Zum Nachhimmel

Monika Marti, 13.09.2018

Monika Marti
Monika Marti

Ich wünsche mir ein Haus. Ein Haus nahe am See. Mit 11 Zimmern. Und einem kleinen Gartenbereich. Es ist ein Haus, in dem die Freiheit wohnt. Wahrheit. Und Erkenntnis. Es dient als Rückzugsort. Ist Tankstelle für die Seele. Ein Ort, an dem kreative Entfaltung stattfinden kann.

Ich habe das Haus besichtigt. Es ist perfekt. Die Aufteilung der Räume auf 3 Etagen lässt keinen Wunsch offen. Es gibt Platz für einen öffentlichen Bereich. Ein Kurslokal. 4 Gästezimmer. Und eine kleine Wohnung im Dachgeschoss für den Privatbereich. Ums Haus herum schlängelt sich ein Kiesweg, der direkt in den Garten führt. Es fehlt lediglich eine Kleinigkeit, die mich daran hindert, das Haus sofort zu kaufen. Mir fehlt Geld. Nein, nicht viel. Sehr viel.

Mein Gedankenkarussell dreht sich im Kreis. Bin ich mit meiner Vision «auf Kurs» oder schiesse ich am Ziel vorbei? Soll ich am Traum festhalten und mich in einen Geld-Beschaffungs-Aktivismus stürzen? Soll ich mit dem Besitzer «märten» obwohl ich finde, der Preis ist grundsätzlich fair? Könnte vorerst mieten eine Option für mich bedeuten? Loslassen? Abwarten und Tee trinken würde mein Leben bedeutend einfacher machen. Und sicherer. Doch was ist Sicherheit? Legen wir uns nicht oft Dinge zurecht und wähnen uns nur vermeintlich in Sicherheit?

Wir haben bereits einmal ein Haus gekauft. Die Situation war ursprünglich dieselbe: Es fehlte an Eigenkapital. Trotzdem sind wir ein halbes Jahr später im Haus eingezogen. Träume sind nicht immer Schäume. Manchmal sind es Gedanken des Herzens die in Erfüllung gehen.

Ich erinnere mich an Zeiten, da schien alles fragil. Mein Mann verspürte die Sehnsucht, als Vater von 3 kleinen Kindern eine weitere Lehre zu machen. Gemeinsam entschieden wir, dem Wunsch Taten folgen zu lassen und alle Konsequenzen zu tragen, die dieser Schritt mit sich bringen würde. Der Saldo des Kontostands bewegte sich während den vier Jahren unaufhaltsam in ungeahnte Tiefen. Im Gegenzug schnellten die Kosten für eine 5-köpfige Familie explosionsartig in die Höhe. Und doch: Wir hatten alles, was zum Leben nötig war. Friede, Freude und Fantasie. Unsere Teller blieben zu keiner Zeit leer. Die kargen Jahre haben viel von uns abverlangt, ungeahnte Fähigkeiten in uns mobilisiert und Lebenskräfte aktiviert.

Erinnerungen lassen Hoffnung lebendig werden. Hoffnung lässt Wunderglauben gedeihen. Vielleicht möchte der Eigentümer die Villa verschenken? Die Vernunft fragt leise, ob mein Vater mich auffordert, etwas zu wagen. Mich ermuntert, mutig zu sein wie er – als er noch am Leben war. Ist es der Wettkampf und das ruhelose Streben als Kind in der Mitte, das mich antreibt? Der Wunsch, mit besonderen Leistungen Anerkennung zu finden? Oder bin ich ganz einfach bei mir selbst angelangt? Dort, wo Selbstverwirklichung meinem Ego nicht gibt, was es will – sondern mir gibt, was ich wirklich brauche um glücklich zu sein?

Wunder beginnen mit einer Unmöglichkeit.

Ich wohne in einem Haus nahe am See.

Das Haus hat 11 Zimmer und einen kleinen Gartenbereich.

Mein Blick schweift durch das Fenster zum Nachthimmel empor.

Und verbindet sich mit dem Leuchten der Sterne.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen