in Kenntnis gesetzt: Über 3 Tage waren Großmütter, Eltern, Schwieger- und Stiefeltern in die Festlichkeiten einbezogen, außer ihrem Vater und mir. Mein Partner wollte ihnen keine Vorschriften machen, und ich habe mitgespielt. Als aber mein Partner am Christtag einen weiteren psychischen Zusammenbruch hatte konnte ich nicht mehr und habe den Kindern gegenüber meine Enttäuschung und Traurigkeit ausgedrückt, dass sie uns außen vor gelassen haben. Das hatte eine emotionale Explosion zur Folge mit Tränen und Aggressionen.

Es hat inzwischen entschärfende Telefongespräche zwischen Vater und Kindern gegeben, aber für mich bleibt viel Frustration: Dass die Kinder mir nicht geantwortet haben, dass der Sohn seinen Vater verbal brutalst behandelt hat. Mein Vertrauen ist dahin.

Ich bin nun unsicher, wie ich ihnen begegnen soll – ich kann es nicht so stehen lassen, möchte aber nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Wir brauchen unsere Energien für so vieles andere. Was tun?

Danke im Voraus und beste Grüße,

Sigrid

 

Guten Abend Sigrid

Gerade habe ich Deinen ausführlichen Bericht über die letzten intensiven Monate durchgelesen. Es muss für Dich, für Euch alle eine anspruchsvolle, schwierige und kräftezehrende Zeit gewesen sein, die Dein Leben und das Deines Partners sehr verändert hat. Und noch immer ist dieser Prozess nicht abgeschlossen. Das ist nicht einfach.Du bittest um eine Stellungnahme. Nun, dies scheint mir in diesem Rahmen nicht sehr sinnvoll. An Stelle dessen möchte ich Dir eine Empfehlung mitgeben. Du hast nämlich etwas sehr Weises geschrieben, nämlich, Du möchtest nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen. Das ist ein sehr guter Ansatz. Wenn Du Dir dies im Umgang mit der ehemaligen Familie Deines Partners zum Massstab machst, hast Du gute Aussichten, dass sich die Situation beruhigt und Du Deine Kräfte für Dich, Deinen Partner und Euren veränderten Alltag einsetzen kannst. Was im Moment sicher das Wichtigste ist.Der Jänner ist nun bald vorbei. Ich hoffe das Weiss dieses Monates hat Euch gut getan und die Situation klärt sich allmählich auf. Wenn nicht, scheut Euch nicht etwas Unterstützung in einer Beratung zu holen. Selbstverständlich darfst Du Dich auch jederzeit wieder hier melden.In diesem Sinn wünsche ich Euch die nötige Kraft, Mut und Hoffnung in der Situation und Weisheit für Euren Alltag.

Herzliche

Grüsse Irene Häfeli – Meyer

 

Liebe Sigrid

Ich möchte den Beitrag von Irene noch etwas ergänzen.

Du versuchst, zwei Familiensysteme zu vereinen und erlebst, dass das nicht geht. Dein Partner bildet mit seinen Kindern samt familiärem Anhang ein System, und Du bildest mit Deinem Partner ein eigenes System. Du kannst nicht Dinge für Deinen Partner erledigen, Du kannst ihn höchstens dabei unterstützen – falls er das wüscht.

Auch ich wünsche Dir, dass er Dir gelingt, diese Abgrenzungen als Gewinn für Dich zu akzeptieren.                      Ganz herzliche Grüsse

Julia Onken

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