Wenn Leben in Plastik eingeschweisst wird

Benita Batliner, 17.05.2018

Benita Batliner
Benita Batliner

Die Auslagen in unseren Supermärkten quellen über von der schier unüberschaubaren Fülle des Angebots. Früchte aus Israel und Südafrika, Gemüse aus der Plastikwüste Südspaniens, Bio-Gemüse in Plastik geschweisst, Trauben im Frühling, Erdbeeren und Spargel im Winter. Unzählige Shampoos und Waschmittel versprechen noch mehr Sauberkeit und Reinheit, noch mehr Volumen und Geschmeidigkeit. Als netten Bonus bekommen wir Silikone, Mikroplastik und andere Gifte gratis dazu, die dann nicht nur unsere Haare glänzen und unsere Wäsche strahlen lassen, sondern unsere Gewässer nebenbei auch noch von seiner lästigen Natürlichkeit befreien. Tonnen von Nahrungsmitteln werden weggeworfen während täglich Menschen verhungern. Alles wird in Plastik geschweisst vom Handtuch bis zur Zeitschrift und dem Gemüse, weil wir dem Wahn namens Hygiene verfallen sind, während unser Planet, unsere Heimat und Lebensgrundlage, in Bergen von Müll versinkt und in den Ozeanen anstelle der Fische bald nur noch Plastikteile schwimmen. Tiere leiden unbeschreibliche Qualen, damit wir noch eine Wurst auf den Grill legen können, um nachher Diät zu halten, weil das Sommerkleidchen vom letzten Jahr nicht mehr passt. Aber es ist ohnehin aus der Mode, als muss unbedingt ein neues her, obwohl der Schrank schon übervoll ist. Wir eifern in unseren Gärten den grossen lebensfeindlichen Monokulturen nach, indem wir unsere Rasen trimmen, damit bloss keine Biene Nahrung findet, und pflanzen exotische Blumen, die das fragile Gleichgewicht zwischen Insekten, Tieren und Pflanzen noch mehr stören. Wir werden von so vielen Informationen und schlechten Nachrichten zugedröhnt, dass wir nicht mehr wissen wo oben und unten, hinten und vorne und vor allem nicht mehr was wahr und was gelogen ist, dass unsere Systeme abschalten und wir leer und ferngesteuert durch die Welt hetzen, um noch mehr zu leisten, noch mehr zu produzieren, noch mehr zu konsumieren.

Wir haben vor lauter Überfluss den Sinn für das Wesentliche verloren. Das Leben zu ehren und zu bewahren und Liebe zu schenken. Stattdessen füllen wir die Leere in uns mit sinnlosen Dingen, jagen ver-rückten Werten nach und verwandeln dadurch unsere Seelen und unseren Planeten in Wüsten. Lassen wir doch einmal das Einkaufen und gehen in die Natur.  Um zu fühlen, dass wir ein Teil von ihr sind und um zu sie beobachten. Sie zeigt uns, wie es geht: Fülle wächst von innen nach aussen, nicht von aussen nach innen. Fragen wir uns doch öfter einmal, ob wir eine Sache, die wir haben möchten, wirklich brauchen, oder ob es etwas anderes gibt, das unsere Not wenden könnte. Suchen wir doch öfter einmal die Antworten in uns selbst, anstatt bei Google. Bestimmt erkennen wir dann immer mehr den Unfug, den wir mit uns selbst und Mutter Erde treiben und anstelle der Supermärkte quellen dann eines Tages unsere Herzen über vor Freude, Mitgefühl und Dankbarkeit.

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