"Mich wundert, dass ich noch fröhlich bin..."

Meta Zweifel, 24.04.2019

Meta Zweifel
Meta Zweifel

Es muss wohl noch mehr solch bescheidene Gemüter geben, wie ich eines bin. Wäre dies nicht so, hätten an den Ostertagen nicht einige TV-Sender uralte Filme ins Programm genommen, in denen mit enormem Personalaufwand und ungeheurer Dramatik biblisch Geschichten zelebriert werden. Das Pathos, mit dem Moses alias Charlton Heston beiden Tafeln mit den soeben in Stein gemeisselten 10 Geboten gen Himmel hebt, ist alles andere als zeitgemäss – aber doch immer noch beeindruckend.

Die 10 Gebote: Sie stellen höchste Anforderungen an den Menschen und bieten bis heute Anlass zu Diskussionen und Interpretationen. Aber in ihrer ganzen übermenschlichen Erhabenheit scheinen sie mir übersichtlicher zu sein als das, was ich jüngst in einem Magazin-Artikel unter dem Titel TUN SIE WAS! Vorgesetzt bekommen habe -  und in dem mir von A-Z in über 70 Geboten gepredigt wird, wie ich mein Leben umweltverträglich gestalten soll.

Gebot 3 mit dem Titel „Balkon“ beispielsweise ist realisierbar – ja ich achte darauf, dass in meinem Blumenkästen Pflanzen wachsen, die den Bienen Freude machen. Gebot F wie Fliegen: << Im Flugverhalten manifestiert sich der Irrsinn unserer Zeit in seiner reinsten Form >> - da bin ich auf der sicheren Seite. Weil es keinen beruflichen Grund gibt, der mich zum Fliegen zwingt und weil ich nach den Flügen, die ich hinter mir habe, immer am glücklichsten war, wenn ich wieder Boden unter den Füssen spürte. Aber beispielsweise beim Gebot K wie Kaffee versage ich total. Ich trinke gerne Kaffee, jedoch: << Jede Tasse entspricht einer Autofahrt von einem Kilometer >>, verkündet mir der moderne Magazin-Moses in seiner Gesetzessammlung. Ich gehe Gebot für Gebot durch, mehrfach. Dass ich keine Kreuzfahrt plane, gib mir einen Pluspunkt – aber dann sacke ich wieder  ab. Rettungslos Punkt für Punkt. 

Man muss nicht jung sein und zur Umweltheiligen Greta die Hände emporheben, um zu wissen, dass jeder von uns in seinem Umkreis das Menschenmögliche tun muss, um der Zerstörung von Natur und Umwelt Einhalt zu gebieten. Der Tanz ums goldene Kalb führt ins Unheil, das sagen Leute, auf die man hören muss, und zwar jetzt. Aber wenn ich die mehr als 70 Umweltbewahrungs-Gebote lese, kommt mir unweigerlich ein Gedicht aus dem 15. Jahrhundert in den Sinn, das mit dem Vers endet: << Mich wundert, dass ich noch fröhlich bin. >> Man könnte an seiner Lebensberechtigung zu zweifeln beginnen – und sich fragen, ob es für das Klima und den Umweltschutz nicht am besten wäre, man würde gar nicht mehr existieren.........

<< Herr, lass Hirn regnen. >> Und tu auch was. Bitte.

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