Zora Debrunner - Aufräumorgien

Zora Debrunner, 26.02.2021

Zora Debrunner
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Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, wenn es jetzt Frühling wird. Aber bei mir zeigt sich seit Jahren das gleiche Gefühl, sobald der erste Schnee geschmolzen ist:

Ich gerate in eine Art heiligen Aufräumwahn, was sich in Entrümpeln, Abstauben und zwanghaftem Putzen zeigt. In mir erwachen ungeahnte Kräfte und Ideen, wie sich in diesem Jahr unser Zuhause verändern soll. Ich vermute ja schwer, dass diese Ausbrüche von reinigender Kreativität nur deshalb auftauchen, damit ich mich nicht an meine (verhasste) Steuererklärung setzen muss. Vielleicht liegt es auch daran, dass es jetzt wieder länger hell ist. Mein Freund benennt diese meine Phase als “Prokrastinieren”, das Aufschieben von wichtigen Aufgaben. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde Aufräumen wichtiger als Steuererklärungen nachzurennen. Aber damit stehe ich wohl alleine da.

Im Jahr 2020 erlebte ich diese Phase nicht. Zu sehr war ich damit beschäftigt, was die Corona-Pandemie für mich persönlich und beruflich bedeutete. Meine Aufräumorgien hielten sich stark in Grenzen. Ich hatte schlicht und einfach weder Lust noch Energie dafür. Wie unser Garten letztes Jahr aussah, brauche ich ja nicht zu beschreiben.

Dieses Jahr ist es anders und ich bin froh drum. Ich konnte während der kalten Wintertage darüber nachdenken, was ich als nächstes in unserem Garten angehen will. Da steht das Vertikutieren der vermoosten Rasenflächen und das Vertreiben von Mäusen an. Ich freu mich auf das Schneiden der Rosen, die Pflege der Johannisbeerbüsche und der Hortensien.

Doch da ist noch mehr: Ich erinnere mich daran, wie mich bis vor ein paar Jahren mein Vater mit Rat und Tat bei der Pflege des Gartens unterstützt hat. Er war da sehr radikal und klar in seinen Aussagen: “Kauf dir das richtige Werkzeug und beherrsche es.” “Wenn du denkst, du hast fertig gearbeitet in deinem Garten, dann fängt es wieder von vorn an.”

Von vorn anfangen scheint mir ein guter Ausdruck für das aktuelle Leben zu sein. Der Winter ist vorbei. Der Frühling naht. Das Alte will beendet sein, das Neue wartet schon. Räumen wir auf!

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