War's das eigentlich?

Hanna (Name der Redaktion bekannt), 20.09.2016

Ich weiss nicht, ob Ihr mir helfen könnt. Ich bin 38 Jahre, seit 14 Jahren verheiratet, habe einen Sohn, einen lieben Mann, aber irgendetwas fehlt mir. Ich sitze mit meinem Mann vor dem Fernseher, wir schauen uns einen Film an, dann gehen wir ins Bett (selbstverständlich keine Zärtlichkeiten, wir schlafen seit einigen Jahren nicht mehr miteinander). Wir streiten nicht, wir sind höflich. Aber es ist derart langweilig, dass ich mich frage, wars das eigentlich?

Antwort

Liebe Hanna

Nein, das war es noch lange nicht. Du bist im 6. Jahrsiebt und punktgenau bei den wichtigsten Fragen angekommen: wohin soll die Reise gehen. Diese Fragen sind in dieser Altersfrage typisch. Die Phase der Familiengründung ist beendet, der Sohn steht kurz davor, sich selbst Gedanken über sein Leben zu machen und nun folgt die logische Frage: „was ist eigentlich mit mir?“

Erstens geht es darum, diese Frage ernst zu nehmen, sie weder als „komisch“ oder gar als „blöd“ zu bewerten, sondern im Gegenteil, sie zu begrüssen. Das heisst nämlich auch, jetzt geht es erst richtig los. Familienverpflichtungen werden geringer, der Freiraum grösser. Und jetzt heisst es, sich selbst den eigenen Belangen zuzuwenden und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Dabei kann Dir folgendes helfen:

  1. Beginne mit Deinem Mann darüber zu sprechen. Auch er hat bestimmt ähnliche Fragen. Erzähle ihm von Deinen Gedanken und sage ihm, dass Du so gerne wissen möchtest, wie er darüber denkt.
  2. Rede mit Deinen Freundinnen. Du wirst auf viele interessante Überlegungen stossen, Du wirst auch erfahren, dass Du nicht die einzige bist, die sich mit diesen Fragen beschäftigt. Wenn wir lernen einander zuzuhören, erhalten wir viele neue Inspirationen und Ideen.
  3. Lese das Buch von Brigitte Hieronimus: Mut zum Lebenswandel, Verlag Kamphausen

Du wirst viele Anregungen finden, die Dich geradezu beflügeln, neue Perspektiven für Dein Leben zu erkunden.

Ich wünsche Dir alles Gute und grüsse Dich sehr herzlich

Julia Onken

3Kommentare

  • Mimi von Sternenstaub
    22.10.2016 19:33 Uhr

    Liebe Hanna
    Ich kann Julia Onkel nur zu stimmen, deine Reise ist noch lange nicht am Ziel, im Gegenteil. Wie ich aus deinen Zeilen heraus lese, hast Du Dir deine " äusseren Lebensziele " erfüllt: Partnerschaft, Ehe, Kind... Und was kommt nun? Ist das nun alles gewesen?
    Für mich kommt nun die Frage auf, stehst Du mit Dir im Selbstkontakt? Was sind deine wirklichen, tiefgreifenden Wünsche? Bin ich einem äusseren, gesellschaftlichen Bild gefolgt und fühle mich damit nicht wirklich erfüllt? Was macht mich glücklich und wie kann ich mich selbst glücklich machen? Mit diesen Fragen sind wir nun schon mitten auf der Reise ins Innere von uns selbst. Wer bin ich, woher komme ich und wohin will ich? Du hast es nun in der Hand deine Zeit und Aufmerksamkeit auf Dich zu richten und hoffentlich auf lustvolle Art und Weise "dein Ich" zu erkunden.
    Für mich persönlich ist die Reise zu mir eine der besten und erfüllendsten Erfahrungen meines Lebens. Ich kann Dich nur ermutigen, mit Dir selber auf den Weg zu gehen!
    Dazu wünsche ich Dir viele vielfältige und spannende Erfahrungen, die dich Dir selber immer näher bringen!

    Herzlich
    Mimi von Sternenstaub (Absolventin des Lehrgängen zur psychologischen Beraterin FSB)

    PS: im Frauenseminar Bodensee/ Onkel Akademie gibt es zu diesem Thema viel spannende Anregungen. Vielleicht findest Du im Programm etwas, was Dich anspricht.

  • 25.10.2016 13:56 Uhr

    Liebe Hanna
    als ich Ihren Beitrag las war mein erster Gedanke: mit dieser Frau würde ich gerne bei einer Tasse Kaffee persönlich sprechen.
    Auf eine Seite, nämlich sich neue Ziele setzen, darauf wurde in den andern Antworten schon hingewiesen. Das lohnt sich immer, ob mit 28, 38 oder auch mit 68 Jahren. Da machen Sie sich auf einen guten Weg. Das ist Ihr eigener Weg und das ist gut so.
    Liebe Hanna, neben dem Weg Ihrer Persönlichkeit, gibt es noch den gemeinsamen Weg, den Sie und Ihr Mann als Ehepaar gehen und gehen werden. Sie schreiben Sie sind seit 14 Jahren mit einem lieben, höflichen Mann verheiratet, schauen seit Jahren abends mit ihm einen Film und gehen danach ohne zu Streiten aber auch ohne Zärtlichkeiten usw. schlafen. Verstehe ich diese Aussage richtig, dass dieser Weg nicht nur ein gemeinsamer, sondern auch ein einsamer ist? Vielleicht ein Weg mit still gelegten Baustellen, vielleicht mit Baustellen denen man keine Beachtung mehr schenkt?
    Nicht streiten tönt für mich zwar nach Ruhe aber auch nach Ruhe vor dem Sturm. Seit Jahren nicht mehr zusammen schlafen, tönt nach einsamen Nächten und lauernder Ausbruchsgefahr. Wäre ich an Ihrer Stelle hätte ich mit Verbitterung zu kämpfen. Liebe Hanna, Sie haben recht, wenn Sie sich fragen ob das alles sei. Eine Ehe ist keine Sackgasse, sie ist ein Weg den es zu gehen und zu bewahren lohnt. Ehe ist der Ort in dem verschiedene Meinungen auch mal lautstark ausgetragen werden. Streiten gehört dazu, Meinungsverschiedenenheiten sind Nahrung für das gemeinsame Gespräch. Diskussionen sind wichtig, Versöhnung auch und sie ist nachher umso schöner.
    Liebe Hanna, wenn die Baustelle Ehe Ihnen wichtig ist, so stehen Sie auf und zeigen Sie ihrem Mann, dass es Sie gibt! Sie sind es wert. Gehen Sie mit Ihm essen, tanzen oder was immer Sie früher gemeinsam getan haben. Locken Sie ihn aus der Nebengasse zurück auf Ihren gemeinsam Weg. Sie sind erst 38, zu jung um nicht aufzubrechen.
    Ich wünsche Ihnen Mut, Freude und Elan beim Einspuren auf die Autobahn...
    Herzliche Grüsse
    Irene H.-M.

  • Susanne V
    21.11.2016 17:49 Uhr

    Liebe Hanna
    Dein Eintrag spricht bestimmt viele Frauen an. Eine Ehe ist für mich eine immer wieder neue Herausforderung. Und das kostet manchmal Energie und Kraft. Da sind die Kleinigkeiten vom Partner die einem manchmal auf den Geist gehen. Angewohnheiten die kaum verändert werden.
    Damit deine "Langeweile" nicht unendlich wird, schliesse ich mich Julia Onken an. Sprich mit deinen Freundinnen darüber. Mein Mann und ich machen einmal in der Woche einen Eheabend. Er oder ich kochen was feines oder wir gehen auswärts. es gibt so viel spannendes das man unternehmen kann. Reden hilft oft. Unsere Welt ist so farbig und es gibt viel Möglichkeiten, diese Farben aus zu testen.
    Ich wünsche dir viel Geduld mit dir und deinem Mann und eine spannende Zeit, die ihr noch vor euch habt!
    Herzliche Grüsse
    Susanne V. Absolventin Frauenseminar Onken

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