Wieso soll ich trotzen?

Benita Batliner, 27.08.2019

Benita Batliner
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Trotzdem? Wieso soll ich trotzen?

Bei dem Wort regt sich ein Widerstand in mir. Ist es nicht genau das, das Trotzen: Widerstand? Ich möchte doch meine Widerstände auflösen und mich lieber vom Fluss des Lebens tragen lassen, auf seinen Wellen tanzen und mit der Energie mitschwingen, anstatt mich ihr entgegen zu stemmen. Trotzen hat etwas von Kämpfen an sich und genau das möchte ich nicht mehr. Alles in mir sehnt sich nach Frieden.

Natürlich falle ich täglich noch in die vielen Schlaglöcher auf meinen Synapsenstrassen aus alten Gewohnheiten und Glaubenssätzen. Aber ich gebe nicht auf. Ja, vielleicht trotze ich ihnen und wähle immer wieder neu die Liebe, obwohl es oft noch harzig geht.

Obwohl. Dieses Wort gefällt mir besser als trotzdem. Es ist weicher und biegsamer. Offener, freilassender und wohlwollender als trotzdem. Das Obwohl trägt ein sanftes Lächeln im Gesicht. Das Trotzdem steht mit grimmigem Blick unbeweglich und unbeirrbar da. Dazu fällt mir ein Bild ein: Gandalf, wie er mit entschlossener Miene auf der Brücke von Khazad-dûm steht und mit einem kräftigen Stoss seines Stabes und den Worten „you shall not pass!“ die Brücke zum Einsturz bringt, um den Balrog daran zu hindern, zu seinen Freunden zu gelangen. (Wer den Herrn der Ringe nicht kennt: der Balrog ist ein riesiger Dämon) Das ist ein Bild des Widerstandes, des Trotzes, das mir ungeheuer imponiert.

Ich träume gerne gross und überschätze oft den Aufwand, der mit der Umsetzung eines Traumes verbunden ist. Wenn ich das erkenne, gebe ich keineswegs auf, sondern mache es trotzdem, jedoch in meinem Tempo und mit meinen Möglichkeiten. Wenn ich alleine dastehe mit meinen Ansichten und Überzeugungen, folge ich ihnen trotzdem, weil mein Herz sie mir befiehlt und ich mich lieber von ihm leiten lasse als von massentauglichen Meinungen und Vorschriften.

Ich trotze nicht mehr im Sinne von kämpfen gegen irgendetwas. Ich setze meine Energie lieber ein, um etwas Besseres aufzubauen. Aber ich trotze im Sinne Gandalfs gegen sämtliche Balrogs in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, die mich von meinem Weg abbringen und am Wachsen hindern wollen.

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