Woher weiss ich, was ich will?

Petra Sewing-Mestre, Frauenakademie Luzern, 19.08.2022

Petra Sewing-Mestre, Frauenakademie Luzern
Petra Sewing-Mestre, Frauenakademie Luzern

Wie oft stellen wir uns diese Frage? Meistens wenn wir eine gewisse Langeweile, Orientierungslosigkeit oder sogar Sinnleere verspüren. Deshalb sofort mal eine

Gegenfrage: Muss ich überhaupt wissen, worin meine Lebensaufgabe besteht?

Die Antwort darauf gibt uns unser persönliches Glücksempfinden. Solange wir uns glücklich und erfüllt fühlen und einen Sinn in unserem Leben ausmachen können, solange stellt sich für die meisten Menschen die Frage nach einer Aufgabe oder nach dem Sinn des Lebens im Allgemeinen gar nicht. Einfach leben reicht. Man kann sich ohnehin sehr gut mit dem Streben nach Macht, Besitz oder Ansehen ablenken.

Aber was ist, wenn dieses Streben nach äusseren Faktoren nicht mehr ausreicht? Wenn wir unser Leben als nicht mehr sinnvoll erachten? Dann ist es Zeit, nach einer sinnstiftenden Aufgabe Ausschau zu halten. Mit «Aufgabe» sind dabei keineswegs Tätigkeiten wie Putzen, Unkraut jäten oder Enkelkinder hüten gemeint, obwohl – ich gebe es zu – bei Letzterem ist der Grad zwischen reinem Zeitvertreib und erfüllender Aufgabe sehr schmal.

Das was eine Lebensaufgabe ausmacht, ist die Orientierung an den eigenen Gaben und Fähigkeiten. (Wahrscheinlich steckt in dem Wort «Auf-gabe» nicht umsonst das Wort «Gabe».) Wenn man die eigenen Gaben ausleben kann, stellt sich ganz viel Gutes im Leben ein: persönliche Erfüllung, die Gewissheit, gebraucht zu werden, positive Resonanz der Umwelt und natürlich das Gefühl, dem Leben einen Sinn zu geben.

Denn genau dieses Bedürfnis nach Sinn ist uns Menschen eigen. Schon die antiken Philosophen beobachteten, dass der Mensch offenbar das einzig bekannte Wesen ist,

das die Voraussetzungen für eine «selbstbezügliche Sinnreflexion» hat. Aus diesem Grund stellen sich viele von uns irgendwann einmal im Leben die Fragen «Warum bin ich eigentlich hier?» und «Wie lebe ich am besten, um meinen Daseinszweck zu erfüllen?».

Und diese Fragen sind oft gar nicht so leicht zu beantworten. Häufig kommt es auch erst dazu, wenn man auf eine richtige Lebenskrise trifft. Werden wir bei der Suche nach dem Sinn fündig, kann uns das wiederum über schwerste Lebenskrisen hinwegretten. Der österreichische Neurologe und Psychotherapeut Viktor Frankl zog aus seiner langen KZ-Haft und aus dem Holocaust den Schluss: «Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.»

Wie finde ich nun eine Lebensaufgabe, wenn ich so gar keine Ahnung habe, was ich tun will?

Die Antwort lautet: «Werde aktiv!» - Denn wer nur auf dem Sofa hocken bleibt und auf eine Erleuchtung wartet, bleibt dort meistens auch ohne Erfolg sitzen. Soviel auszuprobieren wie möglich, lässt uns zumindest herausfinden, was wir NICHT wollen – ebenfalls ein Anfang für die Suche nach einer sinnvollen Aufgabe.

Hilfreich kann es auch sein, über folgende 5 Fragen nachzudenken:

Was sind meine Talente und Fähigkeiten?

Wodurch haben sich meine Fähigkeiten entwickelt?

Worüber spreche ich gerne?

Wer könnte von meinen Fähigkeiten profitieren?

Was würde ich tun, wenn ich wüsste, dass ich nicht scheitern kann?

Kleiner sprachwissenschaftlicher Impuls zum Schluss: Das Wort «Aufgabe» ist ein sogenanntes Janus-Wort. Das sind Wörter, die gleichzeitig ihr eigenes Gegenteil bedeuten, wie z.B. auch «umfahren», «aufheben», «Platzangst» oder «Untiefe». Janus-Wörter sind nach dem römischen Gott Janus benannt, der in der Mythologie immer mit zwei Gesichtern dargestellt wurde.

Demnach hat auch «Aufgabe» einerseits die negative Bedeutung von ‘loslassen’ oder ‘sich aufgeben’, andererseits bedeutet das Wort im positiven Sinn soviel wie ‘Sinn’ oder ‘Lebensinhalt’.

Wäre es nicht viel grossartiger, wenn du dich für die zweite Version in deinem Leben entscheidest?

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